Innere Kündigung Statisten am Schreibtisch

20 Prozent der deutschen Arbeitnehmer flüchten sich in die innere Kündigung. Das kostet die Wirtschaft bis zu 109 Milliarden Euro im Jahr. Unternehmen jammern - doch sie sind selbst schuld an der Misere.

Von Julia Bönisch

Bespitzelungsskandale, Lohneinbußen aufgrund von Kurzarbeit, Massenentlassungen, dazu arrogante Botschaften von Bankenbossen und Korruptions- und Steuerhinterziehungsskandale deutscher Manager: Das Verhältnis der Arbeitnehmer zu ihren Unternehmen gilt in Deutschland schon länger als gestört.

Den Beweis dafür liefert jetzt das Marktforschungsinstitut Gallup. Der deutsche Ableger in Potsdam erfasst jährlich die Motivation der Arbeitnehmer in insgesamt 17 Ländern. Am heutigen Mittwoch präsentiert es die Resultate für das Jahr 2008. Für die Studie befragte Gallup knapp 2000 Angestellte, die Ergebnisse sind repräsentativ für die deutsche Arbeitnehmerschaft.

Die Marktforscher wollten von den Arbeitnehmern wissen, ob sie regelmäßig Lob hören, sich gefördert fühlen, ihre Meinung äußern, neue Ideen einbringen oder einen guten Freund in der Firma haben. Die verheerende Bilanz: Nur 13 Prozent der deutschen Arbeitnehmer verspüren eine echte Verpflichtung gegenüber ihrem Unternehmen und arbeiten sehr engagiert.

Engagement Fehlanzeige

20 Prozent dagegen haben bereits innerlich gekündigt. Der große Rest ist emotional nur gering an sein Unternehmen gebunden. Die Masse schiebt nur Dienst nach Vorschrift und lässt pünktlich um fünf den Stift fallen. Engagement Fehlanzeige.

Damit liegt Deutschland weltweit im unteren Mittelfeld. So arbeiten im Spitzenreiter-Land Indien 44 Prozent sehr engagierte Arbeitnehmer, in den USA immerhin noch 29 Prozent. Und die Tendenz hierzulande weist in eine eindeutige Richtung: Als die Marktforscher von Gallup die deutschen Arbeitnehmer im Jahr 2001 befragten, besaßen noch 16 Prozent eine hohe emotionale Bindung, lediglich 15 Prozent hatten innerlich gekündigt.

Woher kommt diese Distanz zwischen Mitarbeitern und Unternehmen? Was bedeutet überhaupt "innere Kündigung"? Psychologen definieren sie als den Entschluss eines Mitarbeiters, sein Engagement und seine Leistungsbereitschaft bewusst, aber unauffällig herunterzufahren. Hinter der inneren Kündigung steckt nicht der Wunsch, einen neuen Job zu finden, sondern im alten möglichst unbeobachtet zu überwintern.

Auf der nächsten Seite: Woran man innerlich Gekündigte erkennt und was sie die Wirtschaft kosten.

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