Rente mit 67 Haben ältere Mitarbeiter noch den Durchblick? Ein Betriebsarzt antwortet

Muskelschwäche, schlechtere Augen, hoher Blutdruck: Im Alter sind viele Angestellte mit körperlichen Problemen konfrontiert. Die Einführung der Rente mit 67 macht vielen Sorge, ob sie es bis dahin gesundheitlich schaffen. Dem Verband der Betriebs- und Werksärzte zufolge steigen vor allem Rücken- und Knieerkrankungen mit dem Alter deutlich an - zumindest in gering qualifizierten körperlichen Jobs und Dienstleistungeberufen. Unter Managern und Ingenieuren liegt dieses Risiko deutlich niedriger. Ein Gespräch mit Wolfgang Panter, Leitender Betriebsarzt bei Hüttenwerke Krupp Mannesmann GmbH und Präsident des Verbandes Deutscher Betriebs- und Werksärzte.

Süddeutsche.de: Herr Panter, viele Menschen haben Angst, körperlich nicht bis 67 arbeiten zu können. Macht langes Arbeiten krank?

Wolfgang Panter: Wenn Arbeit richtig gestaltet wird, wirkt sie positiv auf Seele und Körper. Aber: Die Bedingungen müssen stimmen. Wir müssen der Prävention einen ganz anderen Stellenwert beimessen. Und wir müssen über Führung in Unternehmen reden. Mitarbeiter müssen heute mitgenommen werden und das Gefühl haben, fair behandelt zu werden.

Welche Beschwerden sehen Sie am häufigsten?

Das hängt davon ab, wo Menschen arbeiten. Nehmen wir einen Bauarbeiter, der auch bei zwei Grad im Nieselregen draußen arbeiten muss. Bei diesen Menschen stehen Muskel- und Skelett-Erkrankungen im Vordergrund: Verspannungen, Muskelverkürzungen, aber auch Verschleiß bis zum Bandscheibenvorfall. Insgesamt gibt es im Vergleich zu früher mehr psychische Krankheiten wie Depressionen. Das liegt aber auch an einem erhöhten Bewusstsein für diese Diagnosen. Magen-Darm-Erkrankungen wie Magengeschwüre sind dagegen weniger geworden - auch weil die Therapien Fortschritte gemacht haben.

Was raten Sie Arbeitnehmern, die Angst haben, nicht bis 67 durchzuhalten?

Es ist sicher zu spät, sich erst mit 58 Gedanken über Prävention zu machen. Wir müssen in Schule und Ausbildung schon ein Bewusstsein dafür schaffen. Büroarbeiter sollten ihre Arbeit so organisieren, dass sie immer wieder aufstehen und sich nach Feierabend als Ausgleich zum vielen Sitzen körperlich betätigen. Aber nicht nur Arbeitnehmer tragen die Verantwortung: Unternehmen sollten Arbeit nicht nur am Schreibtisch stattfinden lassen.

Interview: Jannis Brühl