Karriere mit grünen Geschäftsideen Der nächste Boom kommt bestimmt

Zwar sei der erste Boom erst einmal vorbei. Aber schon bald werde ein zweiter folgen, glaubt der Berliner Gründer: "In ein paar Jahren wird die meiste selbst erzeugte Energie nicht mehr teurer sein als eingekaufter Strom. Dann wird sich der Boom fortsetzen - und zwar ohne direkte Abhängigkeit von der Politik." Schon heute wächst um die großen Themen Solar und Windenergie ein Dienstleistungssektor heran. Es entstehen Handelsportale für Milk The Sun, dazu Unternehmen, die sich auf Versicherung, Wartung oder Vermarktung spezialisieren.

Insofern leisten die grünen Gründer vielfach Pionierarbeit. Jahrzehntelang waren die Strukturen zentralisiert, das Prinzip hierarchisch: Oben saßen wenige große Erzeuger, unten die Verbraucher. Doch dieses alte Modell stellt sich neu auf - keine schlechte Ausgangssituation für grüne Gründer. Wie für Tado: Das Münchner Unternehmen entwickelt Hard- und Software-Lösungen, mit denen Privathaushalte ihren Heizbedarf optimieren können. Das klingt einleuchtend: Spare jeder, wie er kann.

Doch Gründer Christian Dellmann hat gelernt, dass die wahren Herausforderungen nicht technischer Natur sind. Über Generationen ließen sich die Deutschen von großen Konzernen mit Energie versorgen, ohne viel mitdenken zu müssen. Und jetzt kommt Tado mit Home-Energy-Management, einem System, das Eigeninitiative erfordert. "Es ist nicht einfach, bei den Menschen eine Leidenschaft für dieses Thema zu entfachen", beobachtet Dellmann. Das funktioniere nur mit Ausdauer und Kreativität. "Wir müssen die Kunden mit guten Argumenten wie dem Einsparpotenzial überzeugen", sagt er.

Damit das gelingt, setzen viele Greentech-Gründer auf die Kreativität und das Know-how von "nicht-grünen" Quereinsteigern. "Noch immer haben wir in der grünen Branche zu viele Ideologen und zu wenige echte Experten", urteilt Karl Reinhard Kolmsee von Smart Hydro Power. Seine Geschäfte mit den Wasserkraftwerken für jedermann laufen so gut, dass das Unternehmen wächst und Jobs bietet. "Ich würde sofort einen Fachmann aus der Auto- oder Stahlindustrie einstellen", sagt Kolmsee, "aus Branchen, in denen auf Heller und Pfennig gerechnet wird." Der grüne Gründer weiß: Die Welt rettet nur, wer auch zu wirtschaften versteht.