Opportunismus pur: Die Löhne sinken, aber die Renten werden nicht gekürzt - weil Union und SPD die Senioren-Lobby fürchten. Zahlen müssen die Zeche die Jungen.
Im Frühjahr 2009 erfand die große Koalition eine neue Methode der Rentenpolitik. Vereinfacht gesagt, bestand sie vor allem darin, Ökonomen nicht mehr ernst zu nehmen. Wer sagte, dass im nächsten Jahr die Renten sinken könnten, war für den damaligen Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) ein Panikmacher. Nun stellt sich heraus, dass Scholz die Lage schöngeredet hat. Als er vor ein paar Monaten die Rentengarantie durchsetzte, tönte er noch, die Schutzklausel müsse 2010 gar nicht greifen, weil keine Kürzung der Altersbezüge bevorstehe. Jetzt wird der Schutzschirm sehr wahrscheinlich doch erstmals aufgespannt.
Senioren können zufrieden sein: Die Renten werden nicht gekürzt - obwohl die Löhne sinken. (© Foto: Photocase, janiszinke)
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Bei der gesetzlichen Altersvorsorge gibt es eine bewährte Faustformel: Steigen die Löhne, ziehen auch die Bezüge der Rentner an. Mehr als 50 Jahre lang galt dieser Grundsatz auch umgekehrt. Bei sinkenden Löhnen sollten ebenfalls die Altersbezüge zurückgehen. Dies ist ein Beitrag zur Generationengerechtigkeit. Junge und Alte profitieren vom Zuwachs an Wohlstand gemeinsam, zugleich tragen sie zusammen finanzielle Belastungen.
Mit der Rentengarantie haben SPD und Union diese gute Tradition außer Kraft gesetzt - aus Angst, bei den 20 Millionen Rentnern Stimmen zu verlieren und in der Hoffnung, dass die Rentengarantie nie greifen muss. Dies scheint sich als gefährlicher Trugschluss zu erweisen.
Das deutsche Kurzarbeits-Wunder, dem Hunderttausende den Erhalt ihres Jobs verdanken, zeigt seine Schattenseiten: Nicht zuletzt wegen des massenhaften Einsatzes dieser Kurzarbeit dürfte die für die Rentenentwicklung maßgebliche Lohnsumme in diesem Jahr zurückgehen. Die Altersbezüge müssten 2010 deshalb eigentlich sinken. Stattdessen dürfen sich, der Garantie sei Dank, die Ruheständler auf eine Nullrunde einstellen - dies aber schadet der Glaubwürdigkeit der Rentenversicherung ungefähr so sehr wie der Spruch des Ex-Arbeitsministers Norbert Blüm: "Die Rente ist sicher."
In den vergangenen Jahren haben alle bezahlen müssen. Die Rentner haben mehrere Nullrunden hinter sich, und netto blieb von höheren Altersbezügen oft nichts übrig, weil die Sozialabgaben stiegen. Noch schlechter ergeht es aber den Jungen: Sie verlassen die Schule oder die Universität und landen immer häufiger in unsicheren Arbeitsverhältnissen. Sie müssen höhere Beiträge zahlen als die heutigen Rentner und trotzdem in 20 oder 30 Jahren mit einem niedrigeren Rentenniveau rechnen.
Da ist es vertretbar, dass bei sinkenden Löhnen auch die Ruheständler weniger Geld erhalten, auch wenn dies im Einzelfall hart sein mag. Wenn die Regierung trotzdem ankündigt, die Rentengarantie erhalten zu wollen, zeigt dies nur eins: Der Koalition fehlt schon am Anfang ihrer Amtszeit der Mut zu unbequemen Beschlüssen.
Lange durchmogeln kann sich die schwarz-gelbe Koalition jedoch nicht. Sie muss sich möglichst bald entscheiden, ob sie zu den bereits beschlossenen Einschnitten bei den Rentnern steht. In der Rentenformel gibt es mehrere Faktoren, die den Anstieg begrenzen sollen, damit die Beiträge trotz der Alterung der Gesellschaft stabil bleiben. Diese Faktoren, welche die Vorgänger-Regierungen teilweise zugunsten der Ruheständler ausgesetzt hatten, werden von 2010 an gelten. Mögliche Steigerungen in den Jahren danach könnten dadurch komplett aufgefressen werden.
