Reformplan der Union Ohne Arztbesuch zum Krankengymnasten

Die Unionsfraktion will die Autonomie der Physiotherapeuten stärken.

(Foto: dpa)
  • Wenn es nach der Unionsfraktion geht, sollen Logopäden, Masseure und andere Therapeuten in Zukunft mehr Geld bekommen und ohne ärztliche Vorgabe entscheiden, wie sie Patienten behandeln.
  • Damit könnte sogar ein Arztbesuch überflüssig werden.
  • Die Union führt Feldstudien an, die dem Modell gleich mehrere Vorteile attestieren.
Von Guido Bohsem, Berlin

Die Union will die Stellung von Physiotherapeuten, Logopäden, Masseuren und anderen Heilmittel-Erbringern deutlich aufwerten. Nach einem der Süddeutschen Zeitung vorliegenden Positionspapier der CDU/CSU-Fraktion sollen die Therapeuten nicht nur mehr Geld bekommen, sondern künftig auch frei und ohne ärztliche Vorgabe darüber entscheiden, welche Anwendungen ihre Patienten brauchen. Die Union will sogar erproben lassen, ob sich Patienten auf Kassenkosten nicht direkt an ihre Therapeuten wenden können, also ohne vorher zum Arzt zu gehen. Dies ist zum Beispiel in den Niederlanden und in Schweden möglich.

Patienten profitieren von Vorschlägen der Therapeuten

Hierzulande muss der Arzt eine sogenannte Vollverordnung ausstellen. Darin schreibt er dem Therapeuten vor, welche Anwendung der Patient erhalten soll. Dies führt häufig zu Konflikten, weil die Therapeuten oftmals andere Methoden für geeigneter halten. Erste Erkenntnisse aus Feldstudien deuten laut Union zudem darauf hin, dass eine Blankoverordnung sogar Geld sparen würde: Wenn die Ärzte den Therapeuten keine Vorgaben machen, verringert sich die Zahl der Anwendungen.

In den Studien zeigt sich laut Union aber auch, dass der Patient stärker von Leistungen profitiert, die etwa sein Physiotherapeut vorschlägt. Zudem erhöhe der breitere Entscheidungsspielraum auch die Zufriedenheit der Therapeuten mit ihrer Arbeit. Schließlich werde den Ärzten durch die stärkere Einbeziehung der Heilmittel-Erbringer Arbeit abgenommen, was den drohenden Ärztemangel lindere.

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Durch die geplante Optimierung des Behandlungsablaufs entstehe also "erstens ein Einsparpotenzial für die Gesetzliche Krankenversicherung, zweitens eine teilweise Kompensation künftiger Versorgungsengpässe und drittens eine höhere Patientenzufriedenheit", heißt es in dem Papier. Nach den Vorstellungen der Union sollen die politischen Verhandlungen über eine Blankoverordnung 2016 beginnen. Verlaufe die Erprobung eines direkten Zugangs zu den Heilmittel-Erbringern erfolgreich, werde auch diese übernommen.

Union will höhere Ausbildungsstandards

Damit die Therapeuten mehr Verantwortung übernehmen können, sollen laut Union zunächst die Ausbildungsstandards angehoben werden. So müsse es Zusatzqualifikationen etwa zur Erstellung von Diagnosen und Therapieberichten geben. Damit die Ausbildungszahlen in den Berufen nicht weiter absinken, will die Union das Schulgeld abschaffen, das derzeit bei etwa 400 Euro im Monat liegt. Zudem wolle man dafür sorgen, dass die Vergütung zum Beispiel in den Praxen der Physiotherapeuten deutlich angehoben werde.

Nach Worten des für den Bereich zuständige Berichterstatters der Union, Roy Kühne, der selbst Physiotherapeut ist und ein Gesundheitszentrum betreibt, wird der Beruf des Therapeuten durch die Initiative deutlich gestärkt. Eine moderne Ausbildung, eine gute Bezahlung und eine stärkere Verantwortung im praktischen Alltag sei nötig. "Davon profitieren am Ende vor allem die Patienten. Und auf die kommt es schließlich an." Der gesundheitspolitische Sprecher der Union, Jens Spahn, sagte: "Therapeuten sind eine wichtige Stütze unseres Gesundheitswesens. Wir müssen diesen Beruf zukunftsfähig und attraktiv für Nachwuchs machen."

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