Reden wir über Geld (1): Bushido "Die geilste Droge von allen"

Er ist der Boss: Der Berliner Skandalrapper Bushido über seine Immobilienfirma, Stundenlöhne von 80.000 Euro, warum er trotzdem Depressionen bekommt - und sich selbst als Spießer bezeichnet.

Interview: A. Hagelüken und A. Mühlauer

Im Hinterhof eines Backsteinhauses in Kreuzberg residiert Deutschlands erfolgreichster Rapper neben Anwälten und Werbern. Vor der Tür parkt Bushido, 29, seinen schwarzen Mercedes CL mit Vier-Rohr-Auspuff und extradicken Felgen. Dann die Überraschung: In den Büros seiner Plattenfirma "Ersguterjunge" tragen alle Mitarbeiter plüschige Hausschuhe. Denn: Wer Dreck macht, muss putzen. Bushido trägt als Einziger Straßenschuhe. Er muss nicht putzen, wenn er Dreck macht. Er ist der Boss.

Bushido, Foto: ddp

Bushidos Musikstil erinnert an den amerikanischen Gangsta-Rap.

(Foto: Foto: ddp)

SZ: Sie haben Millionen CDs verkauft, sieben Goldene Schallplatten ergattert und sich mit gezielten Provokationen über Drogen und Gewalt als Deutschlands bekanntester Rapper etabliert. Warum starteten Sie auf einmal eine Immobilienfirma?

Bushido: Das Geld wird ja nicht mehr, wenn es nur herumliegt. Irgendwann ist mein Haltbarkeitsdatum überschritten, dann kommt der Tag, an dem ich mit der Musik nichts mehr verdienen werde.

SZ: Immobilienunternehmer, das klingt vermutlich für viele jugendliche Fans nach Miethai. Warum so was Uncooles?

Bushido: Ganz ehrlich: Das war Zufall. Für mich hätte es auch ein Dönerladen sein können oder ein Sportgeschäft.

SZ: Was macht die Firma genau?

Bushido: Ich teile mir die Firma mit einem sehr guten Freund. Sechs Mitarbeiter kümmern sich um das Tagesgeschäft. Wir kaufen und verkaufen Wohnungen.

SZ: Sie wollten in den ersten zehn Monaten eine Million Euro Gewinn machen und dann sich und ihrem Partner je einen Mercedes für knapp eine halbe Million kaufen. Hat das geklappt?

Bushido: Klar.

SZ: Lesen Sie den Finanzteil der Zeitung?

Bushido: Ganz ehrlich: Nö. (SZ legt ihm eine Sonderseite zur Finanzkrise und Immobilienbaisse hin. Er liest.) Ja. (Pause) Die Immobilienkrise hab ich ein bisschen verfolgt. Aber wahrscheinlich bin ich eher ein Hobby-Immobilientyp.

SZ: Und das Risiko fallender Preise?

Bushido: Wir führen die Firma nach der Maxime: Jeder haftet für sein Wort.

SZ: Was bedeutet das?

Bushido: Wenn einer sagt: Ich brauche für ein Geschäft 100.000 Euro, dann haftet er bei Verlust für diese Summe. Das ist bei uns so Sitte. Ganz einfach.