Etwa ein Drittel der verschriebenen Medikamente werden nicht geschluckt. Jeder dritte Patient nimmt seine Medikamente nicht, ältere Menschen sind besonders skeptisch.
Der erfahrene Hausarzt hat eine einfache Lösung gefunden, um seinen neuen Patienten die tägliche Tablettenlast zu erleichtern: "Jedes Medikament, das ich nicht kenne, streiche ich von der Liste", sagt der Doktor. "So wichtig wird es dann schon nicht sein. Und die Menschen tun sich leichter, wenn sie weniger Pillen schlucken müssen."
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Viele Patienten sind von der Dosieranleitung und Tagesverteilung der Medikamente überfordert. Gerade ältere Menschen kapitulieren oft vor zu komplexen Behandlungen. (© dpa)
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Schließlich ist die Treue zur Verordnung ein riesiges Problem. Etwa ein Drittel der in Deutschland verschriebenen Medikamente werden nicht geschluckt. Manchen Studien zufolge erreichen sogar mehr als 40 Prozent der Arzneimittel nie ihr Ziel. Sie landen im Müll oder in der Toilette statt im Magen der Patienten.
Ärzte wissen seit Jahrzehnten um die Schwierigkeit, dass Pharmaka von vielen Patienten als eine Art stille Reserve angesehen werden oder als Notfallmittel, falls sich ihr Zustand noch weiter verschlechtern sollte. Lange wurden die Patienten als zu undiszipliniert und widerspenstig gescholten, wenn ihre Compliance zu wünschen übrig ließ. So bezeichnen Ärzte die Bereitschaft der Patienten, den Anweisungen zu folgen.
Der Blick auf die Ursachen hat sich allerdings geändert. "Fehlende Compliance bedeutet auch, dass die Patienten andere Gewichtungen vornehmen als die Ärzte", sagt Michael Kochen, langjähriger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin.
Schließlich kann es auch am Arzt liegen, wenn der Patient nicht schlucken will, was er verordnet bekommen hat. Womöglich wurde ihm weder ausreichend der Schweregrad der Erkrankung vermittelt noch der Vorteil der Behandlung. Viele Patienten werden auch nicht genügend darüber aufgeklärt, wie sie die verschriebenen Mittel einnehmen sollten und sind von der Dosieranleitung und Tagesverteilung überfordert.
Gerade ältere Menschen kapitulieren oft vor zu komplexen Behandlungen. In einer Untersuchung in Chicago gab die Mehrzahl von 464 älteren Menschen an, sieben Medikamente zu sechs verschiedenen Zeiten zu nehmen (Archives of Internal Medicine, Bd.171, S.300, 2011).
Aus Angst vor Wechselwirkungen der Mittel machten es sich die Teilnehmer unnötig schwer. "Man muss Patienten sagen, welche Mittel sie zusammen nehmen können", sagt Studienleiter Michael Wolf. "Dann halten sie sich genauer an die Verordnung." Etliche Patienten nahmen die Medikamente zu verschiedenen Zeiten ein, wenn die Hinweise zwar identisch waren, ein Mittel jedoch mit Flüssigkeit zum Essen genommen werden sollte.
Auch die Angst vor Nebenwirkungen nimmt im Alter offenbar zu. In einer Studie mit 356 Senioren, die vorab online in den Archives of Internal Medicine veröffentlicht wird, gab die Mehrzahl an, vorbeugende Herz-Kreislauf-Mittel nicht nehmen zu wollen, weil sie mit Nebenwirkungen einhergingen.
"Ärzte müssen den Nutzen einer Medikation stärker betonen und die Argumente dafür und dagegen mit den Patienten besser abwägen", sagt die Altersmedizinerin Terri Fried von der Yale University. "Sonst überwiegt die Wahrnehmung der Nebenwirkungen und hält die Menschen von der Einnahme ab, sogar wenn es sich dabei nur um Übelkeit und Erschöpfung handeln sollte."