Die Koalition steht deshalb vor schwierigen Aufgaben. Sie sollte an der Rentenformel nicht noch einmal herumdoktern, selbst wenn dies Wählerstimmen kosten sollte. Und sie muss den Kampf gegen die zunehmende Altersarmut beginnen. Vielen Geringverdienern, die ein Leben lang gearbeitet haben, droht in Zukunft ein Alterseinkommen unterhalb des Existenzminimums. Das zu verhindern, wird viel Geld kosten. Aber es wäre ein Beitrag, um das Vertrauen in die Rentenversicherung wieder zu stärken.
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(SZ vom 31.10.2009/tob)
Proteste gegen ACTA
OK, reden wir drüber.
Ich kann nichts dafür dass der Typ auf dem Foto dick ist und in der Sonne liegt. Ich bin weder dick, noch liege ich in der Sonne. Allerdings bin ich -unfreiwillig- Rentner geworden, ohne jegliche Nebeneinkünfte. Die Miete für meine Wohnung kann ich noch bezahlen, den Kontakt zur Außenwelt auch. aber die Zimmer-Temperatur entspricht eher Sarrazin Niveau, denn der Monat ist einfach zu kurz für´s Geld.
Neidisch? OK, tauschen wir unser Einkommen, und den Grund für die Verrentung könnt ihr auch haben. Sonst aber nichts, ich bin gerne ich.
Und diese Parteien müssen nicht fürchten meine Stimme zu verlieren. Sie haben sie nie erhalten.
Ich fange erst jetzt an zu begreifen, wie das mit der Rentenformel funktioniert: also die Rentenhöhe bezieht sich auf das durchschnittlich gezahlte Einkommen eines Einzelnen??? Dabei wird überhaupt nicht berücksichtigt, wie viele Leute arbeitslos sind?
Jetzt hätte ich eine Frage : wenn nur noch einer Arbeit hat - muss der dann soviel Geld heranschaffen, dass wir die 20 Millionen Rentner finanzieren können? Und wenn der das nicht kann - was tun wir dann mit dem?
Ja ich weiß, die Berechnung mit einem Einzelnen ist unrealistisch. Aber ich finde, damit ist der Widersinn dieser Formel gut sichtbar.
M.E. müsste die Rentenformel sich auf die insgesamt gezahlten Löhne beziehen - wenn esnur halb so viele Beitragszahler gibt, kann es doch nur halb so viel Rente geben - oder wo liegt da mein Denkfehler?
Was lernen wir, entgegen Ihrer Schreiberei, aus den o.a. Ausführungen - Herr Öchsner?
Richtig! Die bewährte Rentenformel ist bereits 2004 durch die sozialdemokratisch/grüne Koalition (unter frenetischem Beifall der christsozialen/gelben Opposition) kannibalisiert worden und das neuerliche Reförmchen ist der untaugliche Versuch die sozialdarwinistischen
Gräuel wenigstens punktuell ungeschehen zu machen.
Noch schlechter ergeht es aber den Jungen: Sie verlassen die Schule oder die Universität und landen immer häufiger in unsicheren Arbeitsverhältnissen. Sie müssen höhere Beiträge zahlen als die heutigen Rentner und trotzdem in 20 oder 30 Jahren mit einem niedrigeren Rentenniveau rechnen.
Da ist es vertretbar, dass bei sinkenden Löhnen auch die Ruheständler weniger Geld erhalten.
Vielen Geringverdienern, die ein Leben lang gearbeitet haben, droht in Zukunft ein Alterseinkommen unterhalb des Existenzminimums. Das zu verhindern, wird viel Geld kosten. Aber es wäre ein Beitrag, um das Vertrauen in die Rentenversicherung wieder zu stärken....
