Ermittlungen im Organspende-Skandal Oberarzt weist Vorwürfe zurück

Der Hauptbeschuldigte im Organspende-Skandal weist alle Vorwürfe von sich: Er habe weder Laborwerte manipuliert, noch Geld für Vorzugsbehandlungen angenommen, lässt der Oberarzt seinen Anwalt mitteilen. Immer mehr Kritiker stellen das deutsche Organspende-System grundsätzlich infrage.

Im Organspende-Skandal von Göttingen und Regensburg hat der Anwalt des Hauptbeschuldigten alle Vorwürfe zurückgewiesen. "Mein Mandant hat keine Laborwerte manipuliert", sagte der Verteidiger dem Magazin Focus. Der Oberarzt steht im Verdacht, zuerst in Regensburg und später in Göttingen Krankenakten gefälscht zu haben.

Damit den Patienten schneller eine neue Leber implantiert wurde, soll der Arzt die Erkrankung auf dem Papier verschlimert haben - obwohl andere das Organ vielleicht nötiger gehabt hätten. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt. Es besteht der Verdacht, dass der Mediziner für die Vorzugsbehandlung Geld nahm. Anwalt Stern widersprach auch dieser Behauptung: "Dass Geld geflossen sein soll, wird sich nicht bewahrheiten."

Der Korruptionsverdacht beruht auch auf einer angeblichen Überweisung vom Privatkonto des Beschuldigten. Der Oberarzt soll für einen ausländischen Patienten 2011 eine Pauschale an die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) überwiesen haben.

Indes spinnt sich die Debatte um Organspenden weiter: Der Münchner Herzchirurg Bruno Reichart macht das medizinische System in Deutschland für den Skandal mitverantwortlich. "Die Ärzte werden zu sehr nach ihrer Wirtschaftlichkeit beurteilt. Die Vorfälle an den Uni-Kliniken in Regensburg und Göttingen sind nur die Spitze des Eisbergs", sagte der ehemalige Direktor der Herzchirurgischen Klinik Großhadern in München der Nachrichtenagentur dapd. Reichart gilt als Koryphäe auf dem Gebiet der Herztransplantation.

Die Organspendenaffäre sei die Folge einer "Schieflage", sagte Reichart. Wegen des gängigen Bonussystems würden Ärzte nur noch nach der Anzahl der behandelten Patienten, nicht aber nach der Qualität ihrer Arbeit beurteilt. Wenn Ärzte nur die Steigerung ihrer Fallzahlen im Blick hätten, sei der Missbrauch vorprogrammiert. Besonders auf dem Gebiet der Organtransplantation sei das gefährlich. Reichart schlug außerdem vor, die Transplantationspraxis bundesweit auf einige wenige Ballungszentren zu beschränken. Auf diese Weise könnten die Kliniken effektiver arbeiten und die Organvergabe könne so besser kontrolliert werden.

Reichart erforscht seit kurzem mit der Ludwig-Maximilans-Universität in München eine mögliche Alternative zur Organspende, die Xenotransplantation. Dabei sollen tierische Gewebe und Organe auf den Menschen übertragen werden. Tierschützer kritisierten die dazu notwendigen Tierversuche.