Die Schufa schließt mehrere Filialen und zieht ins Netz. Verbraucherschützer sind entsetzt - und kritisieren die Ausgrenzung vieler Nutzer.
Seit 1. April sind Selbstauskünfte bei der Schufa kostenlos. "Das trifft sich gut", dachte Manuela Friedrich, als sie davon in der Zeitung las. Die junge Hamburgerin sucht derzeit eine Wohnung und weiß, dass so mancher Vermieter einen Beleg über ihre Kreditwürdigkeit fordert.
Selbstauskünfte bei der Schufa sind kostenlos - Extraservice kostet. Diesen bekommen die Verbraucher in den wenigen Filialen, per Telefon oder im Internet - dort jedoch günstiger. (© Foto: ddp)
Anzeige
Die 32-Jährige ging daraufhin zur Servicestelle der Schufa. "Dort sagte man mir, dass zwar die Selbstauskunft kostenlos ist, aber nicht die Bonitätsauskunft, mit der ich anderen meine Kreditwürdigkeit beweisen kann", klagt die Bürokauffrau. Damit nicht genug: "In Zukunft schließt die Schufa auch noch ihre Filiale." Guter Service, sagt sie, sehe anders aus.
Hamburg ist nicht der einzige Standort, den die Kreditauskunftei schließen wird. Zum 30.Juni schließt die Schufa ihre Filialen in Bremen, Frankfurt und Saarbrücken. Vor verschlossenen Türen stehen die Verbraucher vom 31.Dezember an auch in Leipzig.
Damit fällt fast die Hälfte der insgesamt 14 Filialen weg. Kunden soll künftig über das Internetportal www.meineschufa.de die Infos anfordern. Persönliche Beratung sei nicht mehr zeitgemäß, erklärt die Schufa.
Kreditauskunfteien wie die Schufa oder Creditreform sammeln Millionen Verbraucherdaten; unter anderem darüber, wie viele Konten ein Verbraucher besitzt und ob er einen Handyvertrag abgeschlossen hat. Schufa & Co. prüfen anhand der Daten, wie kreditwürdig die Verbraucher sind. Wenn also die Schufa Kunden schlecht bewertet, können Banken ihnen weitere Kredite verweigern - oder zumindest deutlich höhere Zinsen verlangen als bei anderen Konsumenten.
Selbstauskunft ist gratis, jeder weitere Service kostet
Über ihre Schufa-Einstufung konnten sich Verbraucher bisher in den Beratungsstellen informieren. Geht es nach der Auskunftei, sollen Interessenten das jetzt via Internet tun. "Die Schufa grenzt damit viele Menschen ohne Internetanschluss von kostenloser Beratung aus", kritisiert Matthias Wafzig von der Verbraucherzentrale des Saarlandes.
Was ist künftig kostenlos und was nicht? Eine Selbstauskunft steht jedem Verbraucher einmal pro Jahr gratis zu, unabhängig davon, ob er sie im Internet oder telefonisch bei der Schufa bestellt. Die Schufa sendet die Infos per Post zu. Für jede weitere Serviceleistung müssen die Verbraucher zahlen, etwa für den Zugang zum Onlineportal der Auskunftei.
Wer als registrierter Benutzer dort täglich auf seine Daten zugreifen möchte, zahlt einmalig 18,50 Euro. Für Bonitätsauskünfte verlangt die Schufa ebenfalls einmalig 18,50 Euro. Internetnutzer erhalten einen Rabatt, sie zahlen für die Bonitätsauskunft 7,50 Euro.
Die Betroffenen wundern sich
"Damit werden Kunden ohne Internet schlechter gestellt", sagt Kai Görner von der Verbraucherzentrale Sachsen. Er warnt zudem vor Gaunern, die Selbstauskünfte im Internet kostenpflichtig anbieten. "Wer eine Selbst- oder eine Bonitätsauskunft benötigt, sollte sich immer direkt an die Auskunfteien wenden", rät Görner.
Grundsätzlich sollten die Kunden die kostenlose Selbstauskunft bei der Schufa jährlich einholen, rät Verbraucherschützer Wafzig: "Es kommt immer wieder vor, dass die Schufa Kunden falsch bewertet." Die Betroffenen wunderten sich dann, wenn sie zum Beispiel ein potentieller Vermieter ablehnt.
Die Hamburgerin Manuela Friedrich hat trotz allem Ärger 18,50 Euro für die Bonitätsauskunft bezahlt - ihre Wohnungssuche soll nicht am fehlenden Beleg scheitern. Auf eine Anmeldung beim Schufa-Onlineportal verzichtet sie allerdings: "Falls ich wieder eine Auskunft brauche, melde ich mich telefonisch bei der Schufa."
- Bonitätsprüfung Schluss mit Hokuspokus bei der Schufa 30.03.2010
- Mehr Auskünfte bei der Schufa Das Wissen der anderen 14.01.2009
- Konsumentenkredite Mehr Menschen leben auf Pump 15.01.2008
- Kostenlose Leseprobe SZ unverbindlich testen 29.07.2009
- Kredit-Kompass 2009 Wo Deutschlands Schulden-Meister wohnen 25.03.2010
(SZ vom 17.04.2010/nog/mel)
Moderne Verwaltung
"Die Schufa schließt mehrere Filialen und zieht ins Netz. Verbraucherschützer sind entsetzt - und kritisieren die Ausgrenzung vieler Nutzer."
Wieso - ist doch alles im Sinne der Finanzmafia:
Dem Casino alle Informationen zum Abkassieren und dem "Kunden" das komplette Risiko.
Ein Brief ist schnell geschrieben und kostet 55 Cent, warum soll ich meine Zeit mit einem persönlichen Vorsprechen vertun?
... denn einerseits kann man immer schriftlich ein Auskunftsersuchen an Schufa und Co. schicken, welches auch kostenlos zu beantworten ist (BDSG) und andererseits kann man eine Sperrverfügung erteilen - denn wie jedes andere Unternehmen auch ist die Schufa an die Gesetzgebung und die Achtung der Grundrechte gebunden.
Kommt die Schufa dem Auskunftersuchen nicht nach, kann im Zweifel sogar der Klageweg beschritten werden, der meines Wissens unbenommen des Ausgangs zu Kosten für die beklagte Partei führt.
Übrigens:
Wer hat sich schon einmal einen Besuch der Schufa selbst zugemutet? Ich hab's mal vor Jahren in Frankfurt am Main getan und war ziemlich abgeneigt davon. Der Briefweg ist deutlich angenehmer und zeiteffizienter und schließt noch weniger Menschen aus, als die ohnehin wenigen vorhandenen Geschäftsstellen.
"Damit werden Kunden ohne Internet schlechter gestellt", sagt Kai Görner von der Verbraucherzentrale Sachsen.
-------------------
Das mag zutreffen. Aber in realiter gibt es an jeder Ecke ein Internetcafé oder den netten Nachbarn. Und: Wer von denen ohne Internet haben tatsächlich vor, jedes Jahr eine Selbstauskunft zu erhalten? Ich werde meinen Großvater mal fragen...