Unicredit: Rücktritt Profumo Im Berlusconi-Staat verzockt

Der Unicredit-Chef Profumo muss wegen seiner Selbstüberschätzung zurücktreten. Er wollte ohne die üblichen politischen Spiele an der Macht bleiben und pochte auf Unabhängigkeit. Das war ehrenhaft, doch der Preis dafür war hoch.

Ein Kommentar von Thomas Fromm

Am Ende war es einsam geworden um den wichtigsten Bankmanager Italiens. Immer öfter klagten Unicredit-Manager, dass Alessandro Profumo, der Mann, der innerhalb weniger Jahre von Mailand aus einen paneuropäischen Bankenkoloss geschmiedet hatte, sie nicht mehr mitnehme bei seinen Entscheidungen.

Unicredit-Chef Alessandro Profumo hat seinen Rücktritt eingereicht.

(Foto: REUTERS)

Zuletzt soll er die Gremien, allen voran seinen Aufsichtsratspräsidenten Dieter Rampl, nicht rechtzeitig darüber informiert haben, dass Libyen seine in Italien diskutierte Beteiligung an der Großbank weiter aufstockt.

Das Problem waren eigentlich nicht die Libyer an sich. Die sind in Italien seit Jahren gern gesehene Investoren. Das Problem war Profumos Alleingang - ein vermeidbarer, ein dummer Fehler. Dass er ausgerechnet dem Bank-Veteranen unterlief, zeigt: In den 15 Jahren, in denen er an der Unicredit-Spitze steht, sind Bank und Manager irgendwann eins geworden. Profumo, der aus regionalen Klein-Instituten einen europäischen Bankenriesen schmiedete und dafür unter anderem die Münchner Hypovereinsbank schluckte, konnte nicht mehr trennen. Zwischen den Interessen der Bank und dem, was er selbst für richtig hielt.

Ein Abgang mit Tragik

Es gibt vieles, was man Profumo vorwerfen kann. Aus deutscher Sicht sicherlich die bisweilen recht unsensible Art und Weise, mit der er die Münchner Großbank in sein Reich holte und die viele verdiente HVBler brüskierte. Mochten sie ihn in Mailand auch "Alexander den Großen" nennen. Für viele Manager in München, die im Zuge der HVB-Übernahme das Weite suchten, schien der stets elegante und braun gebrannte Genuese eher ein Nachkomme des Florentiner Machtphilosophen Machiavelli zu sein.

Dennoch liegt im Abgang des Managers eine gewisse Tragik. Ausgerechnet jener Profumo, der seine Bank ohne Rücksicht auf Verluste internationalisierte und die Vision einer echten paneuropäischen Großbank ausspielte, scheitert nun an jenen Mechanismen, die er seit Jahren hinter sich lassen will.

Um das Phänomen des Alessandro Profumo zu begreifen, muss man einen Blick werfen in eine Zeit, bevor der Absolvent der McKinsey-Kaderschmiede die italienische Bühne betrat. Eine Epoche, in der Politiker und Banker sich gegenseitig in die Hände spielten, abgeschottet von nationalen Grenzen und eigenen Gesetzen. In der Patriarchen wie der frühere Banca d'Italia-Präsident Antonio Fazio das Bild bestimmten. Ein Notenbankchef, der seine Aufgabe vor allem darin sah, den schwachen italienischen Bankenmarkt gegen Übernahmeversuche ausländischer Konkurrenten abzuschotten.

Der große Irrtum

Ein Internationalist wie Profumo, der seine Bank einer aggressiven Übernahmestrategie verdankte, war der moderne Gegenentwurf zum Provinzialismus alla romana. Das machte ihn in den salotti buoni, den Etagen der Macht, verdächtig. Obwohl man seine Erfolge bewunderte. Die italienische Bankenwelt vor Profumo, das war auch die Schule des geheimnisumwitterten Enrico Cuccia, lange Jahre Chef der Mailänder Investmentbank Mediobanca und gefürchtete Spinne im Netz der italienischen Wirtschaft.

Ein undurchdringliches System von Traditionen, politischer Patronage und Vetternwirtschaft, das Opposition provozieren musste. Der Part des Reformers fiel seit Jahren Profumo zu. Ein Part, den er auf seine bisweilen unorthodoxe und - vorsichtig formuliert - äußerst selbstbewusste Art ausfüllte. Und irgendwann begann, sich zu überschätzen.

Profumo irrte, als er darauf spekulierte, er könne ohne Italiens politische Spiele und Zwänge an der Macht bleiben, wenn er nur genug Erfolg im Ausland hatte. Er ignorierte die Spielregeln des Berlusconi-Staates, schlug dessen Avancen aus, pochte auf Unabhängigkeit. Das war ehrenhaft, und der Preis dafür war hoch.

Profumos Verdienst ist, dass er die verkrustete italienische Bankenwelt aufgebrochen hat. Hat er sie auch dauerhaft verändert? Kaum. Seine Nachfolger werden sich an ihm messen lassen müssen. Einfach wird das nicht.