Strahlenbiologie Volle kleine Dosis

Lebensgefährliche Radioaktivität: Wer im Atomkraftwerk arbeitet, bekommt immer etwas Strahlung ab. Doch diese ist gefährlicher, als man bisher dachte.

Von Christopher Schrader

Auch kleine Dosen von Radioaktivität können Krebs auslösen. Eine Untersuchung von gut 300 000 Mitarbeitern der Atomindustrie zeigt jetzt, dass das Risiko für Leukämie schon bei kleinen Strahlungsmengen besteht und mit der Dosis linear ansteigt.

Dieser Zusammenhang galt vielen Experten als plausibel, war aber schwer zu belegen. Darum debattierten Forscher immer wieder, ob es eine Schwelle gebe, unter der die Strahlung ungefährlich ist, oder ein Plateau, so dass kleinste Dosen in einem bestimmten Bereich die gleiche Mindestwirkung haben.

1,1 Milligray pro Jahr radioaktive Strahlung

Forscher der Internationalen Krebs-Agentur in Lyon haben nun Daten von 308 000 Nukleararbeitern, darunter 40 000 Frauen, aus Frankreich, Großbritannien und Amerika analysiert. Ihre Gesundheit war durchschnittlich 27 Jahre lang kontrolliert worden.

Die Probanden hatten im Mittel 1,1 Milligray pro Jahr abbekommen, etwa 16 Milligray in ihrem Berufsleben. Das Risiko, an Leukämie zu sterben, vervierfacht sich laut der Berechnung bei Absorption von einem ganzen Gray, für die Arbeiter war es also im Mittel um knapp fünf Prozent angestiegen (Lancet Haematology).

Biologische Wirkung verschiedener Strahlenarten

Frühere Studien hatten trotz größerer Fallzahlen weniger statistische Sicherheit erbracht. Die Einheit Gray misst die Energie, die die Strahlung in den Körper getragen hat; die biologische Wirkung verschiedener Strahlenarten erfasst hingegen die Einheit Sievert. Demnach hatten die Arbeiter im Mittel 1,74 Millisievert pro Jahr aufgenommen.