Gehasst, geliebt, bewundert: Mit dem Kollaps der Wall Street stirbt der Mythos des erfolgsverwöhnten Investmentbankers.
Es gab eine Zeit, da hatte die Welt der Nadelstreifenanzüge und der fest gebundenen Krawatten etwas Verführerisches; sie bot die reizvolle Aussicht auf Geld und Glamour. Nicht nur Geld wie Heu, sondern wie am Spieltisch, es kam nur darauf an, den Haufen noch größer zu machen. Wie es aussieht, ist dieser Haufen jetzt verzockt - die zu Herren des Universums Ernannten haben ihre Welt selbst entzaubert.
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Händler in Chicago: Abschied von den goldenen Zeiten. (© Foto: Reuters)
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Vor allem die Investmentbanker an der New Yorker Wall Street und in der Londoner City waren jene "Masters of the Universe", wie sie Tom Wolfe in seinem Roman "Fegefeuer der Eitelkeiten" beschrieben hat. Sie hatten, was sie ersehnten: Luxus, Macht, Geld. Michael Douglas spielte 1988 in "Wall Street" so einen risikobereiten, eiskalten Glücksritter, den wenig sympathischen, aber ungeheuer erfolgreichen Spekulanten Gordon Gekko. Mit streng zurückgegelten Haaren, Hosenträgern zum Hemd samt weißem Kragen ist Gekko bis heute die Personifizierung der Gier an den Finanzmärkten.
Eben diese Gier hat nun zu einer Bilanz geführt, die so manchen die Legitimität unseres Wirtschaftssystems in Frage stellen lässt. Dabei wurde der angelsächsische Investmentbanker lange als Messias des globalen Finanzsystems gefeiert. Banker, überall auf der Welt, eiferten diesem Bild nach. Die Investmentbanker brachten das, was ihnen und ihrem Arbeitgeber wichtig war: Geld. Manchmal wurden sie gehasst, manchmal geliebt, aber immer bewundert. Sie jonglierten unvorstellbar viel Geld anderer Leute und vermehrten es. Sie finanzierten Firmenübernahmen, Konzernzerschlagungen und verdienten Milliarden. Sogar bei der Deutschen Bank wurden zeitweise drei Viertel des Profits mit Investmentbanking erwirtschaftet. Anshu Jain, der für dieses Geschäft zuständige indische Statthalter in London, verdiente mehr als Konzernchef Josef Ackermann in der Frankfurter Zentrale.
"Neue" Wertpapiere aus Baudarlehen
Der Absturz der Goldjungs in diesen Tagen folgt einem Boom, wie ihn die Welt des großen Geldes noch nie erlebt hatte. Allein in den Jahren 2002 bis 2006 verdreifachten die fünf großen Investmentbanken ihre Gewinne auf 30 Milliarden Dollar. Heute, zwei Jahre später, sagt der New Yorker Ökonom Nouriel Roubini: "Dies ist das Ende der Wall Street der unabhängigen Investmentbanken." Und Journalisten, die vor zwei Jahren noch von der "Geldmaschine Investmentbank" schwärmten, zitieren Warren Buffetts Satz von den "Massenvernichtungswaffen auf den Finanzmärkten". Alan Greenspan, ehemals das Orakel der US-Notenbank, meint schlicht, aber drastisch: "Eine Jahrhundertkatastrophe!"
Wie ist es passiert, dass die einst als Glücksbringer gefeierten Investmentbanker ihre eigene Welt zum Einsturz bringen? Am Anfang verdienten die Investmentbanken vor allem bei Börsengängen und bei Übernahme- und Verkaufsverhandlungen. Dann entdeckten sie ein altes Instrument der Finanzindustrie wieder: die Verbriefung. Die Banker kauften zum Beispiel Baudarlehen von regionalen Banken und machten daraus neue "Wert"-Papiere, die sie weiterverkauften. Das Risiko übernahmen dann Manager wie die der deutschen IKB. Die sagen heute, dass sie die Zusammensetzung solcher Papiere nicht verstehen und nie verstanden haben - aber sie haben sie eben dennoch gekauft.
Lesen Sie im zweiten Teil, was junge Investmentbanker machen müssen, um 100.000 Euro Jahresgage zu verdienen.
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ziehvaeter ja wohl auch - die wussten, was sie taten.
Die geldgeilen Jungbänker haben ja, bevor sie das System gegen die Wand gefahren haben, viele Menschen um ihre Existenz gebracht. Zuerst die Industriearbeiter, die ihre Jobs nach Asien verschwinden sahen, und am Ende die Hausbesitzer, die ihre Kredite nicht mehr bedienen können.
Nicht nur ist kein Mitleid angebracht, man sollte nun auch einmal fragen, wie die Schacherer den gesellschaftlichen Schaden, den sie angerichtet haben, zu kompensieren gedenken.