Frage an den SZ-Jobcoach Ist eine Fortbildung mit 45 sinnvoll?

Markus W. ist studierter Geisteswissenschaftler. Für seinen Job überlegt er nun, sich praktisch weiterzubilden. Doch ist das in seinem Alter überhaupt noch erfolgsversprechend? Der SZ-Jobcoach hilft weiter.

SZ-Leser Markus W. fragt:

Ich bin Mitte vierzig, Geisteswissenschaftler (M.A.) und seit fünf Jahren als Researcher in einer Personalberatung tätig. Ich bin erfahren in der Identifizierung und Ansprache von Fach- und Führungskräften. Nun möchte ich mich noch einmal weiterqualifizieren, um den Einstieg in die Personalentwicklung zu schaffen. Alternativ käme Sachbearbeitung im Personalwesen in Frage. Als Weiterbildung habe ich mir den "Personalfachkaufmann (IHK)" ausgesucht.

Gibt es Erfahrungswerte, ob solche Aufstiegsfortbildungen für Berufserfahrene meines Alters sinnvoll sind?

Christine Demmer antwortet:

Lieber Herr W., es gibt unendlich viel über die Einzelerfahrungen von Menschen in, mit und nach Abschluss ihrer beruflichen Fortbildung zu hören und zu lesen. Zum Beispiel in einer Broschüre des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Weiterhin gibt es eine Fülle von sozialwissenschaftlichen Untersuchungen, aus denen der Nutzen (in qualitativen Merkmalen wie Arbeitszufriedenheit) und die Rendite (das zu erwartende Mehreinkommen) des Weiterlernens hervorgehen. Eingependelt haben sie sich etwa auf folgende Prognose: Studien und Lehrgänge, die allgemeine berufliche Fähigkeiten vermitteln, bringen einem Arbeitnehmer im Durchschnitt fünf bis sechs Prozent Einkommensverbesserung. Denn wer im Anschluss an eine solche Weiterbildung den Job wechselt, bekommt häufig auf der neuen Stelle ein höheres Gehalt.

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Wenn ich Sie richtig verstehe, geht es Ihnen aber um etwas viel Konkreteres: Sie möchten wissen, mit welcher Wahrscheinlichkeit einem berufstätigen Mittvierziger nach Abschluss einer IHK-Fortbildung der Umstieg in ein neues Berufsfeld gelingt, weil Sie glauben, damit Ihre Entscheidung pro oder kontra "Personalfachkaufmann (IHK)" ein Stück weit absichern zu können.

Und jetzt muss ich Sie leider enttäuschen: Mit konkreten Aussagen - lohnt es sich oder lohnt es sich nicht? - tun sich die Sozialwissenschaftler äußerst schwer. Was angesichts der Berufsvielfalt, mehrerer Hundert Fortbildungsvarianten und der Unmenge individueller Erfolgs- und Misserfolgsfaktoren nachvollziehbar ist. Für Sie allerdings ist das dumm, denn mit einem pauschalen Muntermacher wie "Im Prinzip lohnt sich jede berufliche Fortbildung" ist Ihnen wahrscheinlich nicht geholfen.

Wenn Sie sich allerdings in Ihrem angestrebten Berufsfeld, also in der Personalentwicklung, genau umschauen, dann werden Sie sehen, wohin der Hase läuft und wie Ihre Chancen stehen, vom Start wegzukommen. Noch immer aktuell ist eine empirische Studie des Bundesverbandes der Personalmanager (BPM) mit dem Titel "Personalmanagement als Beruf" aus dem Jahr 2011. Daraus geht ein mit 75 Prozent sehr hoher Akademisierungsgrad in dieser Berufsgruppe hervor. In Ihrer Altersklasse findet sich ein nicht geringer Anteil an Geisteswissenschaftlern, von denen zwei Drittel eine HR-spezifische Zusatzausbildung, oft an einer Hochschule und in der Regel berufsbegleitend, erworben haben.

Wenn Sie nun die fragen, ob Ihnen eine kaufmännische Ausbildung nützt, bekommen Sie ein Schulterzucken als Antwort und wahrscheinlich den Tipp, Sie sollten sich eher an den personalwirtschaftlichen Zweigen der Hochschulen nach Weiterbildungsangeboten in der Personalentwicklung umschauen. Schließlich seien Sie ja schon im Berufsfeld tätig. Ihre Kollegen in der Personalberatung dürften zustimmen. Und ich auch.

Christine Demmer arbeitet als Wirtschaftsjournalistin in Deutschland und Schweden. Sie ist Managementberaterin, Coach und Autorin zahlreicher Sachbücher zu Management-, Kommunikations- und Personalthemen.

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