Übergangslösung für die Unicredit Angst vor den Deutschen

Deutsch-italienische Spannungen: Am Tag nach Alessandro Profumos Rücktritt vom Chefposten der Unicredit machen italienische Politiker Stimmung gegen seinen Interimsnachfolger, Dieter Rampl.

Von Thomas Fromm und Martin Hesse

Es dauerte nur ein paar Stunden: Dieter Rampl war nach dem Rücktritt Alessandro Profumos gerade vom Chefkontrolleur zum Übergangs-Vorstandsvorsitzenden bei Unicredit aufgestiegen, da bekam er bereits die ersten Ressentiments aus der italienischen Politik zu spüren.

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Ohne Rampl direkt zu nennen, warnte Umberto Bossi, Chef der rechtspopulistischen Regierungspartei Lega Nord, davor, dass der Einfluss Deutschlands bei dem Mailänder Institut steigen könnte. "Ich hoffe, dass die Deutschen sich hier nicht die Bank schnappen werden", sagte er vor dem Parlament in Rom. Es sei "besorgniserregend", dass Profumo "im Dunkeln entfernt" worden sei, ohne "die Dinge im Vorfeld vorzubereiten".

Die Wogen haben sich am Tag Eins nach der Ära Profumo noch nicht geglättet. Fast sechs Stunden lang hatte der Verwaltungsrat der Bank am Vorabend mit sich gerungen. Zwar soll eine Probeabstimmung ergeben haben, dass nur die unabhängige Aktionärsvertreterin Lucrezia Reichlin hinter dem Genuesen stand.

Gesichtswahrende Lösung

Doch war lange nicht klar, ob man Profumo per Kampfabstimmung zum Rücktritt bewegen musste. Schließlich gelang eine gesichtswahrende Lösung. Nun bemüht sich die Bank, Normalität zu verbreiten. Der Weggang des dominanten Konzernlenkers ändere nichts an der Strategie, heißt es.

Bei den ausländischen Töchtern argwöhnt man, ein neuer Chef könnte die Bank wieder stärker auf Italien ausrichten. Bei Unicredit weist man das zurück. Gerade in Deutschland wird Rampl, der nun die Geschäfte führt und einen Nachfolger sucht, als Garant dafür gesehen, dass Unicredit sich als europäische Bank versteht.

In Italien kursieren wegen der starken Rolle des Deutschen umgekehrte Befürchtungen. Dort wurden Bossis Äußerungen als Angriff auf Rampl interpretiert - auch wenn Bossis Partei in der Vergangenheit zu den schärfsten Kritikern Profumos gehört hatte.

Die italienischen Stiftungen, die als Großaktionäre der Unicredit fungieren, rief Bossi nun dazu auf, das Institut gegen den Einfluss Deutschlands zu "verteidigen". Aus Bankenkreisen hieß es dazu lediglich, die Entscheidung über den künftigen Bankenchef sei "keine Frage des Passes", da Unicredit eine europäische Bank sei.

Ein zweites Problem

Rampl suche sowohl intern - hier könnten vor allem die vier Stellvertreter Profumos Kandidaten sein - als auch extern. In Zeitungen werden als Aspiranten etwa der frühere Goldman-Sachs-Manager Claudio Costamagna und der Ex-Chef der Bank Capitalia, Matteo Arpe, genannt.

Neben der Nachfolge muss Rampl ein zweites Problem lösen: Bis zum 30. September soll er erklären, ob die zwei libyschen Aktionäre, die zusammen rund sieben Prozent an Unicredit halten, als ein Anteilseigner zu sehen sind. Wenn ja, wäre das Stimmrecht Libyens nach den Statuten der Bank auf fünf Prozent beschränkt. Verkaufen müssten die Libyer hingegen nicht. Am Einstieg des zweiten Fonds, über den Profumo Rampl nicht informierte, entzündete sich der Streit, der zum Rücktritt des Chefs führte.