Kaninchen im Unterricht geschlachtet Erst streicheln, dann töten

Wie realistisch darf Schulunterricht sein? Fünftklässler in Schleswig-Holstein sollten lernen, dass Fleisch nicht aus dem Supermarkt kommt. Deshalb griff der Lehrer zum Messer - zum Entsetzen der Eltern.

Praxisnaher Unterricht: ja. Zuviel Praxis darf es dann aber auch wieder nicht sein. Die Schlachtung eines Kaninchens im Schulunterricht hat Empörung bei Eltern in Schleswig-Holstein ausgelöst. Ein Bauer tötete das Tier vor den Augen von zehn- und elfjährigen Schülern, um den Kindern zu zeigen, wie Fleisch auf den Teller kommt. "Ihnen wurde aber gesagt, was passieren wird und dass sie nicht zusehen müssen, wenn sie das nicht wollen", sagte der Schulleiter Georg Krauß. Rund die Hälfte der 104 Schüler habe sich daraufhin für andere Themen entschieden.

Die Aktion vor einer Woche war Teil einer Projektwoche zum Thema "Steinzeit" der fünften Klassen der César-Klein-Schule in der ostholsteinischen Gemeinde Ratekau. Die Lübecker Nachrichten berichten, eine Mutter habe sich beklagt, dass ihr Sohn käsebleich nach Hause gekommen sei und seither unter Schlafstörungen und Appetitlosigkeit leide. Einige Kinder hätten geweint, Eltern von barbarischen Vorfällen gesprochen.

Der Schulleiter hat für nächste Woche eine Elternversammlung einberufen, um über den Vorfall zu diskutieren. "Mich interessiert die Meinungsverteilung in der gesamten Elternschaft. Es gab nämlich auch positive Reaktionen und die Eltern, die sich beschwert haben, haben nicht mit mir gesprochen, sondern gleich mit der Presse", sagte Krauß. "Unabhängig davon werde ich mich bei den Eltern entschuldigen. Solche Aktionen wird es in Zukunft nicht mehr geben", versprach er.

Bevor das Kuscheltier starb, hatten die Kinder es laut Zeitungsbericht noch einmal streicheln dürfen. Dann betäubte der Landwirt das Kaninchen und schnitt ihm die Kehle durch. Bei der Präsentation aller Steinzeit-Projekte am nächsten Tag wurde das Kaninchen gebraten und allen zum Essen angeboten - auch Eltern und Lehrern, wie Krauß betonte.

Die Idee mit dem Kaninchen stammte nach Angaben der Schule vom Vater einer Fünftklässlerin. Der Landwirt und Sozialpädagoge habe das zuständige Lehrerteam davon überzeugt, dass das Schlachten des Tieres vor den Augen der Schüler pädagogisch sinnvoll sei. "Ich sehe das anders und auch die Lehrer haben inzwischen ihre Meinung geändert", sagte der Direktor. "Wenn ich vorab informiert worden wäre, hätte ich abgeraten", stellte Krauß klar. Von traumatisierten Kindern könne jedoch keine Rede sei. "Bei Klassengesprächen nach dem Vorfall haben wir nichts dergleichen feststellen können", versicherte er.

Dennoch stößt die Schlachtung auf Kritik. Schleswig-Holsteins Bildungsministerium spricht von einer pädagogisch problematischen Aktion. Elternvertreter der César-Klein-Schule bemängeln, dass die Eltern der Fünftklässler nicht informiert wurden. Von einer unglaublichen Aktion sprach der Vorsitzende des Landeselternbeirats für Gesamt- und Gemeinschaftsschulen in Schleswig-Holstein, Stefan Hirt. "Die Idee mag okay sein, die Umsetzung ist pervers", sagte er.