Fragwürdige Produkte zum Schutz gegen Strahlung Elektrosmog-Messgeräte taugen nichts

"Das ist ein Riesengeschäft", sagt Heinz Oberhummer, "man bedruckt Folie für ein paar Cent und verkauft sie als Wundermittel für ein Vielfaches." Der emeritierte Professor für theoretische Physik beschäftigt sich damit, Parawissenschaften als das zu entlarven, was sie sind: Unsinn.

Der AlphaPrevent-Aufkleber ist nur eines von unzähligen ähnlichen Produkten. Andere heißen Biophone, E-MuneChip, Isis-Ray-Harmony-Chip oder Phi-Lambda-Technology und sind nichts als Amulette, denen magische Eigenschaften unterstellt werden. Selbst Wasser verkaufen Anbieter an Kunden, die sich vor Elektrosmog fürchten, und orakeln dabei von rechtsdrehenden Energien oder Blockaden im Meridiansystem. Gemein sei den meisten Produkten, dass sie mit "Begriffen aus der Wissenschaft um sich schmeißen", sagt Oberhummer. Diese Masche ist in der Esoterikszene beliebt, überall wird von Schwingungen, Energien oder Frequenzen geraunt, das hört sich wichtig an und beeindruckt.

Auch die Homöopathie hat das Geschäftsfeld erschlossen. So bietet die Firma Homeda Elektrosmog C30 Globuli an. Für deren Herstellung wird eine Trägersubstanz wie Wasser oder Alkohol mit elektromagnetischen Wellen in verschiedenen Frequenzbereichen bestrahlt. Irgendwie soll sich die Flüssigkeit die Behandlung merken. Dabei ist das Gedächtnis von Wasser ein ebenso verbreitetes wie unbewiesenes Konzept der Homöopathie.

Die mit 1,3 bis 30 Megahertz und anderen Frequenzbereichen behandelte Ausgangsflüssigkeit wird 30 Mal in einem Verhältnis 1 zu 100 verdünnt. Das Ergebnis - also nichts als Wasser oder Alkohol - wird dann auf Zuckerkügelchen aufgetragen und für etwa 13,50 Euro je zehn Gramm verkauft. Der gewissenhafte Globuli-Gläubige kann zusätzlich einen Schutzbeutel erwerben. Die Textiltüte mit dem eingestickten Schriftzug "Homöopathie" schirme 99,9 Prozent der Strahlung ab, verspricht der Hersteller und raunt: "Wussten Sie schon, dass homöopathische Produkte durch Mobilfunkstrahlung negativ beeinflusst werden können?"

Nicht alle Produkte sind physikalisch unplausibel. In einer Stellungnahme des Bundesamts für Strahlenschutz heißt es, Matten mit leitfähigen Materialien wie Metallen könnten manche Felder abschirmen. Einige Matten jedoch könnten die Felder sogar verstärken. Und wegen der "zweifelhaften Wirksamkeit solcher Abschirmmatten" seien diese Produkte generell nicht zu empfehlen. Die Verbraucherzentrale warnt hingegen vor Elektrosmog-Messgeräten. Diese funktionierten zwar, aber die Messbereiche seien meist zu grob. "Die gelieferten Daten sind deshalb völlig nutzlos", warnen die Verbraucherzentralen. Wer mit so einem Gerät zu Hause auf die Pirsch nach Strahlung gehe, werde wahrscheinlich hochgradig beunruhigende Ergebnisse erzielen. Die Geräten blinken oder knarzen und erzeugen beim Benutzer vor allem Angst.

Diese Produkte sind nicht harmlos", sagt Oberhummer, "sie erinnern die Menschen ständig daran, dass sie vor etwas Unsichtbarem Angst haben müssen, das kann krank machen." Tatsächlich entwickeln elektrosensible Menschen echte Leiden. Doch statt des Elektrosmogs könnte der Nocebo-Effekt die Ursache sein. Er ist das Gegenstück des Placebo-Effekts.

Darauf lässt eine Studie schließen, die im 2007 im Fachblatt Environmental Health Perspectives erschien: In der Nähe eines Mobilfunkmastes litten die Probanden an Symptomen wie Übelkeit oder Kopfschmerzen - auch wenn die Sendeanalage abgeschaltet war. Entscheidend war nur, ob die Probanden sich als elektrosensibel bezeichneten oder nicht.