Von Meike Strüber

Viele Bewerber schmücken ihre Vita mit kleinen Notlügen und Schönfärbereien, erfinden Auslandsaufenthalte und Nebenjobs. Wie Personaler Schwindlern auf die Schliche kommen.

Der 35-Jährige staunte nicht schlecht, als ihm die fristlose Kündigung ins Haus flatterte. Acht Jahre hatte er zur vollsten Zufriedenheit seiner Chefin bei einer Autofirma gearbeitet und damit unter anderem den Unterhalt für seine beiden Kinder bestritten - bis seine Arbeitgeberin eines Tages auf die Idee kam, bei der örtlichen Industrie- und Handelskammer anzurufen.

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Selbst dem geschulten Personalerblick entgeht in Zeiten digitaler Bildbearbeitung die ein oder andere Fälschung im Zeugnis. (© Foto: ddp)

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Was sie da hörte, konnte sie kaum glauben: Ihr Mitarbeiter hatte zwei Prüfungsnoten seines Ausbildungszeugnisses um eine Zensur verbessert - und sich mit dem gefälschten Dokument seinen Job erschwindelt.

Für Manfred Lotze von der Düsseldorfer Detektei Kocks gehören Urkundenfälschungen wie diese zur Tagesordnung. Der Wirtschaftsdetektiv durchsucht im Auftrag mittelständischer Firmen jährlich rund 300 Bewerbungsmappen nach gefälschten Zeugnissen und frisierten Lebensläufen.

Ein Drittel aller Bewerber schummelt

"Ein Drittel aller Bewerbungen in Deutschland enthalten Schummeleien", schätzt der Spezialist für Bewerbungsbetrug. Repräsentative Umfragen gibt es keine. In einer Stichproben-Untersuchung von 5000 Bewerbungen will die Detektei jedoch herausgefunden haben, dass in 30 Prozent der Unterlagen geflunkert wurde.

Auch Christoph Zeiss, Chef der Münchner Personalberatungsfirma Heads, bemerkt den Trend zum Tricksen. Er geht davon aus, dass von den 10.000 Lebensläufen, die seine Firma jährlich sichtet, 2500 Lügen enthalten. Tendenz steigend.

"Geschicktes Verschweigen", etwa wenn ein Studienabbrecher sein Studium angibt und offenlässt, ob er einen Abschluss hat, zählt er noch nicht einmal dazu. "Auch wenn jemand als Marketingleiter eines weltweiten Sportartikelherstellers tätig war und im Lebenslauf nicht erwähnt, dass er bloß einer von 15 war, ist das okay", sagt Zeiss.

Je schwieriger die Lage auf dem Arbeitsmarkt wird, desto eher neigen Jobkandidaten zum Übertreiben, Verschweigen und Erfinden. Die häufig überhöhten Ansprüche der Unternehmen an den "perfekten Mitarbeiter" ziehen immer öfter unrealistische Bewerbungen nach sich. Und je mehr Blender erfolgreich sind, umso dümmer stehen die ehrlichen Kandidaten da - ein trauriger Teufelskreis.

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