Führungskultur Was ein CEO vermag

Gibt sich auf der Facebook-Entwicklerkonferenz bodenständig und steht für einen modernen Chef-Typ: der CEO des Netzwerks Mark Zuckerberg.

(Foto: REUTERS)

Ein Vorstandschef kann in einem Konzern mit Zehntausenden Angestellten viel bewegen, aber er muss es richtig machen - und die Sehnsüchte seiner Mitarbeiter erfüllen.

Essay von Caspar Busse

Fast die Hälfte der Fußballvereine der ersten Bundesliga haben in dieser Saison schon den Trainer gefeuert. Ob in Hamburg, Wolfsburg, Ingolstadt oder Gladbach, überall waren die Leistungen der Teams enttäuschend. Da man die gesamte Mannschaft ja nicht einfach entlassen kann, wurde der Trainer ausgewechselt. Auf dem neuen Chefcoach liegen dann die Erwartungen. Selbst beim Rekordmeister Bayern München erhofft man sich von Carlo Ancelotti, der vergangenen Sommer Pep Guardiola ersetzte, alles, vor allem endlich den Gewinn der Champions League - und wurde erst einmal enttäuscht.

Die oder der Neue als Hoffnungsträger, mit dem schlagartig alles besser wird, der für die Wende sorgt - das Prinzip Messias gibt es nicht nur im Fußball. Es funktioniert auch in der Politik, wo etwa nun der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz die Partei nach oben bringen soll - und in der Wirtschaft.

Wenn in Unternehmen der oder die Vorstandsvorsitzende auswechselt wird, ist das stets mit großen Erwartungen von Anlegern und Mitarbeitern verbunden. Der Konzernchef in der Rolle des Heilsbringers aus der Bibel - kann das überhaupt in der zahlengetriebenen Wirtschaftswelt funktionieren? Vielleicht besser, als das auf den ersten Blick zu vermuten ist. Denn Wirtschaft hat nicht nur mit Fakten, sondern auch sehr viel mit Psychologie zu tun.

Weg mit den Krawatten

Bosch war stets einer der korrektesten, aber auch konservativsten Konzerne in Deutschland. Mit Chef Volkmar Denner hat eine neue Entspanntheit Einzug gehalten - und zwar nicht nur in Sachen Dresscode. Von Max Hägler mehr ...

Das Vertrauen in den neuen Adidas-Chef erinnert an moderne Heldenverehrung

Bei Kasper Rorsted kann man das gerade gut studieren. Der Mann aus Aarhus in Dänemark arbeitete in der Computerindustrie und war danach acht Jahre lang Chef des Düsseldorfer Konsumgüterherstellers Henkel - und dort recht erfolgreich. Dann ging er zu Adidas und wurde dort Nachfolger des Niederbayern Herbert Hainer, der den Sportartikelhersteller mehr als 15 Jahre geführt hatte. Schon bei der Bekanntgabe des Wechsels ging die Adidas-Aktie deutlich nach oben. Anfang März nun präsentierte Rorsted - ganz locker in Turnschuhen, Jeans, Pullover und mit Dreitagebart - den Adidas-Jahresbericht, sprach über seine Pläne.

Nichts Großes eigentlich: Eine Eishockey-Marke soll verkauft werden, mehr Produkte über das Internet abgesetzt und die seit Langem angeschlagene Marke Reebok in den USA nochmals geprüft werden. Die Probleme seien erkannt, so Rorsted, und würden nun angegangen. Adidas soll auch künftig eine Sportmarke bleiben, in den USA will das Unternehmen Marktanteile gewinnen, den Hauptkonkurrenten Nike, der weit vor Adidas liegt, haben die Deutschen fest im Visier. An der Strategie seines Vorgängers Hainer will der Neue grundsätzlich nichts ändern.

Nicht viel Neues also, und doch jubeln alle, die Anleger träumen schon von einer guten Zukunft. Die Aktie legt zu, der Unternehmenswert stieg an einem Tag um mehr als drei Milliarden Euro. Bis jetzt notiert das Adidas-Papier nahe dem Rekordstand. Auch die Mitarbeiter setzen auf den Neuen, erwarten viel von ihm. Der Vertrauensvorschuss, der Rorsted entgegengebracht wird, ist also gewaltig. Es wirkt wie eine moderne Heldenverehrung. Dabei ist das Unternehmen, das an der Börse plötzlich so viel mehr wert ist, dasselbe wie noch vor drei Monaten.

Die Frage lautet: Wie viel kann ein Vorstandschef in einem Unternehmen mit Zehntausenden Mitarbeitern wirklich ausrichten? Wie wichtig ist ein Chef? Und: Braucht man ihn überhaupt?