Hoffnung für Zuckerkranke Hungern gegen Diabetes

Selbst wer schon jahrelang unter Diabetes vom Typ 2 leidet, kann die Krankheit offenbar stoppen. Der Weg dahin ist allerdings ausgesprochen unangenehm: extreme Diät.

Von Christina Berndt

Mit der Diagnose Diabetes geht ein ganzes Bedrohungsszenario einher. Langfristig drohen Schäden an Gefäßen und Nerven, kurzfristig sinkt zumindest die Lebensqualität: Wer erfährt, dass er zuckerkrank geworden ist, der kann sich darauf einstellen, regelmäßig seinen Blutzuckerspiegel zu messen sowie verschiedene Tabletten einnehmen oder auch Insulin spritzen zu müssen. Und das für den Rest seines Lebens.

Doch es gibt einen Ausweg, wie eine neue Studie aus Großbritannien unterstreicht (Diabetologia, online). Zuckerkrankheit vom Typ 2 muss kein Lebenslänglich bedeuten; sie lässt sich umkehren. Allerdings ist der Weg dahin nicht nur kein Zuckerschlecken, sondern ausgesprochen unangenehm: Acht Wochen lang nahmen die elf Teilnehmer der britischen Studie täglich nicht mehr als 600 Kalorien zu sich. Das war eine echte Hungerkur, während der ausschließlich Diätdrinks und nicht-stärkehaltige Gemüse erlaubt waren.

Im Anschluss aber waren sieben von ihnen sozusagen geheilt: Ihre Bauchspeicheldrüse hatte die Insulinproduktion wieder aufgenommen, die sie zuvor eingestellt hatte; auch reagierte die Leber wieder auf das Hormon, das sie zu ignorieren begonnen hatte. Dies galt auch noch, als die Fastenden schon wieder drei Monate lang normal (aber nicht übermäßig) gegessen hatten.

Längst ist bekannt, dass jeder zweite Patient, der bald nach der Diagnose zehn Kilo abnimmt, wieder gesund wird. Der Diabetes sei dann meist auf Dauer besiegt - sofern die Betroffenen nicht bald wieder beträchtlich an Gewicht zulegen, sagt Martin Reincke, Hormonspezialist an der Universität München.

Das Besondere an der britischen Studie aber ist: Die Teilnehmer waren nicht erst in jüngster Zeit zuckerkrank geworden, manche litten seit vier Jahren unter Diabetes.

"Auch wer schon länger zuckerkrank ist, kann die Dinge offenbar noch wenden", sagt Reincke. "Als Therapie kann man eine solche extreme Kalorienreduktion trotzdem nicht so einfach empfehlen." Eine Hungerkur müsse unbedingt ärztlich begleitet werden, und schließlich gehöre auch ein starker Wille dazu.

Hilfreich aber wäre sie wohl für die allermeisten Patienten. Oder, wie es Edwin Gale von der University of Bristol ausdrückt: Diabetes ließe sich gänzlich ausrotten, "wenn wir nur ab morgen das Essen rationieren würden".