Aufstieg dank Beziehungen Was Elite-Zirkel wirklich für die Karriere bringen

Rotary und Lions Club, Alumni-Verein oder Studentenverbindung - elitäre Zirkel nutzen ihren Anhängern auch beruflich, heißt es. In manchen Fällen trifft das zu. Aber manchmal kann die Mitgliedschaft in Vereinigungen bei der Jobsuche sogar schaden.

Von Miriam Hoffmeyer

Wer aufsteigen will, sollte die richtigen Leute kennen. Seit diese Binsenweisheit aus dem Karriereratgeber unter der Überschrift "Networking" steht, wächst die Zahl der formalen Netzwerke und ihrer Teilnehmer stetig. Fast jede deutsche Hochschule hat innerhalb der letzten 20 Jahre eine Alumnivereinigung gegründet, die Business-Plattform Xing zählt schon fast elf Millionen Mitglieder.

Neben diesen relativ jungen Netzwerken und den Berufsverbänden gibt es aber auch Organisationen, die schon seit hundert Jahren oder länger im Ruf stehen, die Karriere ihrer Mitglieder zu fördern. Sogenannte Service Clubs wie der 1905 gegründete Rotary Club, der Lions Club, Kiwanis, Soroptimist oder Round Table gelten als Edelzirkel, deren Mitglieder sich schon mal zu guten Geschäften und Posten verhelfen. Und die mehr als tausend deutschen Studentenverbindungen, deren Wurzeln bis tief ins 19. Jahrhundert reichen, verstehen sich seit jeher ausdrücklich als generationsübergreifender Lebensbund zur gegenseitigen Unterstützung.

Können die Mitglieder von Studentenverbindungen heute noch beruflich profitieren? Kommt darauf an, meint die Politikwissenschaftlerin Alexandra Kurth von der Universität Gießen. Man müsse zwischen den Burschen- und Landsmannschaften, deren Ruf wegen ihrer Kontakte zum rechtsextremen Milieu ruiniert sei, und anderen Verbindungen wie den katholischen Studentenverbindungen oder den Corps unterscheiden. Die Mitgliedschaft bei diesen könne durchaus nützen, wenn Alte Herren in den entsprechenden Schlüsselpositionen säßen.

Kurth warnt aber zugleich: "Wenn das nicht der Fall ist, kann es sogar sehr schaden, die Mitgliedschaft in einer Bewerbung zu erwähnen." Denn die Skandale um die Deutsche Burschenschaft hätten sich auf das Image aller Korporationen negativ ausgewirkt. "Die katholischen Verbindungen und die Corps haben sich lange Zeit nicht genügend von den Burschen- und Landsmannschaften abgegrenzt. Inzwischen tun sie das zwar, aber das öffentliche Bild wird sich so schnell nicht verbessern", meint Kurth. Auch deshalb ist inzwischen weniger als ein Prozent der Studierenden in Korporationen organisiert.

Die Verbindungen wollen zwar neue Mitglieder werben, auch mit dem Hinweis auf gute Karriere-Aussichten - andererseits aber das Image der Vetternwirtschaft vermeiden. In ihrem gemeinsamen Internetauftritt locken die Corps mit "jeder Menge an Netzwerk auch nach dem Studium" und einer internationalen Praktikumsbörse. Von den Kontakten könnten aber nur diejenigen profitieren, bei denen die Leistung stimme, betont Matthias Stier. Der 23 Jahre alte BWL-Student ist Mitglied des Würzburger Corps Nassovia und Vorsitzender des Kösener Senioren-Convents-Verbands, in dem sich die ältesten Studentenverbindungen im deutschsprachigen Raum zusammengeschlossen haben. "Wenn man in eine Verbindung kommt, liegen natürlich nicht gleich zehn Praktikumsangebote auf dem Tisch", sagt Stier. Aber ein Corpsbruder habe ihm seinen Studentenjob bei einer Wirtschaftsprüfungskanzlei vermittelt. "Und ein Alter Herr in Führungsposition bei einer anderen großen Kanzlei hat mir Material für eine Seminararbeit besorgt."