Demenz-Risiko Verlassen und vergesslich

Einsamkeit geht möglicherweise mit einem erhöhtem Demenz-Risiko einher. Entscheidend ist allerdings nicht die Zahl der Sozialkontakte, sondern ob sich die Menschen einsam fühlen.

Von Christian Weber

Das Gefühl der Einsamkeit erhöht womöglich das Risiko, an Alzheimer zu erkranken. Das berichtet ein Forscherteam um Tjalling Jan Holwerda von der medizinischen Fakultät der Freien Universität Amsterdam im Fachmagazin Journal of Neurology, Neurosurgery and Psychiatry (online).

Die Studienautoren hatten im Rahmen der sogenannten Amstel-Studie (Amsterdam Study of the Elderly) 2173 ältere Menschen drei Jahre lang begleitet, von denen ungefähr die Hälfte allein lebte. Zu Beginn des Zeitraumes hatte noch keiner der Probanden Ausfallerscheinungen gezeigt, am Ende hatten 9,3 Prozent der Alleinstehenden eine Demenz entwickelt, aber nur 5,6 Prozent derjenigen, die noch mit anderen Menschen zusammenlebten.

Dieser auf den ersten Blick eindeutige Befund musste jedoch bei einer genaueren Analyse differenziert werden. Denn es zeigte sich, dass nicht die reine Zahl der Sozialkontakte die entscheidende Variable ist, sondern die Frage, ob sich die Menschen einsam fühlen. Diese Gruppe hatte ein um 64 Prozent erhöhtes Demenzrisiko. Umgekehrt hatten auch Menschen mit Partner und Sozialkontakten ein erhöhtes Risiko, wenn sie sich dennoch einsam fühlten.

"Diese Resultate lassen vermuten, dass das Gefühl der Einsamkeit allein zu einem erhöhten Demenzrisiko im Alter führt", schreiben die Autoren. Dabei gestehen auch sie ein, dass die Kausalität noch nicht ganz geklärt ist. So könnte es auch sein, dass eine beginnende Demenz die sozialen Fähigkeiten und die Gefühlslage verändert. Das Einsamkeitsgefühl wäre dann eher ein Symptom als ein weiterer Risikofaktor für Alzheimer.

Es bleibt wohl dabei, dass neben einer genetischen Anfälligkeit, Depression und geschwächter Kognition das Alter der größte Risikofaktor für Demenzen bleibt.