Malaria Resistente Erreger an den Grenzen Indiens

Eine Malaria-Patientin in Indien. Noch lässt sich die Tropenkrankheit dort mit den Standardmedikamenten gut behandeln. Die Frage ist, wie lange noch.

(Foto: dpa)

In alarmierendem Tempo breiten sich resistente Malaria-Erreger in Südostasien aus. Sie scheinen einen Weg zu nehmen, der schon einmal verheerende Folgen hatte.

Von Berit Uhlmann

Mindestens fünf Länder Südostasiens sind bereits von der resistenten Malaria betroffen, nun scheint auch Indien in Gefahr. In Nordwesten Myanmars, kurz vor der Grenze zu Indien, entdeckten Forscher jene Erreger, gegen die das Standardmedikament Artemisinin nur schlecht oder nicht mehr hilft (Lancet Infectious Diseases, online).

Die Wissenschaftler hatten Blutproben von mehr als 900 Malaria-Patienten in 55 Orten Myanmars untersucht. In 39 Prozent der Proben entdeckten sie Erreger mit Mutationen, die sie unempfindlich gegen Artemisinin machen. Die geografische Verteilung der Funde spricht dafür, dass die Resistenzen immer weiter gen Westen vordringen. Sie reichen bis zur Stadt Homalin, die nur 25 Kilometer von der Grenze zu Indien entfernt ist.

Die resistenten Erreger wurden erstmals vor zehn Jahren in Kambodscha festgestellt. Die Geschwindigkeit, mit der sie sich seither ausbreiten, "ist alarmierend", warnt Philippe Guerin, einer der Autoren des Artikels. Sie übertreffe das Tempo, mit dem neue Kontroll- und Behandlungsmethoden eingeführt werden können.

Bislang sind in Indien keine unempfindlichen Erreger dokumentiert wurden, doch die Resistenzen scheinen einen Pfad zu beschreiten, der den Forschern nur allzu bekannt ist. Denn bereits in den 1970er Jahren verlor das damalige Standardmedikament Chloroquin seine Schlagkraft gegen die Malaria-Parasiten. Die Resistenzen nahmen den Weg aus Südostasien über Myanmar nach Indien und von dort nach Afrika. Diese Entwicklung kostete Millionen Afrikanern das Leben. Sie trug dazu bei, dass die von der Weltgesundheitsorganisation WHO initiierte Ausrottung der Malaria fehlschlug.

Ein ähnliches Szenario fürchten Wissenschaftler auch jetzt. Afrika ist die Hochburg der Malaria. Von den fast 600 000 Menschen, die 2013 an der Tropenkrankheit starben, waren 90 Prozent Afrikaner. Versagt der Chloroquin-Nachfolger Artemisinin hier, könnte das Wechselfieber Millionen weitere Opfer fordern.