Sind Sie schwanger, schwul oder Parteimitglied? Solche Fragen dürfen Personaler im Jobinterview eigentlich nicht stellen. Wer trotzdem souverän reagiert, hat gute Karten.
Die Situation ist entspannt, das Vorstellungsgespräch läuft gut - bis der potenzielle Chef nach der Familienplanung fragt. Diese und eine ganze Reihe von anderen Fragen sind im Vorstellungsgespräch allerdings tabu. "Trotzdem sollten Bewerber bei ihrer Reaktion souverän und sachlich bleiben", empfiehlt die Bewerbungstrainerin Silke Heil aus Graben-Neudorf bei Karlsruhe. Mit unfreundlichen Reaktionen oder dem Verweigern einer Antwort manövriert man sich schnell ins Aus.
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Nicht jede Frage darf überhaupt gestellt werden. Das gilt generell, wenn Diskriminierungsmerkmale des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) berührt würden: Tabu sind Fragen nach der Rasse, der ethnischen Herkunft, dem Geschlecht, der Religion, der Weltanschauung, einer Behinderung, dem Alter oder der sexuellen Identität eines Bewerbers. Im Falle einer Ablehnung könnten solche Fragen als Indiz für eine Diskriminierung gelten, sagt Verena Rottmann, Rechtsanwältin aus Hamburg. Eine Ausnahme ist die Frage nach der Religion bei kirchlichen Beschäftigungsverhältnissen. "Wenn Sie sich beispielsweise bei einem katholischen Kindergarten bewerben, darf nach der Religion gefragt werden", erklärt Heil.
Dagegen dürfen Personaler weder nach einer Gewerkschafts- oder einer Parteizugehörigkeiten fragen, ergänzt Michael W. Felser, Anwalt für Arbeitsrecht aus Brühl bei Köln. Diese seien durch das AGG beziehungsweise durch das Grundgesetz geschützt. Fragen nach dem Gesundheitszustand des Bewerbers sind nur zulässig, wenn für die Tätigkeit eine bestimmte körperliche Verfassung erforderlich ist.
"Geht es beispielsweise um die Stelle einer Arzthelferin, kann die Frage nach ansteckenden Krankheiten wie beispielsweise Tuberkulose berechtigt sein", erklärt Rottmann. "Die Frage ist immer, ob und inwieweit eine bestimmte Voraussetzung die Erfüllung der Aufgaben verhindern würde", erläutert Carsten Buchberger, Recruitingberater aus Hamburg.
Sieht sich der Bewerber im Vorstellungsgespräch trotzdem mit solchen Fragen konfrontiert, sollte er den Arbeitgeber nicht offensiv auf die Unzulässigkeit hinweisen. Auch auf die Frage nach weiteren Bewerbungen sollten Arbeitsuchende ruhig, aber diplomatisch reagieren: "Ich habe mich noch bei anderen Firmen im Umfeld beworben. Da das noch nichts Festes ist, hoffe ich, Sie haben dafür Verständnis, dass ich dazu nichts sagen möchte", schlägt Silke Heil als Antwort vor.
"Möglicherweise interessiere sich der Personaler gar nicht für die Antwort auf die gestellte Frage, sondern sehr viel mehr dafür, wie Sie mit der Situation umgehen", gibt Carsten Buchberger zu bedenken. Daher laute die erste Empfehlung: "Ruhe bewahren und Füße stillhalten". Auf keinen Fall Unsicherheit zeigen, rät auch Felser. "Wer auf die Frage 'Sind Sie Gewerkschaftsmitglied?' einen knallroten Kopf bekommt, gibt die Antwort mit der Körpersprache."
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(dpa/Miriam Braun/bön)
Nationalteam vor der EM
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Ihr habt ja Recht. Aber warum organisiert ihr Frauen eigentlich keinen effektiven Widerstand gegen diese Misstände? Das versteh ich nicht.
Sorry, hatte Ihren Beitrag noch nicht gelesen. Sie haben meine Ideen natürlich vorweggenommen und genau auf den Punkt gebracht. Ich bin froh, dass es mehr Leute gibt, die das so sehen wie ich.
Heute erzählte mir eine Busfahrerin, dass sie ihrem Chef immer Auskunft geben muss über den "Grund" ihres Urlaubsantrages. Und wenn sie zum Frauenarzt muss, kommt die Frage: "Warum müssen Sie denn zum Frauenarzt?".
Eine Bekannte von mir hatte in einem früheren Job Windpocken und blieb deshalb zuhause. Die Geschäftsführung war deshalb so erbost, dass sie die Bekannte zu einem disziplinarischen Gespräch bat.
All das demonstriert aufs anschaulichste, wie wichtig Gewerkschaften in unserem Land sind- da kann der Westerwelle herumkrakeelen soviel er will.
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