Epidemie von Magen-Darm-Erkrankungen Norovirus in Proben nachgewiesen

Mehr als 8300 Kinder und Jugendliche in Ostdeutschland leiden unter Brechdurchfall. Inzwischen gibt es erste Hinweise auf die Ursache: In mehr als 20 Fällen wurde das hochansteckende Norovirus nachgewiesen. Die Suche nach dem Auslöser der Krankheitswelle geht aber weiter.

In 23 Fällen ist bisher das hochansteckende Norovirus als Verursacher des Magen-Darm-Infekts nachgewiesen worden. Die Behörden haben aber Zweifel, damit bereits den Auslöser der Krankheitswelle in Ostdeutschland ausgemacht zu haben.

(Foto: dapd)

Das hochansteckende Norovirus könnte für die massenhaften Magen-Darm-Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen in Ostdeutschland verantwortlich sein. Bei 16 Kindern in Sachsen ist jetzt eine Infektion mit dem Norovirus nachgewiesen worden, sagte ein Sprecher des Dresdner Sozialministeriums. Auch in Thüringen sind bislang sieben Fälle bekannt, bestätigte das Landesamt für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz. Das Norovirus führt zu Durchfall und Erbrechen und geht oft mit Schmerzen, Übelkeit und Fieber einher.

Die Thüringer Behörden gehen jedoch davon aus, dass es noch andere Ursachen für die gehäuften Erkrankungen geben muss. Auch in Dresden möchte man sich noch nicht festlegen: Für eine Festlegung auf das Virus als Ursache für den Massenausbruch sei es laut dem Sprecher des Dresdner Sozialministeriums noch zu früh. Weiterhin würden Stuhl- und Lebensmittelproben untersucht.

Das Robert Koch-Institut (RKI) wollte dazu keine Einschätzung geben. "Wir müssen nicht jedes Laborergebnis kommentieren", sagte Sprecherin Susanne Glasmacher in Berlin. Der Berliner Infektionsschutzbeauftragten Marlen Suckau zufolge standen als Auslöser der Infektionswelle zwei Thesen im Raum: Noroviren oder ein Giftstoff.

Von der Erkrankungswelle sind in fünf ostdeutschen Bundesländern bislang 8365 Menschen betroffen, vor allem Schüler und Kindergartenkinder sowie einige Pädagogen. Die Einrichtungen wurden alle von demselben Caterer beliefert. Das Catering-Unternehmen Sodexo wies eine Mitverantwortung aber zurück. Es gebe "nach wie vor keinen logischen Zusammenhang zwischen den Lieferanten und den aufgetretenen Krankheitsfällen", die auf Essenslieferungen als Ursache hindeuteten, erklärte das Unternehmen am Freitag in Rüsselsheim. Nur bei einem geringen Teil der belieferten Einrichtungen seien Erkrankungsfälle aufgetreten. Die zuvor bereits angewiesenen erhöhten Hygienemaßnahmen würden aber vorläufig beibehalten.

In den meisten Fällen verlief die Krankheit ohne größere Komplikationen. Nur wenige Patienten mussten stationär behandelt werden. Drei der vier Kinder, die in den vergangenen Tagen im Krankenhaus behandelt werden mussten, konnten inzwischen wieder entlassen werden.

Der Bund und die betroffenen Länder richteten eine "Task Force" unter Federführung des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ein, wie das Bundesverbraucherschutzministerium am Freitag mitteilte. Die Experten werten Speisepläne aus den Kantinen, Essensproben, Lieferwege und Laborergebnisse aus. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) erklärte, Ziel müsse es sein, die Ursache der Erkrankungen schnellstmöglich zu finden und zu verhindern, dass der Erreger weiter in die Lebensmittelkette gelangt.