Berufsbildungsbericht Nur noch jeder fünfte Betrieb bildet Lehrlinge aus

Auszubildende arbeiten am 23.03.2017 in einer Ausbildungswerkstatt für Mechaniker im ABB Ausbildungszentrum in Berlin.

(Foto: dpa)
  • Das Bundeskabinett berät am Mittwoch den Bundesbildungsbericht 2017.
  • Demnach bildet nur noch jeder fünfte Betrieb Lehrlinge aus, die Zahl unbesetzter Lehrstellen lag dennoch auf Rekordniveau.
  • Immer mehr Abiturienten entscheiden sich für eine duale Ausbildung.

In Deutschland bildet nur noch jeder fünfte Betrieb einen oder mehrere Lehrlinge im dualen System aus. Diese Quote sank 2016 nochmals von 20,3 auf 20 Prozent, wie aus dem Berufsbildungsbericht 2017 hervorgeht. Die Zahl freier Lehrstellen lag dennoch auf Rekordniveau. "Zum Stichtag 30. September waren noch etwa 43 500 Berufsausbildungsstellen unbesetzt. Das sind 1900 (+ 4,5 Prozent) mehr als im Vorjahr", heißt es in dem Report. Ein positives Ergebnis: Die Zahl unversorgter Bewerber war erneut leicht rückläufig (minus 1,1 Prozent auf 20 600).

Weitgehend stabil war im Vorjahr die Zahl der neu abgeschlossenen betrieblichen Ausbildungsverträge mit gut 520 000 (minus 0,4 Prozent). "Während insbesondere die Bundesländer Bayern, Bremen und Sachsen-Anhalt Steigerungen bei der Zahl neuer Ausbildungsverträge verzeichnen, sind Rückgänge in den Ländern Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen, Hamburg, Thüringen und Schleswig-Holstein erkennbar", heißt es in dem Bericht der Regierung.

Mehr Abiturienten machen eine Ausbildung

Interessant am aktuellen Bericht ist, dass sich immer mehr Abiturienten für eine Ausbildung entscheiden. Die Quote der Azubis mit Studienberechtigung stieg seit 2009 von gut 20 auf zuletzt knapp 28 Prozent, schreibt der Deutsche Gewerkschaftsbund.

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Damit habe es zuletzt "erstmals mehr Studienberechtigte als junge Menschen mit Hauptschulabschluss (26,7 Prozent) im dualen System" von betrieblicher Lehre und Berufsschule gegeben. Andererseits hätten 1,22 Millionen Menschen zwischen 20 und 29 in Deutschland keine abgeschlossene Ausbildung und befänden sich auch nicht in Schule oder Studium. Das seien fast 13 Prozent dieser Altersgruppe.

Viele Hauptschüler finden keine Lehrstelle

"Das heißt: Unter dem Strich bleiben pro Jahrgang mehr als 120 000 Jugendliche ohne Ausbildung", sagte die stellvertretende DGB-Chefin Elke Hannack. "Wir brauchen deshalb eine Ausbildungsgarantie, die allen Jugendlichen die Perspektive auf einen Berufsabschluss eröffnet." Nur knapp jeder zweite Hauptschüler schaffe direkt den Sprung von der Schule in die Ausbildung. "In der bundesweiten Lehrstellenbörse der Industrie- und Handelskammern bleiben fast zwei von drei Angeboten Hauptschülern von vornherein verschlossen."

Ähnlich äußerte sich Susanne Eisenmann, Präsidentin der Kultusministerkonferenz. Sie wundere sich, "dass es für die Wirtschaft teilweise so schwer ist, Hauptschüler in Ausbildung zu integrieren - obwohl diese doch im klassischen Sinne für den Arbeitsmarkt ausgebildet sind", sagte Eisenmann. "Man sieht häufig diese Tendenz bei Arbeitgebern: Ich nehme lieber den Realschüler, der zweimal sitzengeblieben ist, als den Hauptschüler, der seine Schulkarriere gut und effizient geschafft hat." Dies könne aber auf Dauer nicht funktionieren. "Darüber reden wir mit der Wirtschaft ganz klar", betonte die KMK-Chefin und baden-württembergische Kultusministerin. "Denn in den Übergangssystemen sind überproportional Hauptschüler."

Dazu hatte das Statistische Bundesamt bereits Anfang März eine Zahl veröffentlicht: Demnach begannen fast 300 000 junge Menschen 2016 ein Programm im sogenannten Übergangsbereich - ein Plus von 12,2 Prozent. In solchen Programmen sollen Teilnehmer zunächst ihre Chance auf einen Ausbildungsplatz verbessern. Kritiker sprechen von einem Warteschleifensystem.