Gezockt und geflucht: Beim Aktienhandel der WestLB ging es schlimmer zu als einst an den Pokertischen im Wilden Westen. Wie die Gier nach immer höheren Gewinnen und Boni um sich griff.
Die Fahnder des Landeskriminalamtes (LKA) Nordrhein-Westfalen, die im Juli 2007 das Haus des zuvor bei der Westdeutschen Landesbank (WestLB) beschäftigten Aktienhändlers Markus B. durchsuchten, müssen ziemlich verblüfft gewesen sein. Der gelernte Bankkaufmann hatte es zu einem Vermögen gebracht, das für einen leitenden Angestellten im Alter von gerade mal 34 Jahren erstaunlich groß ausfiel. Neben einem 30.000 Quadratmeter großen Anwesen im Bergischen Land besaß er weitere Immobilien, darunter eine in Frankreich und ein Stückchen Land in den USA.
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Bluthund Bärbel vom Ausbildungszentrum der Polizei in Schloß Holte-Stukenbrock, Nordrhein-Westfalen. (© Foto: dpa)
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Der Familienvater wollte im Privatleben, ganz anders als im Job, offenbar keine Risiken eingehen und investierte fast ausschließlich in sichere Geldanlagen. Wie der junge Mann nach der Mittleren Reife in Köln und Lehre bei der Deutschen Bank zu einem solchen Vermögen hatte kommen können, erschloss sich den Ermittlern erst, als sie seine Verdienstabrechnungen auswerteten. Als letztes Gehalt waren für 2006 immerhin 1,35 Millionen Euro eingetragen.
Millionen abkassiert
Auch in den Jahren zuvor hatte Markus B. meist Millionen kassiert, vor allem dank üppiger Bonus-Zahlungen. Das war mehr, als laut einer internen Auflistung manche Vorstände der WestLB bekamen. Man habe B. als Tophändler betrachtet und verhindern wollen, dass er nach England oder in die USA gehe, wo er wesentlich höhere Boni erhalten hätte, sagte ein früherer Kollege später als Zeuge aus.
Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft Düsseldorf gegen Markus B. und 13 weitere Beschuldigte wegen Manipulation von Aktienkursen, Veruntreuung von Bankvermögen oder anderer Delikte. Die Hälfte der Verdächtigen sind ehemalige oder aktive Vorstände der WestLB, darunter auch Ex-Bankchef Thomas Fischer. Er und seine damaligen Vorstandskollegen sollen den Aufsichtsrat zu spät über hohe Risiken an den Börsen informiert haben. Die Bank, die dem Land Nordrhein-Westfalen und den dortigen Sparkassen gehört, hatte im Frühjahr 2007 beim Handel mit Aktien vor allem von VW und BMW 604 Millionen Euro verloren. Kriminelle Verfehlungen sollen zu dem Desaster geführt haben. Es ist das derzeit größte Verfahren gegen Bankmanager in Deutschland.
Gezockt und geflucht
Die Ermittlungen ermöglichen tiefe Einblicke in eine Welt, in der in Sekundenschnelle Millionen hin und her geschoben werden und in der mehr gezockt und geflucht wurde als an den Pokertischen im Wilden Westen. Von der WestLB routinemäßig aufgezeichnete Telefonate der Händler, Bankunterlagen und Aussagen von Zeugen wie Beschuldigten geben Aufschluss, wie die Gier nach immer höheren Gewinnen und Boni um sich griff.
So hatten Teile des WestLB-Vorstands Mitte des Jahrzehnts einen neuen Kurs propagiert: Herkömmliche Bankgeschäfte mit Privat- und Firmenkunden galten als altmodisch - den schnellen Profit erwarteten die Chefs vom Handel mit Aktien und fragwürdigen Kreditpaketen aus Übersee. Wer nicht mitmachte, galt intern als Geschäftsverhinderer. Das für den Aktienhandel zuständige Vorstandsmitglied erhielt einer Liste aus dem Jahr 2006 zufolge nahezu den höchsten Bonus, deutlich über eine Million Euro. Er sei der wichtigste strategische Impulsgeber und verantwortlich für zwei Drittel der Gesamterträge, lautete die Begründung für das hohe Salär.
