ADHS:Verkehrsberuhigung dank Ritalin

Medikamente und Straßenverkehr - In vielen Fällen ist das eine gefährliche Kombination. Wenn aber ADHS-Patienten ihre Arznei regelmäßig einnehmen, sinkt laut einer schwedischen Studie ihr Risiko, einen Unfall zu erleiden.

Von Werner Bartens

Medikamente, die Leben retten, vermutet man zumeist im Notarztwagen oder auf der Intensivstation. Schwedische Forscher beschreiben nun die Auswirkungen, die Arzneimittel gegen ADHS auf die Verkehrsopferstatistik haben - sie könnten demnach Leben retten ( Jama Psychiatry, online). Das Team um den Epidemiologen Henrik Larsson vom Karolinska Institut nahe Stockholm hatte die Daten von mehr als 17 000 erwachsenen Patienten mit Aufmerksamkeitsstörung und Hyperaktivität untersucht.

Dabei zeigte sich, dass die Gefahr für ADHS-Patienten, in einen Verkehrsunfall verwickelt zu werden, um 45 Prozent gegenüber der restlichen Bevölkerung erhöht ist. Die Ärzte und Wissenschaftler verglichen dann, wie sehr die einzelnen Patienten von der Arznei profitierten, und untersuchten die Unfallhäufigkeit abhängig davon, ob die Kranken ihre Medikamente genommen hatten oder nicht. Demnach sinkt das Risiko für einen Verkehrsunfall um 58 Prozent, wenn die Betroffenen ihre ADHS-Mittel auch schlucken.

Insgesamt schlossen die Forscher, dass 41 Prozent aller Verkehrsunfälle, an denen ADHS-Kranke beteiligt sind, verhindert werden könnten, wenn die Mittel wie verordnet genommen würden. "Obwohl es vielen Leuten mit ADHS gut geht, kann die Krankheit ernste Folgen haben", sagt Larsson. "Ein Teil des Risikos lässt sich durch Medikamente aber verringern."

Der Arzt weist darauf hin, dass etliche Pharmaka Nebenwirkungen haben, die sich negativ auf das Verhalten im Straßenverkehr auswirken können. Im Falle der ADHS-Mittel scheine aber in dieser Hinsicht der Nutzen zu überwiegen. Bei Frauen mit ADHS konnte ein positiver Einfluss der Arzneien auf Verkehrsverhalten und Unfallgeschehen jedoch nicht festgestellt werden, ohne dass die schwedischen Forscher eine Erklärung dafür hätten.

© SZ vom 30.01.2014 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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