Befristete Arbeitsverträge Kurze Bindungen werden immer häufiger

Eine unbefristete Festanstellung? Ein Traum aus vergangenen Zeiten. Denn heutzutage müssen immer mehr Menschen mit befristeten Arbeitsverträgen vorlieb nehmen. Doch auch für Befristungen gelten bestimmte Regeln - und eine gesetzliche Obergrenze.

Viele Berufsanfänger wagen nicht mehr, von einer unbefristeten Festanstellung zu träumen, so selten ist sie geworden. Viel typischer ist es, dass junge Menschen mit befristeten Arbeitsverträgen vorlieb nehmen müssen. So wie zum Beispiel Anna Richard. Die Studentin hat unmittelbar nach dem Studium der Kommunikationswissenschaft einen Job bei einer PR-Agentur bekommen. Ein Glücksgriff, denn die Arbeit macht ihr viel Spaß, und die Kollegen sind nett.

Doch ein wenig mulmig wird der 29-Jährigen, wenn sie an das Jahresende denkt. In Paragraf 7 ihres Arbeitsvertrags steht nämlich: Dieser Vertrag endet am 31. Dezember 2011, ohne dass es einer Kündigung bedarf. Richard hat einen befristeten Arbeitsvertrag.

Damit ist sie keine Seltenheit. Fast jeder zweite, neu eingestellte Arbeitnehmer (46 Prozent) hat im Jahr 2010 zunächst nur einen befristeten Arbeitsvertrag bekommen. Das geht aus einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg hervor. Im Jahr 2001 waren es noch deutlich weniger. Damals wurde nur fast jeder Dritte (32 Prozent) auf Zeit eingestellt.

Allein wegen der Befristung ist Richard - rechtlich gesehen - zunächst einmal nicht schlechter gestellt als ihre unbefristeten Arbeitskollegen. "Das Gesetz verbietet eine Diskriminierung der Arbeitnehmer mit Befristung", erklärt Nathalie Oberthür, Fachanwältin für Arbeitsrecht in Köln. "Sie haben etwa Anspruch auf die gleiche Vergütung und die gleichen Fortbildungen."

Doch langfristig planen kann man mit so einem Vertrag nur schlecht. Wer einen befristeten Arbeitsvertrag hat, sollte einen Blick in das 23 Paragrafen lange Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) werfen. Danach gibt es nur zwei Arten von befristeten Arbeitsverträgen: den "kalendermäßig befristeten Arbeitsvertrag" und den "zweckbefristeten Arbeitsvertrag" (Paragraf 3 Absatz 1).

Anna Richards Vertrag ist ersteres. Er endet automatisch mit dem Ablauf eines bestimmten Datums. Die anderen Verträge enden, wenn ihr Zweck erfüllt ist. Was der Zweck ist, ist bei jedem Arbeitsvertrag anders. So kann es sein, dass ein Arbeitnehmer nur zum Zweck der Elternzeitvertretung eingestellt wird. Der Arbeitsvertrag endet dann, wenn der Vertretene aus seiner Elternzeit zurückkehrt.