SZ: Die Bundesregierung geht von einem Konjunktur-Minus von 2,25 Prozent aus. Daran können nur noch hoffnungslose Optimisten glauben.

Die Kombination aus Wirtschafts- und Finanzkrise bezeichnet Steinbrück als "epochales Ereignis". (© Foto: AFP)

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Steinbrück: Sie wissen doch noch gar nicht, wie unsere Konjunkturprogramme wirken. Es besteht allerdings die Möglichkeit, dass wir die 2,25 Prozent nicht halten können. Wie tief es runter geht, kann ich derzeit nicht sagen.

SZ: Manche Institute sagen ein Minus von vier Prozent voraus.

Steinbrück: Das kann seriöserweise im Moment niemand wissen. Der Chef-Volkswirt der Deutschen Bank hat seine Prognose jetzt schon auf minus fünf Prozent verschlechtert, und es wird nicht lange dauern, da ist er über Fünf hinaus. Ich halte so eine Vorgehensweise für verantwortungslos. Das ist der Versuch, mit immer schlechteren Nachrichten Aufmerksamkeit zu erheischen.

SZ: Was heißen die trüben Prognosen für den Wahlkampf im Superwahljahr?

Steinbrück: Ich kann nur appellieren, bei der Aufstellung der Wahlprogramme daran zu denken, dass sich in den Monaten bis zur Wahl noch viel ändern kann.

SZ: Die Koalition ist bis zum Wahltag zu einer intensiven Zusammenarbeit verdammt. Bleibt da überhaupt Platz für eine parteipolitische Auseinandersetzung?

Steinbrück: Natürlich kann die Luft im Wahlkampf ein bisschen bleihaltiger werden. Das gehört zur Demokratie dazu. Ich bin aber davon überzeugt, dass die Leute von uns bis zum letzten Tag ein reibungsloses und nicht parteipolitisch gefärbtes Krisenmanagement erwarten.

SZ: Wird die Krise unser Verständnis von Staat und Markt ändern?

Steinbrück: Was wir momentan erleben, diese Kombination aus Wirtschafts- und Finanzkrise, ist in meinen Augen ein epochales Ereignis. Diese Krise wird nicht nur einen ökonomischen, sondern auch einen gesellschaftlichen Preis fordern. Viele Menschen geraten in tiefe Zweifel über ein Modell, in dem die, die für die Lage verantwortlich sind, nicht die Zeche zahlen. Zum anderen erleben wir das Ende des Dogmas, das der Staat sich weitgehend aus der Wirtschaft herauszuhalten hat. Es wird eine neue Balance geben müssen, eine größere Ausgewogenheit im Verhältnis Staat zu Markt. Es ist gut, dass der Staat die Spielregeln sehr viel stärker bestimmen wird als in den letzten 20 Jahren. Ich vermute, dass diese Phase sehr lange anhalten wird.

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(SZ vom 19.03.2009/mel)