Kosmetika BUND warnt vor "Chemie-Cocktail"

In vielen Kosmetikprodukten stecken hormonell wirksame Substanzen, warnt der BUND

(Foto: dpa-tmn)

Etliche Mittel zur Körperpflege enthalten hormonell wirksame Chemikalien. Sonnencreme, Shampoo, Bodylotion, Zahnpasta oder Lippenstift - zusammengenommen könnten die Kosmetika gefährlich werden. Der Bund Naturschutz weist auf ein erhöhtes Krebsrisiko und Probleme für Kleinkinder hin.

Viele Kosmetikprodukte enthalten Stoffe, die ähnlich wie Hormone wirken. Das zeigt eine Studie des Bundes für Naturschutz Deutschland (BUND). Damit gefährdeten die Mittel möglicherweise die Gesundheit der Verbraucher.

Mehr als 62.000 Produkte hat der Bund auf 16 Inhaltsstoffe überprüfen lassen, die in Tierversuchen ihre Hormonwirkung gezeigt haben. Eine chemische Analyse war dafür nicht notwendig. Schließlich müssen die Unternehmen angeben, was sie verwenden. Der Schweizer Verein Codecheck.info hat für zehntausende Produkte die Inhaltsstoffe aufgelistet. Und für den BUND haben die Schweizer die Kosmetika-Informationen in ihrer Datenbank nun durchsucht.

Wie der BUND berichtet, wurde der Verein bei fast jedem dritten Artikel fündig. 15 der 16 gesuchten Substanzen kommen in den Produkten vor. Vor allem bestimmte Konservierungsmittel, Parabene, sind demnach weit verbreitet. Sie sollen das Wachstum von Mikroorganismen wie Bakterien verhindern, wirken aber ähnlich wie das weibliche Sexualhormon Östrogen und können offenbar über die Haut in den Körper eindringen.

Sorgen bereiten dem BUND die Substanzen, weil sie das Risiko für verschiedene Formen von Krebs erhöhen und sich schädlich auf die Entwicklung von Kleinkindern und Ungeborenen auswirken können. Auch gelten sie als eine Ursache für den Rückgang der Spermienqualität.

Zwar wurden die gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte in den einzelnen Produkten nicht überschritten. Doch zum einen sind in jedem fünften Produkt gleich mehrere solcher Stoffe enthalten. Zum anderen verwenden Verbraucher an einem einzigen Tag häufig eine ganze Reihe von Kosmetika - von Duschgel, Gesichtscreme, Shampoo, Seife über Haarwachs, Rasierschaum, Sonnenschutzmittel bis zu Zahnpasta, Lippenstift und Wimperntusche. Es ist also ein ganzer "Cocktail" von Chemikalien, dem wir unseren Körper aussetzen. Und in der Kombination könnten die Mengen doch gefährlich sein, warnt die Autorin der Studie, Sarah Häuser.

Das will man auch beim Umweltbundesamt (UBA) nicht ausschließen. Solche Cocktaileffekte seien bislang nicht wissenschaftlich untersucht, sagte Andreas Gies vom Umweltbundesamt Zeit online. "Das ist ein ganz grundsätzliches Problem des Chemikalienrechts."

Bei den Marktführern von Kosmetika traten hormonell wirksame Substanzen am häufigsten in Produkten der Firmen Beiersdorf und Procter & Gamble (jeweils 46 Prozent), L'Oréal (45 Prozent) und Cosnova (44 Prozent) auf. Bei Artikeln von Coty, Henkel, Rossmann und Mibelle lag der Anteil zwischen 39 und 22 Prozent der Kosmetikartikel.

Spitzenreiter war die Firma Basler Haar-Kosmetik mit 72 Prozent. Aber auch Hersteller aus dem Hochpreissegment waren dem BUND zufolge stark betroffen. So enthielten 66 Prozent der Produkte von Chanel und 50 Prozent bei Shiseido die gesuchten Chemikalien. Bei Unilever respektive dm war der Anteil mit 19 bzw. 17 Prozent dann nur noch relativ klein.

Es geht auch ohne

Dass es aber auch ganz ohne solche Chemikalien geht, zeigen die großen Naturkosmetik-Firmen alva, Laverana, Logocos, Martina Gebhard und Weleda. Bei ihnen fanden die Schweizer keine der gesuchten Substanzen.

Einige der vom BUND kritisierten Unternehmen weisen die Vorwürfe von sich. So erklärte Beiersdorf in einem Brief an Zeit online, Parabene seien besonders wirkungsvolle Konservierungsstoffe und gleichzeitig gut verträglich. Befürchtungen, sie würden Krebs verursachen oder die Fortpflanzung beeinträchtigen, hätten sich als unbegründet erwiesen. Ähnlich äußerte sich Procter & Gamble.

Dem BUND zufolge ist es jedoch gar nicht notwendig, auch nur das Risiko einzugehen, das von den Substanzen ausgeht. Denn es gibt etwa zu den Parabenen Alternativen. Immer mehr Hersteller würden ihre Produkte als "frei von Parabenen" bewerben, heißt es im Bericht der Organisation. "In Dänemark verzichteten viele Hersteller nach Protesten von Verbraucherschutzorganisationen auf Parabene und andere hormonell wirksame Stoffe. Insbesondere Drogeriemärkte und andere Einzelhandelsketten reagierten dort und stellten ihre Produktion um."

Auch bei den UV-Filtern in Sonnenschutzmitteln gebe es die Möglichkeit, auf die hormonell wirksamen Substanzen zu verzichten. Statt chemische Filter wie OMC zu verwenden, könnte auf mineralische Filter wie Titandioxid oder Zinkoxid zurückgegriffen werden - zumindest bei gesunder Haut.

Für die Kosmetikindustrie geht es dem BUND zufolge um ein "Riesengeschäft". Schließlich lagen die Ausgaben für Körperpflege- und Kosmetikprodukte in Deutschland 2012 bei 12,9 Milliarden Euro. "Wer so viel Umsatz generiert, sollte auch in der Lage sein, sichere Produkte anzubieten", schreibt Häuser. "Wir erwarten von den Kosmetikherstellern, dass sie Verantwortung übernehmen und nicht warten, bis hormonell wirksame Substanzen durch die Politik verboten werden."

Damit sich Kunden möglichst leicht darüber informieren können, ob Produkte hormonell wirksame Substanzen enthalten, hat der BUND mit ToxFox eine App für iPhone und iPad entwickelt. Für die entsprechende Auskunft muss lediglich der Strichcode auf einer Verpackung eingescannt werden. Bislang funktioniert das für mehr 60.000 Artikel, derzeit allerdings nur mit dem Betriebssystem iOS. Auskunft erhält man auch über bund.net/toxfox.