Weber-Wulff: Professoren und Lehrer rüsten auf und lernen dazu. Häufig ist aber nicht mangelnde Medienkompetenz das Problem, sondern Zeit und der Betreuungsschlüssel. Bei 200 Studenten in einem Proseminar muss ein Dozent erst einmal alles lesen. Will er dann noch Plagiatskontrollen durchführen, dauert das unglaublich lange.
Debora Weber-Wulff: Sie ist Expertin für die Erkennung von Plagiaten, hat Richtlinien für Lehrende erarbeitet und testet Software zur Identifikation von Plagiaten. (© Foto: oH)
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sueddeutsche.de: Mittlerweile können Unis auch Software zur Plagiats-Erkennung einsetzen. Funktioniert sie besser als die Fälschersuche via Suchmaschine?
Weber-Wulff: Das kommt ganz auf die Software an. Wir haben 24 Systeme getestet, von denen leider keines mit sehr gut abgeschnitten hat. Sieben haben wir mit gut bewertet, zwei mit einer fünf, und bei acht Systemen musste der Test abgebrochen werden, weil sie nicht funktionierten. Ein großes Manko bei allen Produkten ist, dass sie keine Übersetzungsplagiate finden. Übersetzt ein Student etwa aus einem englischen Text und gibt die Quelle nicht an, rutscht das der Software bislang noch durch.
Manche Systeme sind für Unis umsonst, andere dagegen kosten mehrere tausend Euro im Jahr. Da sollte man sich schon genau überlegen, ob man die Plagiate nicht schneller und unkomplizierter über die Suchmaschine findet.
sueddeutsche.de: Mit welchen Konsequenzen müssen Schüler, Studenten und Professoren rechnen, die erwischt werden?
Weber-Wulff: Das liegt in der Hand ihrer Lehrer, Professoren und der Universitäten. Schüler und Studenten fallen in der Regel durch und müssen die betreffende Arbeit noch einmal schreiben. Mit plagiierenden Professoren wird leider ganz unterschiedlich umgegangen. Die Uni Bonn hat einem Dozenten sowohl die Prüfungsberechtigung in allen Fällen als auch die Verfügung über Finanzmittel entzogen. Andernorts bleibt es aber oft bei mahnenden Worten.
sueddeutsche.de: In Baden-Württemberg gibt es Pläne, plagiierende Studenten zu exmatrikulieren. Was halten Sie davon?
Weber-Wulff: Ich finde die Idee gut. Allerdings ist das Verfahren noch nicht ausgereift. Ich plädiere für Ordnungsausschüsse an jeder Universität. Dieses Gremium, in dem auch Studenten vertreten sein sollten, sollte nach festgelegten Kriterien jeden Plagiatsvorwurf überprüfen.
sueddeutsche.de: Wie reagieren Studenten, wenn sie erwischt werden?
Weber-Wulff: Ein Unrechtsbewusstsein haben nur ganz wenige. Ich habe aber schon Studenten zum Weinen gebracht, wenn ich sie mit dem Plagiat konfrontiert habe. Andere behaupten, sie hätten gar nicht gewusst, dass abschreiben nicht erlaubt ist. Sie nehmen das Studium nicht ernst. Ihnen geht es nicht ums Lernen. Sie wollen nur einen akademischen Titel, damit sie später möglichst viel Geld verdienen.
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(sueddeutsche.de/mri/bgr)
Nationalteam vor der EM
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass gerade Lehrer/-innen mit sehr schlechtem Beispiel vorangehen.
Sie kopieren häufig für ihre Schüler/-innen wahllos aus Büchern, Zeitschriften, Info-materalien aus dem Netz und achten hochnotpeinlich darauf, dass just die Quelle nicht erscheint.
Und wundern sich dann, wenn ihre Shüler/-innen ebenso verfahren.
