Wie kann eine simple Sache wie Begrüßen nur so kompliziert sein? Wer zuerst einen guten Tag wünscht - und wem man besser gar nicht die Hand schüttelt.
Wie kann eine einfache Sache nur so kompliziert sein? Man begegnet der Assistentin aus der Abteilung Vertrieb auf dem Gang. Die Umgebung ist öde, das allgemeine Klima mal wieder frostig, da möchte man mit einem fröhlich geschmetterten "Guten Morgen!" etwas Wärme in die Umgebung und ins Herz der jungen Dame bringen. Einfach, weil man nicht nur Chef, sondern nebenbei auch ein ganz netter Kerl ist. Vorsicht, Fettnapf in Sicht!
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"Guten Tag, mein Name ist": Beim Vorstellungsgespräch sollte man auf keinen Fall forsch auf den Nächstbesten zulaufen. (© picture alliance)
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Will man sich kniggekonform verhalten, schweigt man fein still und wartet verbissen darauf, dass die Assistentin schmettert - obwohl sie die Dame und man selbst der Herr ist. Denn im geschäftlichen Umgang wird die Rangordnung nicht vom Geschlecht, sondern von der beruflichen Hierarchie bestimmt. Die untergeordnete Dame hat also die Pflicht, als erste zu grüßen. Das zu wissen, ist wichtig für Frauen im Job. Umso mehr wird es sie freuen, wenn der Chef genug Souveränität hat, auf sein Vorrecht zu verzichten.
Was tun im Vorstellungsgespräch?
Bei einer Dreierkonstellation kann man sich dagegen nicht leisten, souverän zu sein: Betritt ein Mitarbeiter den Raum, in dem sich schon sein Gruppenleiter und eine ältere Sekretärin aufhalten, gilt ganz klar: Zuerst muss er den Chef begrüßen, danach die Sekretärin, Dame hin oder her. Auch ein Vorgesetzter wird erst dem anderen Vorgesetzten die Hand schütteln, bevor er sich der Sekretärin zuwendet. (Chefs, die fremde Sekretärinnen grundsätzlich übersehen, sind natürlich völlig indiskutabel.)
Der nächste Stolperstein: das Händeschütteln. Wenn man zum Beispiel in ein Vorstellungsgespräch geht, sollte man auf keinen Fall forsch auf den Nächstbesten zulaufen und ihm die Hand zum Gruße reichen, auch wenn man unbedingt demonstrieren will, wie dynamisch man ist. Schließlich weiß man da ja noch gar nicht, wer wo in der Hierarchie steht - man würde also möglicherweise falsch schütteln. Korrekt ist, "Guten Tag, mein Name ist ..." zu sagen und dann abzuwarten, was passiert. Irgendjemand wird einem dann schon die Hand geben.
Ein mutiger Sprung in den Napf
Befindet man sich gerade im Gespräch mit einem Geschäftspartner und es kommt ein Kollege dazu, den der Partner nicht kennt, gilt: Guest first. Der Gast hat Vorrang, ihm muss vorgestellt werden. Und was ist, wenn nicht der Kollege, sondern der Chef sich hinzugesellt? Schwierig, schwierig. Da bleibt nichts anderes als sensibles Austarieren und ein mutiger Sprung in den Napf. In welchen, entscheidet sich danach, wer einem empfindlicher erscheint (oder wer für die Zukunft wichtiger ist): der Chef oder der Geschäftspartner.
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Meistersix-Artikel ist doch wohl ironisch gemeint, oder etwa nich?
zitat:"Es ist leider davon auszugehen, dass die werte Verfasserin sich selbst nicht ausreichend an die Gebote der Standesetikette hält!"
was verstehst du unter standesetikette? ist diese ganze standesgeschichte nicht schon längst....ja eben, geschichte? kannst ja gerne weiterhin menschen nach unterschiedlichen "ständen" behandeln. welchem gehörst du an? und, wie wäre es mit der wiedereinführung von zweiklassenwahlrecht?
klar, ich bezog mich auch nur auf diese Situation, die mir in den Sinn kam, dass es auch anderns als "bierernst" ablaufen kann; dass Herr Berlusconi ein Kapitel fuer sich ist, bleibt unbestritten (und z.B. Obama als "sonnengebraeunt" zu bezeichnen, ist natuerlich voll daneben); es ist eigentlich nicht lustig, aber wenn Sarkoszy damals tatsaechlich Wodkawetttrinken mit Putin verloren haben sollte, muss ich alt dennoch grinsen...
Ausgerechnet Berlusconis Dauerabonement of Faux-Pas als Gegenbeispiel zu benutzen halte ich für etwas unglücklich, aber ansonsten stimme ich Ihrem Beitrag zu 100% zu :-)
... sehr richtig; ausserdem wuerde es wohl manchem sog. Vorgsetzen gut anstehen, entweder ueber den grossenTeich in Richtung Westen/ USA oder in Richtung Sueden/ Italien zu schauen.
In der Umgebung von Menschen mit Intelligenz und natuerlicher Autoritaet entsteht erst keine Atmosphaere, in der sich eine Hackordung breitmacht! Dazu kaeme dann noch eine Charaktereigenschaft, die im Text richtiger Weise beschrieben wird: Souveraenitaet!
Menschen, die wissen, dass sie in ihrem Leben wirklich etwas erreicht haben, sind haeufig voellig entspannt und beaeugen misstrauisch die "Wadlbeisser", die halt auch gerne - und wenn's halt nur ein bischen ist - Karriere machen wollen.
Nach dem Zweiten WK erschien ein Buch mit dem Titel "Etikette neu" von Gudrun Pappritz, die darin angesprochenen Regeln gelten halt fuer das internationale Bankett, die es nicht bis dorthin geschafft haben, sollten halt die Kirche im Dorf lassen; im uebrigen: vor kurzem hat sich Berlusconi beim Staatsempfang anstatt Frau Merkel zu begruessen, hinter einer Sauele versteckt und "Kuckkuck" gerufen - and now? Staatskrise? wohl eher nicht; und wenn man schon Wert auf gute Manieren legt, dann sollte man sich z.B. beim Alkohol zurueckhalten oder z.B. wissen, dass "Cin Cin" im japanischen das maennliche Geschlechtsteil bezeichnet (so meine jap. Bekannte) -
das kommt halt dann tatsaechlich nicht so gut an!
Paging