Arbeiten und nebenher von zu Hause aus studieren: Fernuniversitäten machen es möglich. Sowohl Anbieter als auch Studierende müssen allerdings gewisse Voraussetzungen erfüllen.
Wenn andere ihren Feierabend genießen, geht für sie das Büffeln erst los: Knapp 70.000 Menschen haben 2008 für ein Fernstudium ihre Freizeit geopfert. Diese Art der Weiterbildung boomt - immer mehr Menschen pauken zu Hause für einen akademischen Abschluss. Um ihn zu erreichen, müssen sie aber viel Disziplin mitbringen.
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Frauen sind unter den Studierenden an Fernuniversitäten in der Minderheit. (© Foto: ddp)
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Dozenten unterrichten ihre Studenten dabei via Internet, schriftlich und mit Hilfe von Datenträgern. Die elektronische Kommunikation ersetzt das Leben auf dem Campus. "Bestimmte Seminare, Klausuren und natürlich die Prüfungen erfordern persönliche Anwesenheit", erklärt Susanne Bossemeyer, Sprecherin der Fernuniversität Hagen. Prüfungen liegen meist an Wochenenden. Die Teilnehmer reisen dann aus ganz Deutschland an.
Zahlreiche Hochschulen bieten angesichts der steigenden Nachfrage Fernstudiengänge an, die zum Bachelor und Master führen. "Dazu müssen die Studierenden bis zu 20 Stunden pro Woche aufwenden", kalkuliert Margot Klinkner von der Zentralstelle für Fernstudien an Fachhochschulen (ZFH) in Koblenz.
Neu ist das Konzept nicht: Fernlernen gab es schon Mitte des 19. Jahrhunderts, als der Berliner Sprachlehrer und Verlagsbuchhändler Gustav Langenscheidt "Korrespondenzbriefe" für Französisch anbot. Heute gibt es bei entsprechenden Instituten breit gefächerte Lehrpläne. Darunter finden sich aber keine Studiengänge wie Medizin, die eine permanente Präsenz erfordern.
Gesetzliche Auflagen
Für die Kurse gibt es gesetzliche Auflagen: "Fernlehrkurse müssen ein Zulassungssiegel tragen", erläutert Ludwig Pelzer von der Staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht in Köln (ZFU), die ein solches Siegel vergibt. Eine Ausnahme gilt lediglich für Kurse, die nur der Freizeitgestaltung oder der Unterhaltung dienen.
Der Begriff Fernunterricht steht für alle Gebiete der Aus- und Weiterbildung. Ein Fernstudium bezeichnet Lernen auf akademischer Ebene - so, als ginge man täglich zu den Vorlesungen in die Hochschule. Ein Vorteil dabei sei, dass man nebem dem Beruf studieren kann, erläutert Bossemeyer. Sogar ein Doktor lasse sich auf diese Weise machen.
15 Stunden Lernen pro Woche
Wie bei den meisten Fernhochschulen liegt in Hagen der Schwerpunkt auf Wirtschaftswissenschaften. "An dieser Fakultät sind 40 Prozent der Studierenden immatrikuliert", erklärt Bossemeyer. Ganz auf den Bereich Wirtschaft konzentriert sich die 2003 gegründete private Europäische Fernhochschule Hamburg. Laut Sprecher Jens Heickmann beträgt die Regelstudienzeit etwa für einen Bachelor im Fach Europäische Betriebswirtschaftslehre 36 Monate. Dem liege eine durchschnittliche Lernzeit von 15 Stunden in der Woche zugrunde.
Vor Beginn eines Fernstudiums müssen sich Kandidaten gut beraten und ein Studienschema auf sich zuschneiden lassen. Da Bildungspolitik Ländersache ist, gibt es Unterschiede in der Zulassung und bei den Gebühren. Nach dem Hamburger Hochschulgesetz kann ein akademisches Studium auch ohne Abitur begonnen werden. Private Hochschulen müssen sich selbst finanzieren und bitten die Studierenden entsprechend zur Kasse. An staatlichen Einrichtungen sind nur die Studienunterlagen zu bezahlen. Einen Teil des Geldes können Teilnehmer sich vom Fiskus zurückholen. "Studienkosten sind steuerlich absetzbar", erklärt Klinkner.
Männlich, angestellt
Fernstudenten haben meist einen Job und sind überwiegend männlich, Vollzeitstudenten sind in der Minderheit. "In Hagen sind etwa 80 Prozent berufstätig, der Frauenanteil beträgt immerhin 43 Prozent", erläutert Bossemeyer. Ein Drittel der Immatrikulierten hat bereits ein Studium abgeschlossen und will sich weiterbilden.
