Nach Entzug des akademischen Grades Koch-Mehrin erzürnt Doktorvater

Den Entzug ihres Doktorgrades findet Silvana Koch-Mehrin unverständlich - und gibt ihren damaligen Prüfern eine Mitschuld. Jetzt gehen ihr Doktorvater und der Dekan der Uni Heidelberg in die Offensive: Sie sprechen von einer "haltlosen Verteidigungsstrategie" der FDP-Politikerin.

Der Doktorvater der FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin zeigt sich "irritiert" über seine einstige Promovendin. Die hatte in einer ersten Erklärung die Entscheidung der Universität Heidelberg, ihr den Titel zu entziehen als unverständlich bezeichnet. Die Zitationsmängel in ihrer Dissertation seien schon im Jahr 2000 bekannt gewesen - und überhaupt gehöre es zur guten wissenschaftlichen Praxis, eine vorgelegte Arbeit ordentlich zu prüfen, so Koch-Mehrin.

Volker Sellin, emeritierter Historiker der Universität Heidelberg, rechtfertigt sich nun im Tagesspiegel: "Ich habe damals selbstverständlich nicht geahnt, dass sie abgeschrieben hat und habe dies daher mit meiner Kritik an ihrer Arbeit auch nicht ausdrücken können", sagte er der Zeitung.

Koch-Mehrin war der Doktortitel am Mittwoch aberkannt worden, nachdem eine Kommission der Universität eine Vielzahl von Plagiaten nachgewiesen hatte. Die Prüfer hatten auf über 80 Textseiten der Arbeit mehr als 120 Stellen gefunden, die nach ihren Maßstäben als Plagiate zu klassifizieren seien.

Die FDP-Politikerin kündigte daraufhin an, rechtliche Schritte gegen die Aberkennung prüfen zu wollen. Die Schwächen ihrer Dissertation seien von Beginn an bekannt gewesen. Trotzdem hätten sie ihre Gutachter im Jahr 2000 mit einem "cum laude" - das entspricht etwa der Note befriedigend - bewertet.

Der zuständige Dekan, Manfred Berg, wies Koch-Mehrins "haltlose Verteidigungsstrategie" zurück. Sie stelle die Integrität des Doktorvaters und der Universität infrage, indem sie den Eindruck erwecke, die Arbeit sei vor elf Jahren trotz bekannter Plagiate angenommen worden.

Schulz: Koch-Mehrin soll EU-Mandat abgeben

Die Sozialdemokraten im EU-Parlament raten unterdessen der FDP-Politikerin zur Niederlegung ihres Mandats als Europaabgeordnete. Koch-Mehrin habe mit ihrem Doktortitel im Wahlkampf 2009 offensiv geworben, sagte der Vorsitzende der Sozialistischen Fraktion im EU-Parlament, Martin Schulz, der Welt.

"Das ist jetzt ein Problem. Es wird schwer, das Mandat nach dem Entzug des Titels weiter zu führen. Ich hoffe, dass sie die Konsequenzen zieht." Als Abgeordnete habe Koch-Mehrin in der Vergangenheit Parlamentskollegen korrekte Verhaltensweisen nahegelegt. "Sie selbst wird diesen Maßstäben nun nicht gerecht", sagte Schulz.

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