Freunde als Headhunter Gute Leute kennen gute Leute

Gute Freunde sind unbezahlbar - aber manchmal kann man mit ihnen Geld verdienen. "Recruit a Friend" heißen solche Programme, bei denen Mitarbeiter neue Kollegen werben. Das kann sich für beide Seiten lohnen.

Von Maike Brzoska

Als Valentino Pola seinen langjährigen Freund für sein Unternehmen rekrutierte, saßen sie gerade gemütlich zusammen im Restaurant. Pola arbeitete erst seit ein paar Monaten für die Coinor AG. Der Job bei dem IT-Beratungsunternehmen gefiel ihm. Das erzählte er auch seinem Freund beim gemeinsamen Abendessen. Und er berichtete, dass Coinor noch weitere Mitarbeiter suche.

Sein Kumpel arbeitete zu der Zeit zwar für ein anderes Unternehmen, aber er wirkte oft unzufrieden in seinem Job. Den Arbeitgeber zu wechseln, kam für ihn also durchaus infrage. Die beiden waren sich bald einig: Auf Polas Empfehlung hin bewarb sich der Freund ebenfalls als Berater bei der Coinor AG und wurde eingestellt. Valentino Pola bekam dafür eine Prämie von 3000 Euro.

Besonders im IT-Bereich sind gute Leute rar: Daher funktioniert das Recruiting von Freunden besonders gut.

(Foto: REUTERS)

Gute Freunde sind unbezahlbar, aber manchmal gibt es eben Geld für gute Freunde. "Recruit a Friend" werden solche Programme oft genannt. Mitarbeiter werben neue Kollegen an und bekommen dafür Geld oder Prämien wie iPods oder Gutscheine. Die Idee dahinter: Gute Leute kennen andere gute Leute. Statt Stellenausschreibungen, Headhunter oder Bewerbermessen wird das Netzwerk der eigenen Mitarbeiter angezapft. Vor allem in der IT-Branche, wo schon heute viele Positionen schwierig zu besetzen sind, werden Anwerbe-Programme immer beliebter. Pola und sein Freund beispielsweise haben beide Wirtschaftsinformatik studiert. Solche Leute sind gefragt.

Die Coinor AG hat gute Erfahrungen damit gemacht. Das IT-Unternehmen mit Sitz in Karlsruhe hat vor fünf Jahren mit neun Personen angefangen, heute sind es 85. Ein guter Teil der Belegschaft wurde von den Mitarbeitern selbst angeworben. Von den 2012 neu eingestellten Personen sind 13 Prozent auf diese Weise rekrutiert worden. "Als mittelständisches Unternehmen ist es oft schwierig, gutes Personal zu finden", sagt Christine Naber, Sprecherin von Coinor.

Viele schielten nach den großen Häusern. Kleinere Firmen seien weniger präsent und bekämen entsprechend weniger Bewerbungen. Außerdem erhalte ihr Unternehmen so Kontakt zu Personen, die nicht aktiv auf Jobsuche sind, aber bei einem entsprechenden Angebot trotzdem überlegen zu wechseln, sagt Naber. Passiv Suchende werden diese Leute genannt.

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Nicht nur die Coinor AG nutzt Mitarbeiter-Empfehlungen, sondern auch große Unternehmen setzen darauf. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers hat vor gut einem Jahr das Programm "Mitarbeiter werben Mitarbeiter" aufgelegt. 200 Kollegen konnten so bislang gewonnen werden. Wer einen neuen Kollegen vermittelt, bekommt einen Tablet-PC oder 1500 Euro. Das IT-Unternehmen Hewlett-Packard (HP) gibt an, dass 17 Prozent der Belegschaft über das "Employee Referral Program" ins Haus gekommen sind. Die Prämie für eine erfolgreiche Empfehlung liegt im vierstelligen Bereich, teilt eine Sprecherin mit.

Betrachtet man alle Branchen, rekrutieren Firmen im Schnitt knapp sieben Prozent der Neueinstellungen über Mitarbeiter-Empfehlungen. Das zeigt die jährlich erstellte Studie "Recruiting Trends" der Universitäten Bamberg und Frankfurt. Im IT-Bereich, wo der Fachkräftemangel deutlich zu spüren ist, sind es mit knapp 15 Prozent mehr als doppelt so viele Mitarbeiter, die so rekrutiert werden. Die Mehrheit der Neueinstellungen erfolgt also immer noch über klassische Rekrutierungskanäle wie Anzeigen in Printmedien oder Internet-Stellenbörsen.