Schutz vor Benachteiligung im Job "Nur weiße Männer um die 30"

Hochqualifiziert und trotzdem nur Absagen: In der Arbeitswelt werden Ausländer, Ältere und Frauen noch immer benachteiligt, klagt Christine Lüders. Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle über den Erfolg anonymer Bewerbungen, die Generation Praktikum - und harte Strafen für diskriminierende Firmen.

Interview: Roland Preuß

Vor fünf Jahren trat das umstrittene Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz in Kraft, es verbietet Benachteiligung wegen Rasse, Herkunft, Geschlecht, sexueller Identität oder Alter. Christine Lüders leitet die Antidiskriminierungsstelle des Bundes, diese soll Benachteiligung verhindern und die Wirkung des Gesetzes erforschen.

SZ: In Spanien und Israel protestieren Tausende junge Leute, viele sind arbeitslos oder fühlen sich chancenlos im Wettbewerb um Jobs oder Wohnungen. Was kann da ein gesetzlicher Schutz vor Diskriminierung wegen des Alters bewirken?

Lüders: Bei einer Jugendarbeitslosigkeit von fast 50 Prozent reden wir weniger über ein Diskriminierungs- sondern eher über ein massives Arbeitsmarktproblem. Aber auch in Deutschland haben junge Leute oft Schwierigkeiten: Sie reihen Praktikum an Praktikum oder werden nur befristet beschäftigt ohne Aussicht auf ein reguläres Arbeitsverhältnis.

SZ: Inwiefern kann ein Diskriminierungsverbot überhaupt bei der Stellensuche helfen?

Lüders: Solch ein Gesetz muss gelebt werden, und jedes Land muss seinen eigenen Weg finden, wie es mit Diskriminierung umgeht. Nehmen sie das Beispiel anonymisierter Stellenbewerbungen. Was hat es für einen Aufschrei gegeben in Deutschland. Eine Umstellung sei viel zu aufwendig, hieß es aus der Wirtschaft. Doch unser Pilotprojekt hat gezeigt: Der Aufwand ist sehr übersichtlich. Und Studien zeigen: Die Unternehmen profitieren, etwa wenn in ihren Teams Menschen mit türkischen Wurzeln arbeiten, wenn da ein Homosexueller mit am Tisch sitzt und Ältere. Wer nur weiße Männer um die 30 einstellt, dem fehlt die Sensibilität im Umgang mit Zuwanderern und die Erfahrung von Älteren.

SZ: Wo wird in Deutschland am meisten diskriminiert?

Lüders: In der Arbeitswelt und bei Alltagsgeschäften, etwa Wohnungsvermietungen. Bei Einstellungen haben Bewerber mit fremd klingenden Namen oder anderer Hautfarbe deutlich schlechtere Chancen als der Durchschnitt, aber auch Ältere und Frauen, die Kinder haben oder Kinder bekommen könnten.

SZ: Verstehen Sie einen Arbeitgeber, der sagt: Ein strenggläubiger Muslim passt nicht in unser lockeres Team?

Lüders: Nein, das kann ich nicht nachvollziehen. Wenn der Muslim gut qualifiziert ist und mitarbeitet, dann besteht kein Grund, ihn zu benachteiligen.