Arbeit zur Ansicht: Immer mehr Bewerber sollen unentgeltlich zur Probe arbeiten - betroffen sind nicht mehr nur Friseure und Kellner.
"Die spinnen doch!" Verständnislosigkeit und eine vage Furcht vor den neuen Spielregeln am Arbeitsmarkt befeuern den Zorn des jungen Einzelhandelskaufmanns aus Münster. "Ich hatte mich auf eine Stellenanzeige beworben", sagt er, "und als die Dame aus der Personalabteilung ein paar Tage später anrief, freute ich mich schon und dachte, es ginge um das Vorstellungsgespräch. Aber Pustekuchen: Ob ich bereit sei, zwei Wochen lang zur Probe zu arbeiten? Das sei die Vorbedingung, erklärte sie kategorisch, anders habe ein persönliches Kennenlernen keinen Sinn."
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Einmal legen und föhnen sagt mehr als manches Zeugnis. Ob Friseurin oder Kaufmann: Heutzutage ist es üblich, zur Probe zu arbeiten, oft unentgeltlich. (© Foto: oh)
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Als Mann?
Von Probearbeiten hatte der 25-Jährige schon gehört. Seine Freundin, eine soeben ausgelernte zahnmedizinische Fachangestellte, wurde unlängst auch dazu aufgefordert. "Einen Tag lang sollte sie am Stuhl assistieren", sagt ihr Partner, "das scheint branchenüblich zu sein, und einen Tag kann man sich das ja auch gefallen lassen. Aber gleich zwei Wochen? Und als Kaufmann?"
Und als Mann?, hätte er noch staunend hinzusetzen können. Denn mit der Aufforderung, ihr Geschick ein paar Stunden, Tage oder Wochen beim Arbeitgeber in spe unter Beweis zu stellen, werden vielfach Frauen konfrontiert. Friseurinnen, Floristinnen, Verkäuferinnen im Einzelhandel, Restaurantfachkräfte sowie Helferinnen in Arzt- und Zahnarztpraxen und Anwaltskanzleien kalkulieren inzwischen bei der Jobsuche die Arbeit zur Ansicht ein.
Frauen sind Vorreiterinnen
Sie sind daher Vorreiterinnen der Probearbeit, heißt es bei der Arbeitsagentur, weil es so viele von ihnen gibt, weil ihre Arbeitsverhältnisse oft nicht lange währen und weil sich aus ihren Zeugnissen zwar immer Positives, aber nicht immer die Wahrheit herauslesen lässt. Da machen die Chefs sich gerne selbst ein Bild.
"Der Trend geht zur Probebeschäftigung", bestätigt Ralf Kleine, Personalberater aus Frankfurt. "Noch betrifft das fast nur gering qualifizierte Arbeitnehmer, doch die höheren Berufsgruppen schließen auf." Bürofachkräfte, Assistentinnen, Programmierer und Techniker reihen sich in die Testkandidaten ein, auch Gesellen werden vorab auf Hand und Hirn geprüft. Hochschulabsolventen wissen ohnehin längst, wo der Hase langläuft. Nur kommt die Probearbeit in Agenturen, Studios, Beratungsfirmen und kaufmännischen Unternehmensbereichen gern als "Praktikum" daher. Das klingt zwar anspruchsvoller, ist inhaltlich jedoch meist Jacke wie Hose.
Auf dünnem Eis
Wer von einem Job heraus in einen anderen wechseln will, sollte sich eine Probearbeit gut überlegen. "Festangestellte Arbeitnehmer dürfen nicht gleichzeitig bei einem anderen Arbeitgeber arbeiten", erklärt Kleine, "das verbietet das Arbeitsrecht." Der Personalprofi weiß: "Wer ein massives Interesse an einer Position hat, der lässt sich nach dem Grundsatz 'Wo kein Kläger, da kein Richter' durchaus darauf ein und verbringt zwei, drei Urlaubstage in einer anderen Firma." Dazu rät er aber nicht. "Wer das tut, begibt sich auf sehr dünnes Eis."