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(SZ vom 01.03.2011/mcs)
DFB-Pleite gegen die Schweiz
In Deutschland hat die niedergelassene Ärzteschaft in jahrzehntelanger Kleinarbeit die Menschen dazu erzogen , durchschnittlich 19 Mal (oder sind es nur 18 ? oder 25 ?) im Jahr eine Arztpraxis zu frequentieren (weltweiter Spitzenwert ! ) . Die Folge : die 5-Minuten-Medizin . Weitere "Neben"folge : - für die "Patienten" ist der Arztbesuch nur dann "erfolgreich" (weil berechtigt ,,,) , wenn sie mit einem Rezept die Arztpraxis verlassen . Für die Ärzte sind die Rezepte auch wichtig , weil sie die von Pharmafirmen teilweise honoriert bekommen . Für BigPharmafia wären 1/3 weniger Verschreibungen ein herber Gewinneinbruch . Und unsere "Volksvertreter" sorgen dafür , dass alles im wesentlichen so bleibt wie es ist : BigPharmafia ist spendabel ...
schluckte vor Jahren am tag 18 verschiedene Medikamente ... und es ging ihr nicht gut. Dann starb ihr Hausarzt - ob an Medikamentenmissbrauch ist nicht überliefert - und der Praxisnachfolger schaute sich das alles an, warf 17 Pillenarten weg und ließ ihr die gegen den Alterszucker. Schon am Abend ging es ihr besser.
Kuni
Ich denke, es liegen mehrere Ursachen zugrunde:
1. Die für eine Zulassung vorgeschriebenen Tests und Studien werden nur mit jungen, gesunden, meist männlichen Teilnehmern gemacht. Alles andere "verfälscht" die Ergebnisse zu sehr und verteuert die Entwicklung. Damit sind die Dosierungsempfehlungen für den größten Teil der Bevölkerung falsch. Kinder haben einen schnelleren Stoffwechsel und sind daher oft unterdosiert, Frauen aufgrund des geringeren Gewichts und ältere Menschen aufgrund des langsameren Stoffwechsels oft überdosiert. Überdosiert ist natürlich fatal, denn "die Dosis macht, das ein Ding ein Gift sey" (Paracelsus). Habe ich gerade bei meiner Schwiegermutter erlebt, die ihre Medikamente sehr gewissenhaft einnimmt.
2. Die Ärzte sprechen unverständliches Fachchinesisch wie schon mehrfach erwähnt.
3. Patienten fragen zu selten nach, wenn sie was nicht verstehen.
4. Patienten, speziell Männer erleben das Medikamente nehmen müssen als eine Kränkung (sic!) ihres Selbstwertgefühls nach dem Motto: sowas brauche ich doch nicht! Das gilt umso mehr, wenn sie bis ins hohe Alter rüstig waren und nichts nehmen mussten.
Schön fand ich den Hinweis eines Arztes bei der Behandlung meines lungenkranken Onkels: "entweder Cortison oder die Radieschen von unten anschauen. Sie haben die Wahl". Das ist mindestens 10 Jahre her und er nimmt seine Medikamente bis heute gewissenshaft...
Also, beim Arzt hartnäckig nachfragen und das Medikament als ein Hilfs- und evtl. auch Überlebensmittel annehmen. Dann klappts auch mit Dauermedikation.
Kennt hier jemand noch einen Arzt, der sich tatsächlich Zeit nimmt, mit dem Patienten zu reden und auch auf Ängste und Vermutungen eingeht?
Also ich nicht... ist ja auch "kein Geld für da". Kein Wunder, dass es zu passivem Widerstand kommt. Dumm nur, dass dadurch noch weniger Geld in den Kassen ist.
Ein Teufelskreis.
... oder unerwünschten wirkungen ist durchaus berechtigt; wie war das mit lipobay? und andere hochgelobte und vielverschriebene blutdrucksenker, die beinahe meine mutter getötet hätten. selbst das deutsche arzneimittelrecht bietet keinen schutz vor der schlamperei und gier der pharmariesen; und einen venünftigen ausgleich, wenn ein schaden entstanden ist, kann man auch nicht erwarten, soviel geld und luft hat keiner um das gegen einen konzern durch alle instanzen zu fechten.
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