Eltern der "bürgerlichen Mitte" werden bei der Schulwahl nervös: Sie vertrauen nicht darauf, dass ihre Kinder gemeinsam mit Migranten gut lernen können. Das sorgt für einen Boom der Privatschulen.
Die Bergmannstraße in Berlin- Kreuzberg ist ein attraktiver Kiez, Szenekneipen, Antiquitäten- und Dönerläden prägen das Altbauviertel. Außer Migranten leben hier viele Studenten und Kreative. Eine denkmalgeschützte Schule aus rot-gelbem Backstein gibt es auch. Aber das rostbraune Tor ist verschlossen, auf dem Schulhof und den alten Tischtennisplatten liegt Matsch und gekehrtes Laub. Der Schule fehlten die Schüler, Eltern meldeten ihre Kinder ab oder stellten Umschulungsanträge. Der letzte Jahrgang mit Schulanfängern umfasste nur noch 19 Kinder, überwiegend Kinder von Migranten.
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Grundschüler: Viele fliehen aus den staatlichen Schulen. (© Foto: ap)
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Gute Schüler fliehen immer öfter aus den staatlichen Schulen, oder die Familien ziehen in ein anderes Viertel. Das Phänomen ist in vielen Innenstädten zu beobachten, in Berlin wird derzeit heftig darüber diskutiert. "Die Gründung zahlreicher privater Schulen, oft von den enttäuschten Eltern angeregt, ist eine eklatante Misstrauenserklärung an das Berliner Schulsystem", schrieben vor kurzem 68 Schulleiter des Bezirks Mitte in einem Protestbrief.
Viele deutsche Eltern würden nicht darauf vertrauen, dass ihre Kinder gemeinsam mit Kindern von Migranten gut lernen könnten, sagt Vera Vordenbäumen, Elternsprecherin der Lenau-Grundschule in Kreuzberg. "Was für die Kita noch normal war, gilt offensichtlich ab dem Schuleintritt nicht mehr."
Ist der Ruf erst ruiniert
Der Ruf einer Schule wird immer wichtiger. Doch wie entsteht dieser Ruf? "Das ist überhaupt nicht fassbar. Das ist immer so die Spielplatzparole im Kiez - das, was im Kiez so erzählt wird", sagt die Elternvertreterin. Am Ende orientieren sich viele vor allem an der sozialen Herkunft der Schüler.
Als die Rosegger-Schule in der Bergmannstraße schließen musste, wurden die Kinder an umliegende Schulen verteilt. Doch nun beginnt alles von neuem: Der schlechte Ruf der geschlossenen Schule wanderte mit den Kindern an die früher als Vorzeigeschule bekannte Lenau-Schule. Auch sie leidet bereits unter sinkenden Anmeldezahlen.
Vera Vordenbäumen versteht das nicht: "Da sind genau die gleichen kompetenten Pädagogen am Werke wie vorher." Allerdings stellte auch sie zunächst einen Ummeldeantrag, der aber abgelehnt wurde. Für viele ist der Anteil der Kinder, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, entscheidend für die Schulwahl. An der Lenau-Schule liegt er bei 70 Prozent, in anderen Schulen der Umgebung nur bei 30 Prozent - den begehrten Schulen.
Teures Schulgeld
Eltern der "bürgerlichen Mitte" würden bei der Schulwahl nervös; sie grenzten sich gegen Milieus am unteren Rand der Gesellschaft ab, analysiert eine Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung mit dem Titel "Eltern unter Druck". Neue private Grundschulen verschärfen diesen Trend nach dem Kindergarten: Von 13 privaten Schulen, die im vorigen Jahr in Berlin neu eröffneten, waren acht Grundschulen, in Hamburg waren es fünf von zehn.
In Köln stieg die Zahl privater Grundschüler innerhalb eines Schuljahres von knapp 400 auf fast 600. Christiane Witek, Sprecherin des Dachverbandes der Privatschulen, beobachtet, dass es immer mehr Anfragen zur Gründung freier Grundschulen gebe. "Diese Anfragen kommen besonders aus den Ballungsräumen."