M.E. sind hier erst einmal die Unterrichtenden aufzuklären, dass nämlich das Internet kein rechtsfreier Raum ist, den ich ganz nach Gusto brauchen oder missbrauchen kann.
Juliane Zuelch
Wir sind uns sicherlich einig, dass sowohl Abschreiben als auch wissenschaftliche und Erwerbsarbeit auf Basis von unrechtmäßig verwendeten Dokumenten oder Erzeugnissen disqualifizierend sind.
Meine Argumentation versucht jedoch, mittels einer historischen Perspektive die Notwendigkeit zur Einübung des von uns vorausgesetzten Verhaltens aufzuzeigen. Wenn Hänschen weder im Elternhaus noch in der Schule lernt, dass Diebstahl unerwünscht ist, wird Hans (und ebenso Grete!) weder an der Uni noch im Berufsleben einsehen, dass nur die eigene Arbeit qualifizierend ist.
Unrechtsbewusstsein entsteht nicht immer aus sich selbst. Hierzu gehören auch gute Vorbilder.
@Polarlicht:
Hier geht es doch nicht in erster Linie um den Urheberschutz, auch wenn das im Artikel kurz anklang. Hier geht es darum, dass sich Leute mit fremden Federn schmücken und dadurch Beurteilungen ergaunern, die ihnen nicht zustehen. Das Abschreiben in der Schule vom Nachbarn ist ja auch nicht erlaubt und wird bei Erwischen mit ner 6 bestraft.
Dass man zitiert, dass man auf Arbeiten anderer und deren Ergebnisse verweist ist richtig und notwendig, aber eine Arbeit abzuliefern, ohne ausser der Suchfunktion und Copy-Paste zu beherrschen eigene Fähigkeiten einzubringen ist typisch für die heutige Mentalität. Hauptsache, man hat den Titel, ob man wirklich was kann, ist wurscht! Komischerweise können sich solche Blender aber oft auch im Berufsleben irgendwie durchwursteln. Gerade in größeren Unternehmen, wo es leicht ist, sich mit fremden Federn zu schmücken und man durch weitgehende Anonymität auch nicht negativ auffällt, wenn man mal Bockmist baut...
Unsere großen deutschen Dichter und Komponisten haben fleißig Plagiate produziert. Das galt seinerzeit als hervorragende kulturelle Leistung.
Der Schüler, der beginnt, selbständiges Arbeiten zu lernen, muss zunächst die Gelegenheit zum Plagiat haben. Wieweit und auf welche Art die Werke Anderer verwendet werden dürfen, muss erst erlernt werden, da dies eine Frage der gesellschaftlichen Gewohnheit - der Moral - ist.
Unsere heutige Kultur eines juristisch durchgearbeiteten Urheberrechts hat ihre Probleme: Melde ich meine eigene Erfindung zum Patent an, ohne von einer vielleicht untauglichen und unbekannten Erfindung zu wissen, die irgendwo in einem Aktenschrank des Patentamtes ruht, bekomme ich kein Patent auf meine eigene Erfindung, da das Aktenkuriosum als Stand der Technik gilt.
Da unsere Gesellschaftsordnung eigentumsfixiert ist, muss diese Gesellschaft ihren Nachkömmlingen das gesetzestreue (wissenschaftliche) Arbeiten mit Werken Anderer zunächst begreiflich machen und die möglichen Sanktionen bei Nichtbefolgen der Regeln vor Augen führen. Erst dann dürfen diese Sanktionen angewandt werden.
Sind unsere Schulen für das Lehren von Selbstverantwortung ein- und ausgerichtet?
"(...) Manche Studenten sind zum Beispiel zu faul, aus einem aus dem Internet kopierten Text die Werbebanner und Links herauszulöschen. (...)"
Wie dumm kann man eigentlich sein? Da gibts wirklich bloß die von BOD geforderte Sanktion: Rausschmiß, bevor sowas dann mit dem erschwindelten akademischen Abschluß letztlich die "Elite" des Landes bildet...
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