Die neue Geschäftspolitik verleitete offenbar auch Markus B. und dessen Vorgesetzten Friedhelm B. dazu, immer größere Risiken einzugehen. Markus B. war früh aufgestiegen. Dass er seine Käufe und Verkäufe entgegen den Vorschriften nicht immer sofort in den PC eingab und bei ihm auch sonst manches verbesserungswürdig sei, darunter die Risikostreuung und die Einhaltung von Kreditlinien, wog bei der internen Bewertung weit weniger als die Gewinne. Die lagen lange über dem Plan. Ein Vorstand soll sogar auf mögliche Kursmanipulationen hingewiesen worden sein. Er soll geantwortet haben, das dürfe er nicht hören.
So konnten Markus B. und sein Vorgesetzter Friedhelm B. wohl grenzenlos schalten und walten und in ihren hermetisch abgeschirmten Handelsräumen in eine Welt eintauchen, in der nur die abgebrühtesten Spekulanten Erfolg hatten - wenn auch nur vordergründig. Wer nicht mitspielte, galt als "Verräter" oder "Dreckszicke", Konkurrenten waren "Arschlöcher" und "Bluthunde". Manche der von der Bank zur internen Kontrolle mitgeschnittenen Telefondialoge hätten auch aus der Rotlichtszene stammen können: Sinkende Aktienkurse wurden als "Fickwerte" bezeichnet, deren Preis "Kacke" sei.
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Wieso braucht die Staatsanwaltschaft eineinhalb Jahre, um festzustellen, was jeder Mensch mit gesundem Menschenverstand von Anfang an fast sicher wusste, nämlich, dass die Möglichkeit, unsinnig hohe Boni zu kassieren, die Bänker zu wahnwitzigen Spekulationen verführen musste?
Zweitens: wieso sind diese Spielchen auch heute noch nicht wirksam unterbunden? und steigern den Schaden für Steuerzahler und Bankkunden ad infinitum!
" Man muss erkennen, dass die Welt sich verändert hat. Das Tief der SPD ist historisch bedingt durch die Veränderungen in der Gesellschaft, die die Partei nur zögernd mitvollzogen hat.."
Ja, wenn das so ist, brauchen sich die Bürger über die Zukunft der SPD ja keine Soge zu machen.
Mit diesen Worthülsen kann der Herr von Dohnany so ziemlich alles und jedes erklären. Und sogar das Gegenteil; nur hilfreich ist es nicht. Man bleibt schön im vagen! Alles in allem ein ungeheuerliches Mittelmaß, siehe Albrecht Müller.
und weiter:
"..Die Globalisierung verlangt eine andere Einstellung zur Rolle der
Unternehmen und zur Beweglichkeit auf den Arbeitsmärkten.."
Diese Worte stammen von Klaus von Dohnanyi (sPD), dem ehemaligen Ersten Bürgermeister von Hamburg und heutigem Mitglied im "Konvent für Deutschland" ...
(Quelle: Interview Münchner Runde, 10.08.09)
Anklagen - Verurteilen - Einsperren - Vermögen pfänden - Mit Berufsverbot belegen.
Wo ist das Problem?
Es ist zu befürchten, dass es sich hier nur um die Spitze des Eisbergs handelt! Dennoch ist es unglaublich, wie dramatisch der Sittenverfall ist. Schließlich wird man auch nicht von Einzelfaäälen sprechen können. Ich schätze, die Staatsanwaltschaften werden noch eine Menge zu tun bekommen. Allerdings wäre eine gemeinsame Koordinierung in der Bundesanwaltschaft wohl effektiver!
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