Doch von dieser Orientierung am Kunden seien die Banken weit entfernt, glaubt Hackethal. Um das zu illustrieren, erzählt er in Frankfurt vor dem versammelten Auditorium eine Anekdote. "Neulich traf ich einen Bankmanager mit jahrzehntelanger Erfahrung im Privatkundengeschäft", berichtet der Universitäts-Dekan. "Der sagte mir, dass er sich in dieser Zeit nicht einmal gefragt habe, welchen Nutzen er für seine Kunden stifte." Hackethal macht eine Pause, um die Überraschung wirken zu lassen. "Die Finanzindustrie", sagt er dann, "orientiert sich in ihrem Wettbewerbskampf nicht unbedingt am Kundennutzen."

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Die Finanzkrise hätte freilich nie ein so verheerendes Ausmaß erreicht, wenn die Banken nicht auch bei ihren eigenen Anlageentscheidungen so gründlich daneben gegriffen hätten. Wolfgang Hartmann war dabei, als es geschah. Der 60-Jährige ist ein Banker, wie man ihn selten trifft. Direkt, unprätentiös, der absolute Gegenentwurf zum Bild des gierigen Bankers. Vielleicht hängt das auch mit seinem früheren Beruf zusammen. Von 2000 bis Frühjahr 2009 leitete Hartmann bei der Commerzbank als Vorstandsmitglied das Risikomanagement. Ein Job, der gewisse Ähnlichkeiten mit der Rolle des immerfort skeptischen Mr. Spock aus der TV-Serie Raumschiff Enterprise hat.

Aufgabe des Risikovorstands ist es, zu bremsen, wenn andere Gas geben wollen. Damit eckt man intern an, denn Bremsen bedeutet weniger Umsatz. "In den Aufsichtsräten der Banken wird wenig über Risiken geredet", sagt Hartmann. Ein großer Fehler, wie sich gezeigt hat. Und daraus müssten nun die Lehren gezogen werden. "Großbanken sind vergleichbar mit Atomkraftwerken, deshalb muss sich das Risikobewusstsein ändern", sagt Hartmann. "Sonst gibt es weitere Finanzkrisen."

Er selbst will an der Verbesserung mitwirken. Der frühere Bankmanager, der von sich selbst sagt, er habe sich schon während des Studiums für Wahrscheinlichkeitsrechnungen begeistert, hat das erste deutsche Executive Masterprogramm für Risikomanagement ins Leben gerufen. "Professionelles Risikomanagement ist das Herz einer Bank", sagt er. Die Manager müssten nicht nur fachlich überzeugend sein, sie müssen auch mit vielfältigen Widerständen umgehen können. "Der Druck auf den Vorstand ist groß, finanzielle Erfolge zu verkünden. Da möchte keiner ohne Not Risiken an die Aufsicht oder die Öffentlichkeit melden." Das Risikomanagement müsse deshalb aufgewertet werden. "Doch ohne die Unterstützung des Regulierers stehen die Risikomanager der Banken oft auf verlorenem Posten."

Wenig transparent und kaum vergleichbar

Ein Problem sei auch, klagt Hartmann, dass Bankbilanzen wenig transparent und kaum vergleichbar seien. Kein Außenstehender könne wirklich einschätzen, wie es den Banken geht. "Man sieht von außen als Analyst oder Aktionär nicht, wo und vor allem wie die toxischen Papiere gebucht werden." Dieser bilanzielle Wildwuchs müsse beschnitten werden.

Lehnt man sich zurück und denkt darüber nach, was Experten wie Hackethal, Hartmann und Hens empfehlen, lässt sich also Folgendes sagen: Wenn Exzesse auf dem Kapitalmarkt in Zukunft vermieden werden sollen, brauchen Sparer eine bessere Beratung, Banker eine schärfere Risikokontrolle, und das Finanzsystem eine stabilere Struktur. Doch das ist leicht gesagt, denn jede Katastrophe folgt anderen Mustern, und es sind viele kleine, zunächst kaum beachtete Details, die unvermittelt zu einem gefährlichen Mix mutieren. Vielleicht, so die These von Hens, könnten Menschen auch gar nicht anders, als immer neue Spekulationsexzesse anzuschieben, zumal durch den gesteigerten Wohlstand mehr Kapital für diese Finanzwetten zur Verfügung stehe.

Doch dann sagt Hens noch etwas anderes: Es gehe nicht darum, künftig den Bankrott einer Banken zu verhindern, man müsse ihn erträglich für das System machen. "Jedes Krankenhaus hat ein Notstromaggregat und einen PlanB für die Katastrophe. So etwas brauchen wir auch für das Finanzsystem." Das internationale Zahlungssystem müsse deshalb so aufgesetzt werden, dass die Aufsicht immer weiß, welche Bank der anderen wie viel schulde. "Das ist eine vitale Aufgabe zur Systemabsicherung, die darf man nicht der Privatwirtschaft überlassen", sagt der Züricher Wissenschaftler.

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  2. Ein erschreckendes Ergebnis
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(SZ vom 17./18.10.2009/tjon/mel)