Alter Vier Kriterien sagen die Lebenserwartung voraus

Frausein und schnell denken zu können sind gute Voraussetzungen für ein langes Leben.

(Foto: AFP)

Forscher haben untersucht, wie sich die verbleibenden Lebensjahre am besten bestimmen lassen: Langlebigkeit scheint Kopfsache zu sein.

Von Christian Endt

Wer wüsste nicht gerne, wie viel Zeit ihm noch bleibt? Anhand einer großen Langzeitstudie haben Forscher untersucht, wie sich die restliche Lebenszeit statistisch am besten vorhersagen lässt. Sie fanden vier Faktoren: Rauchen schadet. Mit jedem rauchend verbrachten Lebensjahr wird der Schaden größer. Eine Frau zu sein nützt. Frauen haben fast überall auf der Welt eine höhere Lebenserwartung. Wer sich selbst für gesund hält, hat im Durchschnitt noch länger zu leben. Ebenso, wer über die Jahre am wenigsten Denkgeschwindigkeit eingebüßt hat.

Es überrascht kaum, dass diese Punkte einem langen Leben eher zuträglich sind. Allerdings haben die Wissenschaftler in ihrer Studie noch 61 weitere Indikatoren untersucht. Zum Beispiel, wie viel Alkohol jemand trinkt, wie lange er pro Nacht schläft oder wie gesund Herz und Kreislauf sind. All diese Faktoren haben sich als deutlich weniger aussagekräftig erwiesen.

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Die Denkgeschwindigkeit wurde als Teil eines fünfteiligen Tests der kognitiven Fähigkeiten gemessen. Daneben sollten die Studienteilnehmer auch ihr logisches Denkvermögen, das visuelle und verbale Gedächtnis sowie erlernte Fakten und Fertigkeiten unter Beweis stellen. All das ist offenbar vergleichsweise bedeutungslos für die Lebenserwartung. Auch wie schnell jemand denken kann, spielt keine große Rolle - lediglich das Tempo, in dem die Auffassungsgabe nachlässt. Um das zu untersuchen, wurde der Test mehrmals gemacht, im Abstand von vier Jahren.

Die Manchester Longitudinal Study of Cognition, deren Daten die Forscher um Stephen Aichele von der Universität Genf auswerteten, verfolgte von 1983 bis 2012 über 29 Jahre das Leben von 6203 Menschen. Zur Beginn waren die Teilnehmer zwischen 41 und 96 Jahre alt und lebten in den englischen Städten Newcastle upon Tyne und Manchester.

In der Fachzeitschrift Psychological Science (online) veröffentlichten die Wissenschaftler nun, welche der 65 Merkmale am besten zur Vorhersage des Todesrisikos taugen. Dabei haben sie lediglich die statistische Korrelation der Daten betrachtet. Daraus folgt nicht, dass die gefundenen Faktoren zum Tod führen. Sie sind Anzeichen, an denen sich grob erkennen lässt, wie es um die eigene Gesundheit bestellt ist. Mediziner haben auch gezeigt, dass die Kraft des Händedrucks etwas über die verbleibende Lebenserwartung aussagt. Und die Fähigkeit, auf einem Bein zu stehen.

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