Hausgeburten Gut für die Mutter - riskant für das Kind

Hausgeburten ersparen Frauen eine Reihe von medizinischen Eingriffen. Doch das Sterberisiko der Neugeborenen ist offenbar dreimal höher als in der Klinik.

Ihr Kind im Kreise der Familie und den eigenen vier Wänden zur Welt zu bringen, gibt vielen Frauen während der Geburt nicht nur ein Gefühl der Sicherheit. Die häusliche Umgebung wirkt sich auch auf die Gesundheit der Mütter positiv aus.

Bei Hausgeburten ist das Sterberisiko für die Neugeborenen offenbar dreimal höher als bei einer Geburt in der Klinik.

(Foto: AP)

Für Neugeborene jedoch stellt eine Hausgeburt offenbar ein Risiko dar. Das berichten US-Wissenschaftler in der Fachzeitschrift American Journal of Obstetrics & Gynecology. Das Forschungsteam um Joseph R. Wax von der Abteilung für Geburtenhilfe und Gynäkologie des Maine Medical Centers in Portland hat mehrere Studien über Hausgeburten zusammengefasst.

Insgesamt werteten die Wissenschaftler Daten von 342.056 Hausgeburten sowie 207. 551 Entbindungen in Krankenhäusern aus.

Dabei fanden sie heraus, dass eine Hausgeburt für werdende Mütter tatsächlich das Beste zu sein scheint: Sie bekommen weniger Schmerzmittel verabreicht und es werden deutlich weniger Damm- oder Kaiserschnitte vorgenommen als im Krankenhaus. Zudem sind die Frauen seltener von Infektionen betroffen und erleiden weniger Verletzungen im Genitalbereich. Auch die Zahl der Frühgeburten und der Säuglinge mit Untergewicht ist bei Hausgeburten geringer.

Doch die Forscher warnen: Das Sterberisiko der Neugeborenen ist dreimal höher als bei einer Entbindung im Krankenhaus.

So starben mehr Kinder, die zu Hause zur Welt gebracht wurden, an Atemnot während der Geburt sowie nach fehlgeschlagenen Wiederbelebungsversuchen. Ursache ist nach Einschätzung der Wissenschaftler das Fehlen medizinischer Fachkräfte während der Geburt sowie der nötigen technischen Ausrüstung für Wiederbelgebungsmaßnahmen.

"Unsere Ergebnisse werfen die Frage auf, ob es eine Verbindung zwischen der erhöhten Sterblichkeit bei Hausgeburten und den unzureichenden Maßnahmen zur Geburtenhilfe in dieser Gruppe gibt", sagt Wax.

Diese Ergebnisse bestätigen eine kürzlich veröffentlichte US-Studie. Auch diese hatte gezeigt, dass Säuglinge, die zu Hause geboren werden, häufiger wiederbelebt werden müssen als Neugeborene im Krankenhaus.

Die Daten lassen sich allerdings nicht für alle werenden Mütter verallgemeinern. Denn Frauen, die eine Hausgeburt wählten, hätten häufig von vornherein ein niedriges Komplikationsrisiko, erklärte Wax.

Professor Sir Sabaratnam Arulkumaran, der Vorsitzende des Royal College of Obstetricians and Gynaecologists, betonte in der britischen Zeitung Guardian, er rate Frauen, die ihr Kind im eigenen Heim zur Welt bringen wollen, zu zwei Hebammen - eine für die Mutter und eine für das Kind. Diese sollten sich zudem gut mit Wiederbelebungsmaßnahmen auskennen.

"Wenn dieses System eingeführt wird [...], dann ist eine Hausgeburt für Frauen mit einem geringen Geburtsrisiko eine Alternative", sagt Arulkumaran.

Allerdings sollten die Frauen bedenken, dass jede dritte Mutter bei ihrer ersten Hausgeburt anschließend zur Schmerzbehandlung doch in ein Krankenhaus verlegt werden müsse.