Reformpläne Pflegeausbildung: "In drei Jahren drei Berufe lernen"

Die Ausbildung der Pflegeberufe soll umfassend reformiert werden.

(Foto: Scherl)
  • Bislang gibt es drei unterschiedliche Ausbildungsgänge für Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpfleger. Nun will die Bundesregierung eine einheitliche Ausbildung schaffen.
  • Den Gesetzentwurf von Gesundheitsminister Gröhe und Familienministerin Schwesig will das Kabinett heute beschließen.
  • Pflegeeinrichtungen befürchten Probleme. Der Umgang mit einem Frühchen sei kaum vergleichbar mit der Aufgabe, einen schwer kranken Senior beim Sterben zu begleiten, sagt beispielsweise die Leiterin einer Altenpflegeschule.
Von Kim Björn Becker

Der Unterrichtsraum im Erdgeschoss ist hellgrün vertäfelt. Leere Wasserflaschen liegen auf den Tischen, Konzentration in der Luft. Es ist früher Nachmittag, an der Hans-Weinberger-Akademie in einem Außenbezirk Münchens werden gerade die Altenpfleger von morgen ausgebildet. In drei Reihen sitzen 19 Schüler im dritten Lehrjahr vor ihren Büchern, und vorne sitzt Wolfgang Bergler. Der Jurist war vor seiner Pensionierung Richter am Landgericht. Heute bringt er den Nachwuchspflegern bei, welche Gesetze für ihre spätere Arbeit im Altenheim wichtig sind. "Sie müssen nicht jeden Paragrafen auswendig können", sagt er zur Klasse. "Aber Sie sollten wissen, was in etwa drinsteht."

Deutschland hat einen enormen Bedarf an Pflegekräften. Schon heute sind viele Stellen in Heimen und in ambulanten Hilfsdiensten unbesetzt. Da die Gesellschaft weiter altert, wird der Mangel an Fachkräften noch zunehmen - düstere Prognosen sehen in ein paar Jahren gar einen Fehlbetrag von einer halben Million Altenpfleger voraus. Um das Problem zu lösen, plant die Bundesregierung nun eine grundlegende Reform der Pflegeausbildung. Bislang gibt es drei unterschiedliche Ausbildungsgänge für Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpfleger.

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Einheitliche Ausbildung samt Spezialisierung

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An diesem Mittwoch will das Bundeskabinett in Berlin den gemeinsamen Gesetzentwurf von Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) und Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) beschließen. In drei Jahren sollen die ersten Auszubildenden nach dem neuen System lernen. Im Vergleich zu heute kostet es 320 Millionen Euro pro Jahr mehr - und bringt nach Ansicht der Ministerien fast nur Verbesserungen.

Wenn Susanne Gerber, die Leiterin der Münchner Altenpflegeschule, über die Reformpläne spricht, werden ihre Züge härter. Die gelernte Kinderkrankenschwester kennt alle Sparten der Branche. Für sie sind das "drei eigenständige Berufe", die man keinesfalls leichtfertig zusammenlegen dürfe. Zwar gebe es durchaus Stoff, den alle Pflegeschüler lernen müssten - Anatomie zum Beispiel oder die Lehre von bestimmten Krankheiten. Doch sei der Umgang mit einem Frühchen eben kaum vergleichbar mit der Aufgabe, einen schwer kranken Senior beim Sterben zu begleiten. Die Reform aus Berlin bewirke, so Gerber, dass Pfleger in Zukunft "von allem ein bisschen können und nichts so ganz".