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Man spricht ja auch schon von der Generation Praktikum. Je nach Arbeitsmarktlage kann man das ganze vermutlich noch deutlich verlängern. Es ist einfach unanständig, Menschen für sich arbeiten zu lassen und dann nichts dafür zu geben. An Alle die sowas machen: Schämt Euch !!
Diese Art der Ausbeuterei habe ich im Freundeskreis (mehrere Tage Vollzeitarbeit als Diplomgrafiker, ohne Fahrtkostenerstattung, geschweige denn sonstiger Bezahlung) als auch selber bei der Suche nach einem Ferienjob als Küchenhilfe erfahren. In beiden Fällen wurde danach noch nicht mal eine Absage erteilt...
...eine neue sparmassnahme vieler firmen, um arbeitskräfte einzusparen. vor allem in sektoren, wo kaum qualifikation gefragt ist, eine sehr rentable geschäftsidee...
noch billiger als die ein euro-jobber
vom billig-lohnland zum nulltariflohnland
... meinen Beruf als Mediengestalter immer wieder mal nach neuen Aufgabengebieten um. Auf eine Bewerbung von mir bekam ich folgende Antwort: (Musste leider einige Stellen unkenntlich machen!)
"Hallo XXX,
zuerst einmal herzlichen Dank für Dein Interesse an einer Tätigkeit in unserem Betrieb!
Um uns ein Bild über Deine Arbeitsweise machen zu können und um Gleichheit für alle Bewerber zu schaffen, bitten wir Dich, folgende Aufgabe zu lösen und an uns zurückzusenden:
Am Samstag, 13. März 2010, legt XXX im XXX auf.
Gestalte hierzu ein großformatiges Plakat, mit dem unser Event beworben werden soll. Überlege Dir zudem eine ausgefallene Aktion, mit der möglichst viele Gäste in den Club gelockt werden können und setze diese Idee gestalterisch um.
Näheres zum DJ Oliver Garcia findest Du unter www.XXX.de, unser Logo haben wir beigefügt. An die Gestaltung sind keine besonderen Vorgaben geknüpft, lediglich die Farben schwarz und gold sollten berücksichtigt werden.
Weitere Fragen beantworten wir Dir gerne unter XXX@XXX.com !
Viel Spaß bei der Umsetzung der Ideen wünscht Dir, XXX.
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Na was sagt ihr, so kann man doch kostenlos und unverbindlich Hunderte Ideen sammeln. Nicht mal ein Kennenlernen und schon wird Probearbeit verlangt.
Offenbar verstehe ich Praktikum und Probearbeiten anders als die meisten Arbeitgeber.
Ein Praktikum ist für mich folgendes:
Während eines Studiums wird während eines Semesters, oder aber zwischen Semestern in den Ferien zu begrenzter Zeit, einem Studenten die Möglichkeit gegeben sein theoretisches Wissen an einem Arbeitsplatz durch praktische Tätigkeit zu vertiefen.
Probearbeit ist für mich nichts anderes wie eine "Schnupperlehre". Für maximal 5 Tage werden einem Interessenten die einzelnen Tätigkeitsfelder und Aufgaben gezeigt um Ihm einen Eindruck zu vermitteln.
Wenn nun aber beide Definitionen im Grunde bedeuten: Längere Zeiträume Arbeitskräfte zum Nulltarif zu beschäftigen (um evtl. Auftragsspitzen abzufangen), wozu brauche ich dann noch befristete Arbeitsverträge bzw. Arbeitsverträge mit Probezeit??
Schlußendlich werden wir wieder im Mittelalter landen. Zu Bedingungen daß nur der Jugendliche/Berufseinsteiger einen Job erhält der noch Geld mitbringt und dann eine "Lehrgebühr" bezahlen muss.