Das ist manchmal aber leichter gesagt als getan. "Das Studium zu Hause erfordert eiserne Selbstdisziplin und bedeutet private Einschränkungen", mahnt Klinkner. Bossemeyer sieht das ähnlich: Nach ihren Beobachtungen geben etwa die Hälfte aller Studienanfänger wegen der hohen persönlichen Belastung auf.
Wenn ihnen das Fernstudium über den Kopf wächst, können Studenten die Studiendauer aber verlängern oder sich vorübergehend beurlauben lassen. Bossemeyer zufolge benötigten Teilzeitstudenten bis zur Prüfung im Schnitt etwa das Eineinhalbfache der Regelstudienzeit.
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(sueddeutsche.de/dpa/Horst Heinz Grimm/holz)
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Über Sinn nachdenken, bevor man schreibt, ist eine gute Sache - das lernt man u.a. im Studium auch ...
Jede Werbung für Bildung ist eine gute Sache! Und es wird an so vielen wirklich üblen und schädlichen Dingen viel Geld verdient, dass ich jedem, das dasselbe damit erreicht Bildung zu vermitteln, jeden Cent von Herzen gönne.
Und Bildungswahn ist ja ein Witz ... schön wär's aber leider sind wir weit davon entfernt.
Und Arbeitgeber ist nicht gleich Arbeitgeber, Beruf nicht gleich Beruf und natürlich auch nicht Studium gleich Studium - da muss man schon ein bisschen differenzierter rangehen. Und leider ist auch Zeit nicht der einzige Faktor, der über ein erfolgreiches Studium entscheidet - aber Du hast Dich ganz offensichtlich nicht weiter damit auseinandergesetzt als bis zu den Kosten :-)
Hallo,
FU Hagen liegt mir vor, da ich selbst dort studiert habe. Wenn also in einem Bericht neben den (auch von Dir erwähnten) privaten Fernhochschulen eine nahezu kostenlose staatliche aufgeführt wird, würde ich das nicht als Schleichwerbung bezeichnen.
Und dass verschiedene Abschlüsse verschieden anerkannt werden - na klar, das ist selbst bei Titeln so (wie von mir beschrieben)!. Und ein Doktor ist ein Doktor, während ein Betriebswirt VWA kein Betriebswirt IHK und schon gar kein (!) Diplom-Betriebswirt oder Diplom-Betriebswirt (FH) ist. Von Bachelor und Master gar nicht zu reden.
Letztlich ist es vor allem bei nebenberuflichen Abschlüssen fast egal, was genau man studiert hat - bezahlt bekommt man die Quälerei und den Ehrgeiz.
Gruß,
Hardy
Ich misch mich mal kurz ein, weil ich mich mit diesem Thema auch schon mehrfach befasst habe.
Die 15.000 Euronen für einen Studiengang sind nicht weltfremd. Das verlangt (Beweis liegt vor) die FOM München. Die IHK München mit der Uni Krems (nicht akkreditiert) verlangt z.B. (Beweis liegt vor) 10.900 Euronen. Wohlweislich ohne Spesen, etc.
Für Hagen liegt mir Preistechnisch nichts vor, die wollten das "individuell" berechnen.
Auch das Argument der Anerkennung bei Personalern kann ich voll und ganz nachvollziehen. Habe das Problem gerade bei dem geprüften Betriebswirt (IHK) und dem Betriebswirt (VWA). Meiner Meinung nach kann man beides nicht vergleichen. Dennoch wird bei Firmen in der Industrie der Abschluß VWA bevorzugt weil er sich Universitätsnäher gibt. Unabhängig davon wie die Lerninhalte waren.
Die FU Hagen verlangt je nach Kursgröße 20-200 für die Unterlagen. Studiengebühren existieren nicht. Wie Du auf 15.000 kommst, musst Du uns doch einmal darlegen.
Klar ist "Doktor" nicht gleich "Doktor" - wie auch? Ein Mediziner kann seinen "Titel" bereits nach dem Physikum ablegen, und das teilweise in wenigen Monaten. Demgegenüber brauchen manche Ingenieursfakultäten bis zu 5 Jahren. Was, glaubst Du, ist mehr wert?
Soll hier vielleicht Schleichwerbung für die Fernhochschulen gemacht werden??!
Angsichts des Bildungswahns der in Deutschland ausgebrochen ist und der Wirtschaftskrise die vielen Leute erstmalig genügend Zeit bietet um solch eine Möglichkeit zu betrachten ist das ja auch der richtige Zeitpunkt. Zusätzlich bei Kosten von ~ 15.000 für die Regelstudienzeit auch eine sicherlich profitable Sache.
Der Artikel wäre komplett gewesen wenn man vielleicht mal über die Anerkennung auf dem Arbeitsmarkt gesprochen hätte. Da haperts nähmlich scheinbar noch gewaltig in diesem Land. Doktor ist für viele Personaler halt nicht gleich Doktor und das Alter spielt da auch noch ne Rolle....
Paging