Start-ups So gelingt die Unternehmensgründung

Die Geschäftsidee ist erst der Anfang. Auf dem Weg zur Selbständigkeit warten Fallen, Hürden und viele Fragen. Wie soll die Firma heißen? Wie ist sie richtig versichert? Und woher kommt das Startkapital? Die wichtigsten Punkte im Überblick.

Von Malte Conradi, Viktoria Großmann und Andreas Jalsovec

Thomas Maier hat das Ganze schon einmal selbst durchexerziert: Vor zwölf Jahren hat der diplomierte Forstwirt sein eigenes Unternehmen gegründet. Maier nutzte die Ergebnisse eines Forschungsprojektes für die Firma, die sich unter anderem die Konservierung von frischem Holz zur Aufgabe gemacht hat. Zwischen der "Ernte" des Holzes im Wald und der Weiterverarbeitung liegen oft mehrere Wochen, erläutert er: "Wir haben so eine Art Frischhaltebeutel für Holz geschaffen", erklärt er die Geschäftsidee - eine Folie, unter der das Holz unter Sauerstoffabschluss lagern kann.

Die Idee war erfolgreich. Maiers Wood-Packer GmbH gibt es noch heute. Er selbst steht ihr als Geschäftsführer vor. Allerdings "vor allem Nachmittags", wie er bekennt. Vormittags kann man ihn im Gründerbüro der Universität Freiburg antreffen. Maier berät dort Studenten, Doktoranden und Post-Doktoranden, die ebenfalls ihre eigene Firma aufmachen wollen. Rund 50 Gründungen bringen die Freiburger Berater jährlich aus der Uni heraus auf den Weg. Die Erfolgsquote ist erstaunlich hoch: 80 Prozent überleben - ein Zeichen dafür, dass die Ideen der Akademiker in vielen Fällen ganz gut funktionieren.

Einfälle, auf die sich erfolgreich eine Firma gründen lassen, sind auch im Wettbewerb Generation-D gefragt, den die Süddeutsche Zeitung zusammen mit der LMU München und anderen Partnern vor fünf Jahren ins Leben gerufen hat.

Die wenigsten Studenten freilich wissen, was da konkret bei einer Gründung auf sie zukommt. "Einige haben außer einer Idee noch überhaupt keine Vorstellung", sagt Gründer-Berater Maier. Andere dagegen kommen schon mit einem ausgefeilten Plan in der Gründerberatung an.

Bevor man sich freilich Gedanken über Firmennamen, Finanzierung oder die richtige Rechtsform macht, sollte zuerst eine ganz grundsätzliche Frage geklärt werden, meint Guido Langemann, Gründerberater bei der Industrie- und Handelskammer Hannover: "Warum soll jemand überhaupt das Produkt kaufen wollen, das man sich ausgedacht hat?" Und wenn es jemand kaufen will: Wie kommt man an die Kunden ran? "Zuerst muss man die Gründungsidee kritisch hinterfragen", findet auch Thomas Maier. Wer kommt als Kunde in Frage? Welchen Nutzen haben sie aus dem Produkt? Wer sind die Konkurrenten? Erst dann geht es ins Detail. Die Antworten zu den wichtigsten Fragen finden Sie auf den kommenden Seiten.

Echter Name oder reine Phantasie?

Wer gleich an die große Welt denkt, sollte sich an Google und Yahoo ein Vorbild nehmen. Die Namen sind so sinnfrei wie eingängig, und jeder kann sie aussprechen. In der Mode ist es Tradition, dem Unternehmen seinen eigenen Namen aufzudrücken, so wie Coco Chanel und Jil Sander. Auch Handwerker sollten ihre Firma nach sich selbst nennen - Fliesenleger Martin Müller etwa. Wer allerdings Unrein heißt, sollte sich für seine Putzfirma vielleicht etwas anderes einfallen lassen. Für kreative Namen werden häufig Blends oder Akronyme verwendet. Bei einem Blend werden zwei Wörter ineinandergeschoben wie zum Beispiel Microcomputer und Software zu Microsoft. Das Akronym ist ein Kurzwort, gebildet aus den Anfangsbuchstaben mehrerer Wörter. Ein Münchner Architekturbüro für Passivhäuser etwa heißt Nest. Das passt zum eigenen Heim und bedeutet zugleich Niedrigenergie-Standard.

Klingt der Name gut?

Wer einen Namen gefunden hat, sollte ihn zunächst im Freundeskreis testen. Am besten am Telefon. Da merkt man, ob der Name verständlich ist. Vielleicht fragt man seine Freunde später noch einmal, um zu sehen, ob sie sich den Namen gemerkt haben. Wer ganz sichergehen will, kann bei spezialisierten Agenturen eine Namensanalyse in Auftrag geben. Für einige tausend Euro übernehmen solche Agenturen auch den gesamten Prozess der Namensgebung. Nicht zuletzt sollte, wer seiner Firma einen kreativen Namen gibt, eine Erklärung in petto haben. Warum heißt ein Modekonzern Mango und ein Computerhersteller Apple? Klar, wegen der Vorliebe der Gründer für Obst. Die Modekette ist allerdings das bessere Vorbild: Die exotische Frucht heißt überall auf der Welt gleich.

Lieber Englisch oder Deutsch?

Selbst bei der Expansion ins Ausland kann ein deutscher Name durchaus sinnvoll sein, zeigt er doch gleich, woher die Firma kommt. Genau aus diesem Grund nannten die Gründer der Taschenfirma Liebeskind sich so. Wer sich für einen englischen oder auch für einen Kunstnamen entscheidet, sollte in jedem Fall Muttersprachler konsultieren, im Wörterbuch nachschlagen oder den Namen einmal in alle verfügbaren Sprachen im Online-Wörterbuch leo.org eintippen. So vermeidet man, dass der Name in anderen Ländern als Schimpfwort gilt. Fehlgriffe passieren selbst den Großen. Mitsubishi nannte ein Modell Pajero - in spanischer Sprache eine Beleidigung. Audi lässt sich nicht davon abbringen, sein Elektro-Auto e-tron zu nennen, ein Name, der in Frankreich nicht gut ankommt.

Wie schütze ich den Namen?

Je nachdem wie individuell die Namensschöpfung ist, kann sie als Marke geschützt werden. Für die meisten kleineren Firmen spielt das allerdings keine Rolle. Beim Deutschen Patent- und Markenamt kann ein Markenname auf dem Gebiet der Bundesrepublik geschützt werden. Ein Antrag auf weltweiten Schutz kann hier ebenfalls gestellt werden, der Antrag wird dann weitergeleitet an die Weltorganisation für Geistiges Eigentum. Markenschutz wird zunächst für zehn Jahre gewährt. Er muss danach regelmäßig verlängert werden. Die Gebühr beträgt mindestens 300 Euro, die Verlängerung kostet mindestens 750 Euro.