Eine neue Studie zeigt: Anders als bislang angenommen ist kein Einfluss der Klassengröße auf die Leistung von Grundschülern nachweisbar.
Die Bedeutung möglichst kleiner Schulklassen wird in der Bildungspolitik womöglich überschätzt. Einer neuen Studie zufolge ist zumindest in den Grundschulen ein Einfluss der Klassengröße auf die Leistung der Schüler "nicht nachweisbar". Auch beim Stressempfinden von Lehrern zeige sich "kein Zusammenhang" zur Klassengröße. Das schreiben die Bildungsforscher Eva-Maria Lankes und Claus Carstensen in einem Bericht zur sogenannten Iglu-Grundschulstudie.
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Grundschüler in Frankfurt: Wie groß eine Klasse ist, hat auf den Lernerfolg offenbar doch keinen Erfolg. (© Foto: AP)
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Der Bericht, der den Kultusministern jetzt vorgestellt wurde, liegt der Süddeutschen Zeitung vor. Er stützt sich auf eine Analyse von mehr als 300 Schulklassen, die 2006 untersucht wurden. Die Wissenschaftler deuten an, dass es effektiver wäre, die Unterrichtsqualität zu verbessern, statt flächendeckend die Zahl der Schüler in den Klassen zu senken.
In der internationalen Forschung finden sich kaum Belege dafür, dass kleinere Klassen unmittelbar mit besseren Leistungen einhergehen. Zwar gilt eine geringe Schülerzahl als Chance, anspruchsvollen Unterricht umzusetzen und die Schüler individuell zu fördern. Ob diese Chance genutzt werde, hänge aber vor allem von den einzelnen Lehrern ab, heißt es in der Studie.
In deutschen Grundschulen liege die Klassenstärke im Durchschnitt bei 22 Kindern. Dies entspricht dem Wert in anderen europäischen Ländern. Es gibt allerdings erhebliche Schwankungen je nach Schule und Region.
Der neue Iglu-Bericht unter Federführung des Dortmunder Schulforschers Wilfried Bos belegt außerdem erneut den Einfluss der sozialen Herkunft auf die Schulkarriere der Kinder. Arbeiterkinder haben es bei gleicher Intelligenz und gleicher Leseleistung fast dreimal so schwer, von Lehrern für ein Gymnasium empfohlen zu werden, wie Kinder aus der Oberschicht. Im Saarland und in Sachsen ist der Einfluss der sozialen Herkunft besonders groß; dort sind die Aussichten für Arbeiterkinder mehr als viermal geringer.
Auch Hessen und Bayern schneiden bei dem Wert, der sich auf Daten von 2006 bezieht, vergleichsweise schlecht ab. In Berlin, Bremen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen gibt es dagegen, wenn Intelligenz und Leseleistungen der Schüler berücksichtigt werden, keinen Effekt der sozialen Herkunft auf das Lehrerurteil.
Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) forderte erneut bundesweit einheitliche Schulbücher und größeren Einfluss des Bundes in der Bildungspolitik. Der Neuen Osnabrücker Zeitung sagte Schavan, die Bundesländer müssten sich mehr bewegen.
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(SZ vom 19.04.2010/aho)
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Wer hat diese Studie bezahlt? Tja, immer dasselbe..... wer zahlt, schafft an!
@f.j.neffe: Dem 2. Teil ihrer Ausführung stimme ich begeistert zu. In ihrem 1. Teil machen Sie es sich zu einfach. Vielmehr kanzeln Sie viele gute Lehrer als Nichtkönner ab. Hat einen Anstrich von Überheblichkeit - schade.