Haben Sie, sehr geehrter Herr Öchsner, nie die Möglichkeit erwogen, dass an der Misere der Arbeitnehmer, gleich ob jung oder alt, eventuell gar nicht die Rentner, sondern Arbeit- und Gesetzgeber (und träge Gewerkschaften) schuld sein könnten?
Die gleiche hirnrissige Denkweise findet sich bei der Diskussion über HartzIV Bezüge im Vergleich mit zu geringem Arbeitseinkommen. Nicht die HIV-Bezüge sind zu hoch, sondern die Arbeitseinkommen zu niedrig. Und, anstatt dass der Gesetzgeber die (sichere) gesetzliche Rentenversicherung schützt und stärkt, will er die Arbeitnehmer zwingen, unsichere private Versicherungen abzuschließen, an denen nur die Versicherungsunternehmen verdienen.
Und so drängt sich der Verdacht auf, dass Sie genau für diese Lobby schreiben.
Bereits das dem Artikel vorangestellte Foto macht deutlich, dass es sich (wieder einmal) um eine billige Polemik handelt. Garniert mit dümmlichen Stereotypen und fussend auf entweder mangelnder - oder bewusster Falsch-Information.
. Bei der gesetzlichen Altersvorsorge gibt es eine bewährte Faustformel: Steigen die Löhne, ziehen auch die Bezüge der Rentner an. Mehr als 50 Jahre lang galt dieser Grundsatz auch umgekehrt. Bei sinkenden Löhnen sollten ebenfalls die Altersbezüge zurückgehen. Dies ist ein Beitrag zur Generationengerechtigkeit. Junge und Alte profitieren vom Zuwachs an Wohlstand gemeinsam, zugleich tragen sie zusammen finanzielle Belastungen.
Sehr geehrter Herr Öchsner,
machen Sie sich mal mit dem Internet vertraut und rufen Sie z.B. www.Gesellschaft-und-Visionen.de Vermeidung von Altersarmut auf, dort können Sie lesen:
Die Rentenentwicklung folgte bis zum Jahr 2004 der Entwicklung der Löhne der abhängig beschäftigten Arbeiter und Angestellten.
Das Rentenversicherungs- Nachhaltigkeitsgesetz vom 21. Juli 2004 BGBl. I Seite 1791 änderte mit Inkrafttreten des Artikel 1 Änderung des Sechsten Buches Sozialgesetzbuch in Punkt 10 zu § 68 Aktueller Rentenwert Abs. (2) und (4) diese Berechnungsbasis grundlegend:
In die Rentenversicherung der Arbeiter und Angestellten geht nunmehr die beitragspflichtige Bruttolohn- und Gehaltssumme je durchschnittlich beschäftigten Arbeitnehmer ohne die Beamten einschließlich der Bezieher von Arbeitslosengeld und die an die Bundesknappschaft abgeführten Beiträge der geringfügig Beschäftigten völlig gleichwertig ein.
Die Folge dieser systemfremden Einbeziehung der Sozialgeldempfänger und ihrer Sozialgelder, die selbst weder steuer- noch sozialabgabepflichtige staatliche Hilfeleistungen beziehen und die wachsende Gruppe der Mini- Jobber, die auch ergänzende staatliche Hilfe zum Lebensunterhalt beziehen, hat die drastische Absenkung des berechneten künftigen Rentenniveaus zur Folge.
Mini- Jobs und Teilzeitkräfte werden rechnerisch gleichwertig wie reguläre Vollzeitkräfte behandelt. Das wirkt der Lohnerhöhung von Millionen Vollzeitkräften spürbar entgegen.
Mit der Rentengarantie haben SPD und Union diese gute Tradition außer Kraft gesetzt
Aus Angst, bei den 20 Millionen Rentnern Stimmen zu verlieren und in der Hoffnung, dass die Rentengarantie nie greifen muss.
Was lernen wir, entgegen Ihrer Schreiberei, aus den o.a. Ausführungen - Herr Öchsner?
Richtig! Die bewährte Rentenformel
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