Risiken der Akupunktur Schwindelerregende Stiche

Schwindelanfälle, Bewusstlosigkeit, kollabierende Lungenflügel: Die Nebenwirkungen der Akupunktur sind größer als gemeinhin angenommen. Vom Nutzen kann man das nicht behaupten.

Von Katrin Blawat

Die Schulter ist steif, der Nacken verspannt? Vielleicht die Verdauung träge, der Geist erschöpft, die Libido erloschen? In all diesen Fällen - wie auch bei fast jedem anderen vorstellbarem Leiden - könnte Akupunktur helfen, glauben viele Menschen. Und selbst wer nicht restlos von den Heilkräften der Nadeln überzeugt ist, denkt sich oft: Vielleicht hilft sie, vielleicht nicht - wenigstens schadet eine Akupunktur nicht. Schließlich beansprucht die Pikserei all die Attribute für sich, mit denen sich von der Medizin enttäuschte Patienten locken lassen: ganzheitlich, natürlich - und vor allem sanft.

Sie gilt als sanfte Methode, doch die Akupunktur birgt Risiken.

(Foto: ddp)

Doch egal, mit welchen Zauberworten sie angepriesen wird: Auch eine Akupunktur birgt Risiken. Werden die Nadeln falsch gesetzt, kann das für den Patienten unangenehm werden - und in seltenen Fällen ernsthaft schaden. Zahlen, wie häufig eine Akupunktur zu Beschwerden führt, liefert nun eine Studie des britischen Nationalen Gesundheitsdienstes. Demnach wurden zwischen 2009 und 2011 in Großbritannien 325 Fälle von Nebenwirkungen gemeldet. Wie oft Nadeln ohne Beschwerden gesetzt wurden, gibt die Untersuchung allerdings nicht an.

Auch wenn die Zwischenfälle eher als harmlos galten, waren sie unangenehm. 160 Patienten litten beim Einstechen der Nadeln unter Schwindelanfällen oder sie verloren sogar kurzzeitig das Bewusstsein. Bei etwa 100 Behandlungen vergaßen die Akupunkteure, die Nadeln aus dem Körper wieder zu entfernen. In fünf Fällen kollabierte ein Lungenflügel. Akupunkteure sollten auf signifikante Schäden durch die Behandlung vorbereitet sein, schreiben die Autoren der Studie.

"Die Akupunktur-Behandlungen in Deutschland halte ich aber für technisch gut", entgegnet Benedikt Matenaer. Der Schmerztherapeut praktizierte die Methode schon lange selbst, gilt mittlerweile jedoch als einer ihrer prominenten Kritiker hierzulande. "Dennoch finde ich es vernünftig, auf mögliche Risiken hinzuweisen." Dies geschehe vor jeder Behandlung, sagt Britta Wuttke von der Deutschen Ärztegesellschaft für Akupunktur.

Zwar wollen auch die Studienautoren nicht den Eindruck vermitteln, Akupunktur sei hochgefährlich. Doch ist das - geringe - Risiko den Nutzen wert? Dieser liegt angeblich darin, dass die Nadeln die Energieflüsse des Körpers wieder ins Lot brächten und so Linderung verschafften.

Doch immer wieder hat sich gezeigt: Viele Patienten profitieren überhaupt nicht von den Nadelstichen. Und wenn es ihnen doch hilft, dann meist nur deshalb, weil sie fest an die Heilkraft der Nadeln glauben. Das ist vergleichbar mit Patienten, denen es schon besser geht, sobald sie einem Arzt im weißen Kittel gegenüber sitzen. Nie aber hat es nur den geringsten Hinweis darauf gegeben, dass die angeblichen Energiebahnen im Körper überhaupt existieren. Die Akupunktur basiert auf einem kruden, wild zusammengewürfelten Ideengerüst. Real ist nur eines: die Risiken.