Jeder Vierte leidet unter Burn-out. Schuld daran ist der tägliche Aufenthalt im Büro, sagt Professor Tom Redman von der Durham Business School.
Viele Chefs leiden unter dem Burn-out-Syndrom. In Deutschland ist laut einer Studie des Karriereportals Stepstone jede vierte Fach- und Führungskraft betroffen. Schuld daran sei unter anderem der tägliche Aufenthalt im Büro, sagt Professor Tom Redman von der Durham Business School im Nordosten Englands. Er ließ etwa 1000 Fach- und Führungskräfte aus wissensintensiven Firmen in Großbritannien befragen. Das Ergebnis: Wer von zu Hause aus arbeitet, lebt gesünder.
Tom Redman von der Durham Business School: "Wenn Mitarbeiter daheim arbeiten, steigt ihre Arbeits- und Lebenszufriedenheit." (© Foto: oH)
Anzeige
SZ: Sie sagen, dass die meisten Führungskräfte, die im Büro arbeiten, sich am Ende einer Arbeitswoche krank fühlen. Müssen wir jetzt von den klassischen Arbeitsstrukturen Abschied nehmen?
Tom Redman: Sie haben mehr Stress, sie sind nicht unbedingt krank. Aber es ist in der Tat Zeit, die Strukturen zu überdenken: Durften die von uns befragten Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz aus dem Hauptbüro verlegen, sank die Burn-out-Rate von 48 auf fünf Prozent und weniger. Wenn der Arbeitgeber den Mitarbeitern erlaubte, an einem oder mehreren Tagen der Woche von zu Hause zu arbeiten, ging sie sogar auf drei Prozent zurück.
SZ: Warum ist es für uns so anstrengend, ständig im Büro zu arbeiten?
Redman: Es kommen mehrere Faktoren zusammen. Viele Mitarbeiter sind durch die Arbeit gestresst. Hinzu kommen die zunehmende Verschärfung der Anforderungen und Leistungsdruck durch Gruppenzwang in der Firma. Wenn Mitarbeiter daheim arbeiten, steigt ihre Arbeits- und Lebenszufriedenheit. Auch ihre Selbstverantwortung und ihr Gefühlsleben verbessern sich. Unsere Studie hat zudem ergeben, dass die größere Flexibilität durch Telearbeit zu verhindern hilft, dass die Mitarbeiter in einen Konflikt zwischen Familie und Job geraten.
SZ: Angestellte, die von zu Hause arbeiten, obwohl es dazu keine offizielle Firmenregelung gibt, haben ebenfalls eine hohe Burn-out-Rate. Wie kommt das?
Redman: Tatsächlich liegt hier die Burn-out-Rate bei 63 Prozent. Dies hängt mit den Schuldgefühlen der Mitarbeiter zusammen, weil sie dies heimlich praktizieren. Sie haben einfach ein schlechtes Gewissen.
SZ: So mancher Büroarbeiter wäre froh, wenn er zeitweise mit seinem Laptop und Handy im Park oder im Café um die Ecke arbeiten könnte. Ist das eine bessere Arbeitsumgebung als das Büro?
Redman: Wie die Alternative zum herkömmlichen Büro aussehen könnte, haben wir noch nicht umfassend untersucht. Zumindest hier in Durham dürfte es aber im Park Probleme geben, wegen des britischen Wetters. Außerdem ist natürlich die Gefahr von Ablenkungen groß.
SZ: Was können wir denn machen, um im Büro glücklich zu sein, wenn der Chef nicht erlaubt, außerhalb zu arbeiten?
Redman: Sie sollten sich einen Arbeitgeber suchen, der das Arbeiten von zu Hause aus ermöglicht.
- Thema
- Burn-out Prävention RSS
- Bericht des Berufsverbands Deutscher Psychologen Arbeit, die krank macht 23.04.2008
- Die Kunst der Selbstausbeutung "Arbeitslose auf Bewährung" 16.10.2007
- Kranke Firmen Burnout ist ansteckend 15.10.2007
- Burnout Stillstand im Hamsterrad 20.12.2006
- Psychische Belastung im Job Wider den modernen Arbeitssklaven 17.10.2011
- Burn-out-Experte im Gespräch "Viele halten das Tempo nicht mehr aus" 25.07.2011
- Leistungsdruck im Job Wenn der Stress die Seele angreift 07.07.2011
(SZ vom 6.9.2008/bön)
Bilder des Tages
Die starre Bindung zu einem persönlichen Arbeitsplatz in irgendeinem Gebäude ist nicht mehr notwendig. Wer das Arbeitskonzept Büro über eine Vielzahl von Arbeitsmöglichkeiten definiert (mal in einem Einzelbüro, mal in einem offenen Teambüro, mal zu Hause, beim Kunden, unterwegs, ...) bietet seinen Mitarbeitern immer die richtige Arbeitsmöglichkeit. Die gesparten Kosten durch die Flächenoptimierung sollten in die Ausstattung des Büros investiert werden, dann macht es auch Spass dort zu arbeiten. Die Führung muss dabei jedoch konsequent über Ziele und nicht über wahrgenommene Anwesenheit erfolgen.
fühlen sich am Ende der Arbeitswoche krank. Auch die Nicht-Führungskräfte.
Und ich fühle mich montags auch nur so lange gut, bis ich meinen Schreibtisch sehen.
Große Erkenntnisse sind das ja nicht. Und die letzte Aussage des Herrn Professor ist eine Binsenweisheit.