Kohlenmonoxid-Vergiftung Gefährliche Glut

Wenn Holzkohle verglüht, wird viel CO freigesetzt. Das Gas ist farb- und geruchlos.

(Foto: dpa)

Die Deutschen grillen leidenschaftlich gerne - zur Not auch im Innenraum. Das ist keine gute Idee: Jedes Jahr erleiden Tausende Menschen eine Kohlenmonoxid-Vergiftung.

Von Felicitas Witte

Ganz klar - die beiden sind betrunken. Der Notarzt sieht die Schnapsflaschen und das asiatisch aussehende Pärchen, das schläfrig im Sofa der Mietwohnung hängt. "Was die wohl für Fusel getrunken haben", sagt der Arzt zu seinem Kollegen, dann starten sie rasch ihr Erste-Hilfe-Programm. Der Blutdruck ist halbwegs normal, aber die beiden atmen nicht mehr gut. Die Ärzte intubieren den Mann und die Frau, dann geht es mit Blaulicht in die Uniklinik in Nürnberg. "Unklare Bewusstlosigkeit, vermutlich Alkohol", rufen die Ärzte ihrem Chef Michael Christ zu, dem Leiter der Notaufnahme.

Der Assistent nimmt Blut ab, und als Christ kurze Zeit später den Laborzettel sieht, traut er seinen Augen nicht: Beide haben 42 Prozent Kohlenmonoxid im Blut - eine nahezu tödlich hohe Konzentration! "Dass das Ehepaar noch lebte, war ein Wunder", erinnert sich Christ. Rasch lässt er das Paar auf die Intensivstation bringen und mit Sauerstoff-Überdrucktherapie behandeln.

Sie wollten sich doch nur etwas wie zu Hause in Vietnam fühlen, erzählt ihm die Schwester der Frau, deshalb hätten sie heute Abend gegrillt. Weil es auf dem Balkon aber so kühl war, hätten sie den Blecheimer mit dem Rost ins Wohnzimmer gestellt. Sie selbst und ihre achtjährige Tochter hatten Glück gehabt: Sie hielten sich so weit weg vom Grill auf, dass sie nur etwas schläfrig wurden.

Axel Hahn, Toxikologe am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), schätzt, dass sich pro Jahr mehr als 3000 Leute mit CO vergiften und etwa 1000 Menschen daran sterben. "Wie viele es wirklich sind, wissen wir nicht, weil es in Deutschland kein Vergiftungsregister gibt", sagt er. Sorgen macht ihm, dass es immer mehr zu werden scheinen.

"Das hat vor allem mit dem geänderten Freizeitverhalten zu tun. Die Leute wollen grillen - egal, bei welchem Wetter. Spielt das nicht mit, wird drinnen gebrutzelt." Doch selbst wenn man Fenster, Türen oder auch das Garagentor zum Lüften öffnet, können CO-Konzentrationen entstehen, die zum Tod führen. Diese Gefahr besteht auch bei Geräten, die als sogenannte "Indoor-Grills" beworben werden, obwohl sie mit glühender Holzkohle heizen. "Wir versuchen schon seit Jahren, gegen solche Werbung vorzugehen", sagt Hahn. "Leider wird das Risiko immer wieder ignoriert."