Hier sehe ich nicht unbedingt einen Widerspruch. Eine 100%-ige Prognose kann wohl niemand nach der ersten Klasse aufstellen und eine einigermaßen selbstkritische Lehrkraft wird wohl zugeben müssen, dass sie sich im Laufe ihrer Tätigkeit auch schon mal sehr getäuscht hat. Aber die wichtigen Parameter für einen späteren erfolgreichen und direkten Weg zum Abitur zeichnen sich auch dort schon ab. Neben der Aufgeschlossenheit, Neugier und Auffassungsgabe des Kindes wird der Lehrer auch sehen, ob und wie das Kind vom Elternhaus gefördert wird und gefördert werden kann. Auf den Punkt gebracht: Ein nur durchschnittlich begabtes Kind wird die gymnasiale Laufbahn auch schaffen, aber nur mit entsprechender Unterstützung des Elternhauses. Falls diese nicht vorhanden ist, stehen die Chancen deutlich schlechter.
Nicht dass ich hier falsch verstanden werde:
Es kommt durchaus vor, dass sich die Lernbereitschaft eines Schülers massiv ändert, zum Positiven wie zum Negativen.
Auch finde ich es völlig daneben, dass eine Schullaufbahn von den intellektuellen und/oder finanziellen Möglichkeiten der Eltern abhängt. Hier wäre Unterricht in einer angemessenen Qualität gefordert. Der ist aber wohl schon mit den jetzigen Klassengrößen nicht mehr möglich. Vielleicht ist das auch der Grund, dass die Qualität bei noch größeren Klassen nicht sinkt - vielleicht gar nicht mehr sinken kann!
Grüße vom Kauz01
die Wortwahl war schon beabsichtigt, keine Sorge.
Mein Gefühl ist ein anderes und ich kenne auch konkrete Fälle.
Wenn z.Bsp. Lehrer sagen, sie wissen schon in der 1. Klasse ganz genau, welche Schüler aufs Gym gehen werden, dann stimmt doch was nicht. Allerspätestens wenn sie i. d. Ruhestand gehen, werden solche dann als ausgezeichnete Pädagogen gelobt. Ein Einzelfall ist das übrigens nicht.
Aber das Schulsystem an sich ist auch sehr schwach, da stimme ich zu.
Was ebenfalls noch nicht realisiert wurde: Längeres gemeinsames Lernen nützt nichts. Nicht nur, dass die alten Gesamtschulen hinsichtlich der Schülerleistungen kastastrophal abgeschnitten hatten (trotz teils gleicher Sozialstruktur), es wurde auch sowohl in Berlin als auch in Brandenburg festgestellt, dass die 6jährige Grundschulzeit die Chancengerechtigkeit NICHT erhöht. Arbeiterkinder konnten ihren Abstand zu Akademikerkindern nicht reduzieren. In Berlin gab es sogar eine Studie zu, für Brandenburg hat man die aktuellen PISA-Ergebnisse.
Wichtig bleiben daher energische Sprachförderung für Migrantenkinder, Kindergartenpflicht für Ausländer, Erhalt des Elternwahlrechts, um Lehrerwillkür vorzubeugen und eine Überprüfung der Gymnasielempfehlungen in ganz Deutschlands. Abschließend die Stärkung der Gymnasien und die Modernisierung der Lehrerausbildung.
Hier steht, dass bei sozial schwächeren Gymnasium seltener EMPFOHLEN wird. Aus meiner Erfahrung hängt das vor allem damit zusammen, dass den Lehrern bewusst ist, dass das Gymnasium ganz ohne Hilfe nur mehr schwer zu schaffen ist. Diese Hilfe kann in sozial schwächeren Familien leider oft nicht angeboten werden, weil z.B. die dazu nötigen Fremdsprachenkenntnisse der Eltern in der Regel nicht vorhanden sind und auch die finanziellen Mittel für Nachhilfe oft knapp sind. Ich hatte hier nie das Gefühl, dass ein Lehrer Kinder wegen ihrer sozialen Herkunft ausgrenzen will. Das Abraten vom Gymnasium ist hier eher eine Kapitulation vor den Schwächen unseres Schulsystems.
Grüße vom Kauz01
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