Organspende Die Entscheidung hängt fast immer an den Angehörigen

Täglich müssen Menschen sterben, weil zu wenig Spenderorgane zur Verfügung stehen. Das liegt auch daran, dass in neun von zehn Todesfällen Hinterbliebene über eine Spende entscheiden müssen - und nicht wissen, welche Haltung der Verstorbene hatte.

Obwohl viele Deutsche Umfragen zufolge einer Organspende positiv gegenüberstehen, dokumentieren noch immer viel zu wenige ihre Haltung in Form eines Organspendeausweises. Das zwingt etliche Hinterbliebene dazu, über eine Spende der Toten zu entscheiden - gerade in einer Zeit, in der sie durch den Verlust belastet sind.

In neun von zehn Todesfällen, bei denen eine Spende in Frage käme, hat der Verstorbene seinen Willen nicht dokumentiert. Und wenn Angehörige sich unsicher sind, lehnen sie eine Spende häufig ab, wie aus den Zahlen der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) hervorgeht. Nur knapp sieben Prozent hatten 2011 ihre Entscheidung schriftlich hinterlegt, zum Beispiel mit einem Organspendeausweis. 28 Prozent hatten sich vor ihrem Tod zumindest mündlich geäußert.

In 42 Prozent der Fälle waren die Angehörigen bei ihrer Entscheidung auf den "mutmaßlichen Willen" des Verstorbenen angewiesen. In jedem vierten Fall gab es gar keinen Anhaltspunkt, ob der Tote für oder gegen Organspende war. "Die Ablehnungsrate ist mit über 40 Prozent am höchsten, wenn die Entscheidung alleine im Ermessen der Angehörigen liegt", erläutert die Stiftung. Die Folge: Täglich sterben Kranke, die man mit einem Spenderorgan hätte retten können.

Die Bereitschaft zur Organspende war in Deutschland 2010 im Vergleich zu den Vorjahren etwas gestiegen, 2011 allerdings wieder gesunken. Seit Jahren schwankt die Zahl der Spender zwischen etwa 1300 und 1200.

Im vergangenen Jahr haben sich Gesundheitsexperten aller Fraktionen im Bundestag gemeinsam mit Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) auf eine Neuregelung der Organspende geeinigt. Die Bereitschaft der Bürger zu einer Spende soll regelmäßig abgefragt werden, etwa mit dem Versand der Versichertenkarte. Die Details einer künftigen Regelung sind noch umstritten.