Nocebo-Effekt "Der Schaden durch Nocebos ist enorm"

"Der Schaden durch Nocebos ist enorm", sagt Manfred Schedlowski, Psychologe an der Uni Essen. "Viele Menschen nehmen Medikamente aus Angst vor Nebenwirkungen schon nicht mehr ein - Ärzte müssten besser darüber aufklären." Kaum ein Mediziner sage seinen Patienten, dass Pharmafirmen verpflichtet sind, jede Nebenwirkung, die aufgetreten ist, aufzulisten, "auch wenn es wahrscheinlicher ist, vom Blitz getroffen zu werden".

Die Autoren um Winfried Häuser schlagen daher vor, dass Ärzte im Aufklärungsgespräch betonen, wie verträglich eine Therapie ist. Statt zu erwähnen, dass fünf Prozent der Patienten Nebenwirkungen spürten, könne man schließlich auch sagen: "Die meisten Patienten vertragen das Medikament sehr gut."

Auch können Patienten zustimmen, dass sie nicht über jede harmlose Nebenwirkung informiert werden, wenn sie etwas verschrieben bekommen und nur aufgeklärt werden, wenn schwere oder irreversible Folgen drohen. Dieses Vorgehen wäre sogar der Gesundheit der Patienten zuträglich: 2011 ergab eine Untersuchung, dass Menschen, die ausführlich über lästige aber ungefährliche Nebenwirkungen einer Behandlung aufgeklärt wurden in der Folge auch häufiger unter genau jenen Nebenwirkungen litten.

Ärzte sollten nicht nur darauf achten, wie sie ihre Worte wählen, um negative Vorstellungen bei Patienten zu vermeiden ("Sie sind ein Risikopatient"). Sie können das Gespräch auch so lenken, dass der Patient bei einer kleinen Abweichung nicht sofort vermutet, schwer krank zu sein. Der Satz: "Sie haben im EKG einen Rechtsschenkel-Block", ist beispielsweise heikel, denn dass es sich dabei meist um eine harmlose Normvariante handelt, hört der Patient vor lauter Schreck oft nicht mehr. Manchmal ist es besser, dass Ärzte gar nichts sagen, statt den fragilen Gemütszustand, in dem sich viele Patienten ohnehin befinden, weiter zu erschüttern.