SZ: Viele hochbegabte Kinder haben große Probleme im schulischen Alltag. Ist eine Hochbegabung nun ein Geschenk oder eine Belastung für das Kind?

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Textor: Das ist bei jedem Kind unterschiedlich. Natürlich gibt es Hochbegabte, die glücklich und zufrieden sind, die in ihrem Begabungsbereich aufgehen und dort Erfolg und Selbstbestätigung erleben. Doch vielen macht ihr besonderes Talent auch Schwierigkeiten.

SZ: Welche Schwierigkeiten?

Textor: Ein kognitiv hochbegabtes Kind, das mit fünf Jahren eingeschult wurde und Klassen überspringt, kann zum Beispiel darunter leiden, dass es das kleinste und schwächste Kind in der Klasse ist oder immer wieder aus dem Klassenverband herausgerissen wird. Bleibt ein solches Kind hingegen noch ein Jahr länger im Kindergarten, mag es sich dort unterfordert fühlen und deswegen eventuell sogar verhaltensauffällig werden. Kann es in den ersten beiden Grundschulklassen bereits alles, was der Lehrer unterrichtet, mag es abschalten und irgendwann den Anschluss verpassen - manche hochbegabte Kinder kommen später in Förderschulen. Andere Kinder leiden darunter, als Streber oder Besserwisser verspottet zu werden. Einige verstecken sogar ihre Begabung - mathematisch oder technisch begabte Mädchen erkennen zum Beispiel sehr schnell, dass ihr Talent nicht den Geschlechtsrollenerwartungen entspricht. Deshalb ist es sehr wichtig, eine Hochbegabung rechtzeitig zu diagnostizieren. Denn so kann das Kind in seiner Entwicklung gefördert und gestärkt werden.

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(SZ Beilage Lernen/bön)