Die Zahl der privaten Grundschüler steigt bundesweit: 2001 waren es 45.000, 2007 fast 74.000. Auch die geschlossene Schule in der Berliner Bergmannstraße soll jetzt als private Einrichtung wieder eine Zukunft erhalten. Vier freie Träger haben sich beworben, darunter eine Initiative für eine evangelische Schule, die den Wegzug aus dem Bezirk stoppen will. Doch Privatschulen erheben Schulgeld, nicht jeder kann sich das leisten, und der Vorsitzende im Schulausschuss des Bezirksparlaments, Björn Eggert (SPD), befürchtet "kannibalistische Effekte" zu Lasten anderer Schulen.
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Nationalteam vor der EM
Das Verhalten der Gruppe und des Klassenumfelds hat einen sehr großen Einfluss auf die Leistungsbereitschaft der Kinder. Ich war auch mal Schüler :)
Viele Eltern fürchten sich vor der berüchtigen Multi Kulti Klasse +50 % Ausländeranteil und dem damit verbundenen Leistungsabfall. Aber sicherlich auch vor Gewalt und Kriminalität. Kartoffelklatschen und dergleichen soll es ja geben...
Man kann nun einmal niemanden in fremde Idealvorstellungen zwingen, vor allem wenn sich die Realität in Form des Alltags zeigt.
(ob ich jetzt wohl Rot bekomme?)
Das kommt mir ein bischen so vor, als ob die Kinder von begüterten Eltern nun ein Problem lösen sollen, das sich die Gesellschaft auf vielfältige Weise eingebrockt hat - das kann es nicht sein.
Ich kann mich gut an meine Schulzeit erinnern und bin froh, dass ich nicht in einem benachbarten Problemviertel auf der Schule war sondern bei mir im Viertel, wo es ruhiger war - weniger wegen dem vielleicht schlechteren Lernen, sondern schlicht wegen der brutalen Gewalt, die andernorts herrschte.
Die fortschreitende Segregation an den Sprengelschulen, war eines der Kriterien, warum wir unseren Ältesten auf eine staatliche Schule geschickt haben. Dort gab es Ausländerkinder ohne Deutschsprachkenntnisse und Kinder mit sehr dürftig ausgeprägter Sozialisierung. Alles kein Problem für unseren selbstbewussten und humorvollen Sohn. Ganz im Gegenteil. Türken und Afghanen waren ihm die liebsten.
Nach zwei Jahren haben wir dann doch den Schritt in eine Privatschule gemacht. Nicht wegen der kulturellen Unterschiede, schon gar nicht weil zu wenig gelernt wurde, sondern wegen des Fehlens einer zukunftsgerichteten Perspektive im Schulbetrieb. Alles war so alt und hausbacken, genau wie wir es selbst vor 40 Jahren erlebt haben. Dass inzwischen gänzlich andere Fertigkeiten im Beruf erwartete werden, hat sich einfach noch nicht rumgesprochen. Das schadet mittelfristig dem Image der öffentlichen Bildungseinrichtung. Es braucht dringend einen Paradigmenwechsel im Bildundssystem.
Das Problem entsteht nicht durch das blose Vorhandensein von Privatschulen, sondern durch deren Selektionsmechanismen wie Schulgebühren und eventuelle religiöse Auswahlkriterien. Eine Alternative wäre, wenn alle Schulen je Schüler dieselbe Geldsumme vom Staat bekämen, sie dafür aber auch gezwungen sind, auf Gebühren und andere Selektionen zu verzichten - dafür aber alle Schüler aufzunehmen - oder, wenn die Menge zu gross ist, unter den Interessenten eine Zufallsauswahl durchzuführen. Sonst Verlieren die Eliten einschliesslich der begünstigten Mittelschicht schnell das Interesse an einem allgemein hohen Bildungsniveau bzw. indirekt, Steuern zu zahlen. Neben den ökonomischen Problemen stellt dies auch eine Aufkündigung des Gesellschaftsvertrages dar und legitimiert somit jeglichen Wiederstand gegen die oberen Klassen der Gesellschaft. Auch zeigt sich im SZ-Artikel wie jetzt schon Klassenschranken zu Rassenschranken werden. Es ist eine weitere Verstärkung der latenten Apartheittendenz der deutschen Gesellschaft, wie sie von internationalen Bildungsstudien wie Pisa schon jetzt kritisiert wird. Wenn die Politik da nicht gegen hält, wird es mehr Gewalt geben und auch mehr gewaltsame politische Auseinandersetzungen - was jedoch dann nicht unberechtigt ist.
Hier sind halt zwei ganz engagierte Lehrer unterwegs, die dass tun, was sie am besten können.
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